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Studenten überfordert Mit der Rechtschreibung hapert's

In den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten sitzen die Experten für den richtigen Gebrauch der Sprache. Und den fordern die Professoren auch von ihren Studenten. Doch diese Fähigkeit habe extrem nachgelassen, klagen Professoren.

Stand: 24.07.2012

Dass der ein oder andere Professor über das Unvermögen seiner Studenten klagt, das kennt man. Aber an der aktuellen Umfrage über neue Bildungsstandards an Gymnasien haben sich Professoren an 135 geisteswissenschaftlichen Fakultäten in 62 deutschen Universitäten beteiligt. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Referate wimmeln von Rechtschreibfehlern, in schriftlichen Arbeiten finden sich häufig Grammatikfehler. Zudem fehle es an Lesekompetenz. Besonders auffällig sei das bei Erst- und Zweitsemestern.

Schwierigkeiten beim Formulieren

Professor Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth geht in seiner Studenten-Schelte noch einen Schritt weiter: Studierende seien auch nicht fähig, selbstständig zu formulieren und Texte zusammenzufassen. Da stellt sich die Frage, was lernen die Schüler denn überhaupt in der Schule? Speziell das bayerische Gymnasium gilt als eines der schwierigsten in Deutschland. Und jetzt sollen die angehenden Hochschüler weder rechtschreiben noch mit eigenen Worten zusammenfassen können?

"Viele Studenten können kaum noch einen Gedanken im Kern erfassen und Kritik daran üben."

Professor Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth

Medienkompetenter als früher

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Germanist Wolf, der in Bayreuth ältere deutsche Literatur lehrt, wird noch deutlicher: "Mit der argumentativen Logik haben es die Studenten immer weniger. Diese Fähigkeiten gehen langsam verloren." Schuld sei der schwindende Wortschatz. Die Studenten verwenden in ihren Arbeiten Begriffe, ohne deren Bedeutung zu kennen. Und auf eine 90-minütige Vorlesung könnten sich Studierende kaum noch konzentrieren, wohl in der festen Überzeugung, die Inhalte seien alle im Netz abrufbar. Und hier bescheinigt Wolf den heutigen Studierenden endlich einmal etwas Positives: Sie hätten mehr Medienkompetenz als frühere Generationen.

Ein Jahr Vorstudium

Um die Sprach- und Schreibkompetenz der Schüler zu fördern, seien nicht nur die Schulen gefordert, sondern auch die Hochschulen. Universitäten sollten Vorschaltkurse anbieten, um Basiswissen zu vermitteln, verlangt Wolf. Doch das laufe seiner Ansicht nach den Bestrebungen von Politikern entgegen, die Schul- und Studienzeit zu verkürzen. Da kann man dann nur hoffen, dass künftige Arbeitgeber mehr Wert auf die Medienkompetenz ihrer Mitarbeiter legen als auf die einwandfreie Verwendung der deutschen Sprache.


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Jürgen, Freitag, 27.Juli, 09:29 Uhr

2. Es gibt zu viele Potemkinsche Dörfer im Bildungssystem

Die seit rund einem Jahrzehnt unbestreitbar ansteigende mangelhafte Studierfähigkeit bayerischer Abiturienten ist ein unbestreitbares Faktum, das eine ganze Reihe von Ursachen hat:
1. Es kommen heute immer mehr und immer jüngere Abiturienten an die Hochschulen, die einer immer besseren und intensiveren Betreuung und Führung bedürfen. Darauf ist die Hochschule weder strukturell und schon gar nicht personell eingerichtet. Da die Einführung von Studiengebühren unmittelbar von der Streichung staatlicher Mittel begleitet wurde, konnte hier nicht adäquat eingegriffen werden. Die Ersatzlose Streichung von Studiengebühren würde heute sämtliche bayerischen Universitäten sofort zusammenbrechen lassen.
2. G8 und Streichung des Wehrdienstes haben das Problem erheblich verschärft. 17/18jährige haben nun mal per se einen niedereren Reifegrad, als 19/20jährige, die einen Wehr- oder Zivildienst absolviert haben. Dort erworbene soziale Fähigkeiten und Selbständigkeit sind weitgehend abhanden gekommen.
3. Die Einführung der modularisierten Studiengänge im Zuge der Bologna-Reform hat zur Folge, dass sich Studierende nicht mehr langsam ins Studium einfinden und orientieren können, sondern vom ersten Tag an meßbare Leistungen bringen müssen. Darauf wurden sie in der Schule nicht vorbereitet, im G8 schon gar nicht.
4. Die Schulen haben den Bildungsgedanken zugunsten eines Leistungsgedankens weitestgehend fallen gelassen. An der Universität, ist aber Grundbildung eine Voraussetzung von Leistung. Das absurde Verwechseln von Leistung mit Bildung ist ein Phänomen quasi aller Bildungspolitiker der Republik.
5. Die Fehler beginnen bereits in der Grundschule. Dort werden aus Sparsamkeitsgründen unangepaßte pädagogische Konzepte von oben herab durchgedrückt. Jahrgangsmischung dient nicht mehr dazu, kleine Schulen zu retten, sondern massiv Lehrerstellen abzubauen und das auch dort, wo genügend Schüler vorhanden wären. Dadurch werden die Klassen vergrößert, der Bildungsweg erschwert.

Robert, Mittwoch, 25.Juli, 15:46 Uhr

1. Rechtschreibreform wohl gescheitert

Meines Erachtens belegen diese Erkenntnisse, daß die Rechtschreibreform gescheitert ist. Die Weichspülung der Regeln verringerte nicht die Fehlerquote, sondern erhöhte die Geringschätzung der Orthographie. Die Einsicht, es richtig lernen zu sollen, wurde noch geringer.
Wer schon vor der Reform nicht wußte, wann man "das" mit s oder ß schreibt, der weiß auch heute nicht, wann er es mit ss schreiben muß. Allerdings hat er jetzt verinnerlicht, daß er eigentlich schreiben kann, wie er will, da inzwischen jeder sich seine Regeln selber auslegt.
Solange die Rechtschreibung nicht wirklich streng gelehrt und geprüft wird, wird sich an dieser Misere nichts mehr ändern.

Und in der Tat, wer heute die Sprache von Jugendlichen unter sich wahrnimmt, der muß tatsächlich feststellen, daß dort ein gravierender geistiger Verkümmerungsprozeß stattfindet hin zum einfältigen, wortschatzarmen Konsumenten "schneller Medien".