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Wüstenpflanzen Von der Akazie bis zur Welwitschia

Leben in einer scheinbar lebensfeindlichen Umgebung: Die Natur hat die ausgefallensten Strategien parat, damit Pflanzen auch in Wüsten existieren können.

Stand: 05.06.2012

Kakteen in der Sonora-Wüste | Bild: picture-alliance/dpa

Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln Wasser und Mineralien auf. So steht es in den Schulbüchern. Doch was ist, wenn der Boden diese lebenswichtigen Nährstoffe gar nicht oder kaum bietet? Dafür hat die Natur einige Tricks parat.

Auch in den Wüsten dieser Erde gedeiht Vegetation, trotz lebensfeindlicher Bedingungen wie Wasserarmut, extreme Temperaturschwankungen, Sandstürme oder Salzböden. Allein in der Sahara kommen 1.400 Pflanzenarten vor.

Überlebensstrategien von Wüstenpflanzen

Tiefenbohrer & Tausauger

Akazie | Bild: picture-alliance/dpa

Es ist nicht so, dass es in der Wüste keine Flüssigkeit gibt. Sand speichert Wasser, nur nicht in rauen Mengen. Einige Pflanzenarten haben Stategien entwickelt, um diese Knappheit zu kompensieren: Sie verfügen über ein verzweigtes, oberflächennahes Wurzelsystem, das sich bis zu 30 Meter seitwärts ausbreitet.

Andere Pflanzen orientieren sich mehr nach unten. Sie sind mit Pfahlwurzeln ausgestattet, um den in der Wüste oft tief liegenden Grundwasserspiegel zu erreichen. Den Rekord halten Akazien (siehe Bild) in der Sahara und in der Namib mit Wurzeln, die sich bis zu 80 Meter hinab arbeiten.

Besonders findig ist die Welwitschia mirabilis, die ebenfalls in der Namib verbreitet ist. Sie nimmt Wasser nicht nur über Wurzeln auf, sondern "saugt" auch über ihre Blätter etwas Feuchtigkeit aus dem Nebel. Andere Pflanzen fangen mit Dornen oder Härchen Tautropfen auf, um sie zu den Wurzeln zu leiten.

Sukkulenten

Köcherbaum in der Wüste Namib | Bild: picture-alliance/dpa

Manche Pflanzen, die sogenannten Sukkulenten, sind imstande, sich Wasservorräte anzulegen. Die Köcherbäume (siehe Bild) verwenden ihren Stamm dazu ebenso wie die Kakteen. Besonders typisch für die Wüste ist der Saguaro-Kaktus in der nordamerikanischen Sonora. Die bis zu 16 Meter hohe Pflanze kann mehrere tausend Liter Wasser speichern. Agaven und Aloen benutzen dazu dagegen ihre Blätter.

Haushälter

Auch das Haushalten mit dem knappen Wasser ist eine spezielle Herausforderung für Wüstenpflanzen, da die trockene Wüstenluft ständig versucht, ihnen Feuchtigkeit zu entziehen. Dagegen wehren sich manche Arten zum Beispiel mit einer wasserundurchlässigen Wachsschicht.

Andere "verstecken" die Stomata vor der Sonne. Über diese kleinen Spaltöffnungen in den Blättern nehmen Pflanzen Kohlendioxid für die Photosynthese und Sauerstoff für die Atmung auf. Während dieses Vorgangs verlieren sie jedoch Wasserdampf. Um diesen Verlust zu verringern, sind die Stomata bei manchen Wüstenpflanzen auf die sonnenabgewandte Blattunterseite verlagert.

Haarkünstler & Erdbewohner

Blattspitzen der Fensterblattpflanze | Bild: BR

Um sich gegen die intensive Sonnenstrahlung in der Wüste zu schützen, stellen manche Pflanzen ihre Blätter steil. Andere haben sich ein Stachelkleid oder einen Haarpelz zugelegt. Das sorgt für ein feuchteres Mikroklima an den Blättern.

Andere Pflanzen, etwa die Parkinsonie, haben zwecks Hitzeschutz ihre Blätter auf nadelartige Pinnen reduziert. Das minimiert auch die Verdunstung.

Sonnenflüchter ganz besonderer Art sind die Geophyten. Sie leben unter der Erde, wo die Temperaturen viel niedriger sind und auch weniger schwanken. Ein Beispiel: die Fensterblattpflanze. Nur ihre Blattspitzen ragen aus dem Sand (siehe Bild). Deren Oberseiten bilden Fenster, über die das Licht aufgenommen wird.


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