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Henry Ford Autos vom Fließband

Anfangs kann sich nur eine gutbetuchte Minderheit das Vergnügen leisten, mit einem Automobil über die Straßen zu rollen. Henry Ford ändert das 1908: Mit dem Fließband verwandelt er das Auto in ein Massenprodukt für jedermann.

Stand: 29.07.2013

Henry Ford und Model T 1921 | Bild: Ford Motor Company

Henry Ford wird 1863 auf der Farm seiner Eltern in der Nähe von Detroit im US-Staat Michigan geboren. 1879 zieht er in die Stadt und macht dort eine Lehre als Maschinist. Danach arbeitet er unter anderem im Unternehmen des Erfinders Thomas Alva Edison. In dieser Zeit baut er auch sein erstes Automobil: 1896 ist das "Quadricycle" fertig. Der Versuch, motorisierte Fahrzeuge zu verkaufen, scheitert zunächst. Doch Ford gibt nicht auf: Nachdem seine erste Firma Pleite geht, gründet er 1903 die "Ford Motor Company".

Das legendäre "Model T"

"Model T", die "Blechliesl", im Jahr 1912

1908 bringt Ford ein neues Fahrzeug auf den amerikanischen Markt: das "Model T". In den folgenden Jahren gewinnt das Automobil mehrere Rennen und stellt neue Geschwindigkeitsrekorde auf. Das "Model T" wird landesweit berühmt und verkauft sich gut. Sein Durchbruch kommt aber erst 1913.

Am laufenden Band

Fließbandarbeiter um 1913 in der Automobilfabrikation von Henry Ford

In diesem Jahr lässt Henry Ford in seinen Fertigungshallen zum ersten Mal ein Fließband laufen. Drei Jahre vorher, im Jahr 1910, besucht der Automobilproduzent den Schlachthof von Chicago. Dabei beobachtet er, wie die Metzger dort die Schweine schlachten und zerlegen. Die geschlachteten Schweine hängen an einer Art Förderband von der Decke und können von einem Metzger zum nächsten weitergeschoben werden. Jeder einzelne Metzger hat so nur wenige Handgriffe zu tun, dann gibt er das Schwein an den nächsten Kollegen weiter. Das bringt Henry Ford auf eine Idee: Er will Autos nach dem gleichen Prinzip zusammenbauen, wie Metzger im Schlachthof Schweine auseinandernehmen.

Mehr Autos, mehr Gewinn

1920: Das fünfmillionste Exemplar des "Model T"

Henry Ford hat das Fließband zwar nicht erfunden und andere haben es bereits vor ihm beim Automobilbau benutzt. Er ist jedoch der Erste, der es konsequent in der Produktion einsetzt. Mit Erfolg: Weil jeder Arbeiter nur noch wenige Handgriffe tut, beschleunigen sich die Arbeitsvorgänge. In der gleichen Zeit können mehr Fahrzeuge vom Typ "Model T" hergestellt werden. Die steigenden Produktionszahlen schlagen sich auch finanziell nieder: 1914 macht Ford 30 Millionen US-Dollar Gewinn. Im Jahr 1916 sind es bereits 60 Millionen US-Dollar.

Das Auto für alle 

Ausflug ins Grüne mit dem "Model T" im Jahr 1923

Weil Ford billiger als die Konkurrenz produziert, kann er auch die Preise senken. Im Jahr 1908 kostet ein "Model T" noch 850 US-Dollar. Nach der Einführung des Fließbands sinkt der Preis auf 300 US-Dollar. Zu diesem Preis können auch die Arbeiter, die das "Model T" bauen, ein solches Auto kaufen. "Ein Tag – einen Dollar. Ein Jahr – einen Ford", fasst Ford sein Konzept zusammen: Das Auto soll ein Massenprodukt werden, dass sich jeder leisten kann.

Das erfolgreichste Auto der Welt

Fords Konstruktion entwickelt sich zum Dauerbrenner: 1925 ist jedes zweite Auto auf der Welt ein "Model T". Als im Jahr 1927 ein anderes Modell das "Tin Lizzy" und "Blechliesl" genannte Auto ablöst, hat Ford rund 15 Millionen Fahrzeuge dieses Typs verkauft. Erst 1972 übertrifft ein anderes Auto diesen Produktionsrekord: der VW Käfer.

Autos von deutschen Fließbändern

Der "Laubfrosch" von Opel

Auch in Deutschland findet das neuartige Fertigungsverfahren Nachahmer: 1920 reisen die Brüder und Automobilhersteller Fritz und Wilhelm Opel nach Detroit. Nach ihrer Rückkehr bauen sie das Opel-Werk in Rüsselsheim radikal um. 1924 wird dort das erste Fließband in Deutschland installiert. Der erste Wagen, der vom Band läuft, ist der sogenannte "Laubfrosch" (Opel 4/12 PS). Auch für die deutschen Kunden macht das neue Produktionsverfahren Autos erschwinglich: Bei Opel sinkt der Preis dank geringerer Herstellungskosten von 4.500 Mark auf 1.990 Mark. Das Auto ist nicht länger ein teures Luxusgut für wenige, sondern wird zum Fortbewegungsmittel für viele.


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