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Von der Pionierarbeit zur Routinebeoperation 50 Jahre Herztransplantation

Es ist eine Sensation, als Christiaan Barnard vor 50 Jahren in Kapstadt in Südafrika das erste Herz eines Menschen verpflanzt. Doch aus der Transplantation wird erst eine Erfolgsgeschichte, als es Medikamente gegen die Abstoßung der neuen Organe gibt.

Von: Yvonne Maier

Stand: 23.11.2017 | Archiv

Der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard, hatte in den USA in Virginia beim berühmten Herzchirurgen Norman Shumway gelernt, wie Herztransplantationen vonstatten gingen - bei Hunden. Christiaan Barnard brachte 1958 von dort eine Herz-Lungen-Maschine mit, als er zurück nach Kapstadt kam. Seit Wochen wartete er mit seinem herzkranken Patienten Louis Washkansky auf ein Spenderorgan. Zwei vollständige Operationsteams, 31 Personen, waren in ständiger Ruf-Bereitschaft. Eines für die Entnahme, eines für die Transplantation des Herzens. Die Teams hatten sich penibel vorbereitet.

Erste gelungene Herztransplantation in Kapstadt

Der weltweit erste herztransplantierte Patient Louis Washkansky mit seiner Frau

Als erstes musste Louis Washkansky an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Christian Barnard entnahm das kranke Herz und setzte das Neue ein. Die Herz-Lungen-Technikerinnen erhöhten langsam die Temperatur des Blutes von 21 auf 32 Grad, eine Klammer wurde gelöst - es kam wieder Sauerstoff in das Herz. Das Herz begann sofort zu schlagen. Die Sensation war perfekt. Am 3. Dezember 1967 wurde Medizingeschichte geschrieben: Ein Spenderherz klopfte in Louis Washkanskys Brust. Nach der Sensation wurde Christiaan Barnard berühmt. Und das Groote Schuur Hospital  in Kapstadt blieb für zehn Jahre das wichtigste Zentrum weltweit für Herztransplantationen.

Der Chirurg Christiaan Barnard (M) mit seinem zweiten Herztransplantations-Patienten Philip Blaiberg (l).

18 Tage nach der Operation verstarb der aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky mit 54 Jahren. Er hatte sich eine unentdeckt gebliebene Lungenentzündung eingefangen. Dazu erhielt er Medikamente, die sein Immunsystem unterdrückten, damit er das neue Organ nicht abstieß. Bei der Obduktion kam heraus, dass es keine Abstoßung des Spenderherzen gegeben hatte. Im Januar 1968 transplantierte das Team aus Kapstadt das nächste Herz. Dieser zweite transplantierte Patient, Philip Blaiberg, überlebte 18 Monate. Christiaan Barnard wurde endgültig zum Star.

Herzchirurg Bruno Reicharts erfolgreiche Arbeit in München

Herzchirurg Norman Shumway

Einer, der in Deutschland Pionierarbeit geleistet hat und zu den besten Herzchirurgen der Welt gehört, ist Professor Bruno Reichart. Einige Jahre hat er sogar als Nachfolger von Christiaan Barnard in Kapstadt Herzen transplantiert. Zur Herzchirurgie kam er durch einen Zufall. 1971 war Reichart junger Assistenzarzt am Klinikum Großhadern in München. Nur wenig später ging er an die kalifornische Stanford University. Er durfte dem berühmten Pionier der modernen Herztransplantation, Norman Shumway, bei der Arbeit zusehen.

Herzspezialist Bruno Reichart

Die Herztransplantationen weltweit stockten damals, weil die Abstoßungsreaktionen nicht zuverlässig in den Griff zu bekommen waren. Als Bruno Reichart zurück nach München kam, begann er einen intensiven Austausch mit dem Chirurgen Walter Brendel, der ebenfalls in München am Klinikum Großhadern arbeitete. Er war der Entwickler eines der wichtigsten Immunsuppressiva (Medikamente, die eine immunologische Reaktion unterdrücken) seiner Zeit, das Christiaan Barnard auch bei seiner zweiten, erfolgreichen Herztransplantation an Philip Blaiberg 1968 eingesetzt hatte.

Das Team um Christiaan Barnard führte die erste Transplantation eines menschlichen Herzens durch.

Bei der ersten Herztransplantation in München 1969, war der Patient nur Tage nach der Operation verstorben. Ab August 1981 konnte das Team um Bruno Reichart schließlich beweisen, wie man erfolgreiche Herztransplantationen macht. Einer der ersten zehn Herztransplantierten lebt noch heute, fast 35 Jahre nach der Operation im Mai 1983. Mittlerweile ist er 77 Jahre alt. Sein Herz bereitet ihm keine Schwierigkeiten.

Mangelnde Bereitschaft zur Organspende

In den vergangenen 50 Jahren hat sich rein chirurgisch bei Herztransplantationen kaum etwas verändert. Die größte Herausforderung für Herzchirurgen ist nicht eine chirurgische, logistische oder pharmazeutische. Das größte Problem ist der Organmangel. Derzeit warten 10.000 Menschen auf ein Organ, viele Herzpatienten sterben, während sie noch auf der Warteliste stehen.

Das erste Kunstherz am 2.12.1982

Vor 35 Jahren, also 15 Jahre nach Barnards Pioniertat, pflanzte Chirurg William DeVries am 2. Dezember 1982 im Krankenhaus der University of Utah in Salt Lake City dem schwer herzkranken 62-jährigen Zahnarzt Barney Clark das weltweit erste Kunstherz ein. Heute dient das Kunstherz, eine kleine Maschine, hauptsächlich als Ergänzung des natürlichen Herzens. Es wird vor allem als Überbrückungsmaßnahme eingesetzt, solange ein Patient auf ein Spenderherz wartet.

Xenotransplantation als neuer Ansatz

Xenotransplantation: Spenderherzen von genveränderten Schweinen beim Menschen einsetzen?

Es gibt neuere Ansätze, dem Organmangel zu begegnen. Bruno Reichart forscht an einem von ihnen. Dabei handelt es sich um sogenannte Xenotransplantationen. Also um Spenderherzen von genveränderten Schweinen, die Menschen eingesetzt werden. Die Mindestvoraussetzung für eine Zulassung: Der Test muss im Tierversuch funktionieren. Nach 25 Jahren Stillstand hat es in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte gegeben: Ein Pavian hat zumindest drei Monate mit einem arbeitenden Schweineherz überlebt. Dann wurde der Versuch abgebrochen und das Tier eingeschläfert. Ein erster Schritt.

Doch selbst wenn es technisch-chirurgisch in Zukunft gelingen kann, tierische Herzen in menschliche Patienten zu verpflanzen, sind die ethischen Fragen noch lange nicht gelöst. Wollen Menschen wirklich Schweineherzen in ihrem Körper haben? Und dürfen wir Tiere nur für ihre Organe züchten?

  • 50 Jahre Herztransplantation - Eine Erfolgsgeschichte?: IQ-Feature, 30. November 2017, 18.05 Uhr, Bayern 2

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