Wissen


2

Gehirnforschung Der neuronale Lügendetektor

Ein herkömmlicher Lügendetektor misst die körperlichen Reaktionen eines Verdächtigen während eines Verhörs. Neurowissenschaftler in Berlin gehen einen Schritt weiter: Sie wollen mit einem Blick ins Gehirn Alibis überprüfen.

Stand: 02.04.2012
Aufnahme des Gehirn | Bild: colourbox.com

Selbst wenn es flächendeckend Überwachungskameras gäbe, könnten sie Verbrechen nicht völlig verhindern: Ob ein Mensch böse Absichten hat, lässt sich nicht am Äußeren ablesen. Der Berliner Neurowissenschaftler John-Dylan Haynes und seine Mitarbeiter am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience der Humboldt-Universität Berlin schauen deshalb ins Innere des Kopfes. Sie arbeiten an einem Lügendetektor, der unfehlbar und unabhängig von subjektiven Einschätzungen ist. Dazu dient die "Tatortwiedererkennung" im Gehirn.

Videospiel für die Forschung

Die Testpersonen mussten durch virtuelle Gänge und Räume wandern und sich Details einprägen.

Haynes Team untersucht, ob Orte, an denen wir einmal waren, Spuren im Gehirn hinterlassen. Um das herauszufinden müssen Testpersonen eine Art Videospiel absolvieren. Sie begeben sich auf eine Entdeckungsreise durch virtuelle Häuser. Ihre Aufgabe dabei ist sich einzuprägen, was sie auf ihrem Weg durch die einzelnen Räume sehen.

Blick in die Röhre

Im Kernspintomografen werden die Reaktionen des Gehirns gemessen.

Nach dem Videospiel müssen die Testpersonen in den Kernspintomografen. Über einen Monitor in der Röhre zeigen die Wissenschaftler ihnen Filmclips von Orten, die ihnen bekannt oder fremd sind. Dabei messen sie die Hirnaktivität. Bei dieser "Tatortwiedererkennung" werden neuronale Reaktionen untersucht, die nicht durch den Willen beeinflussbar sind. Diese neuronalen Muster aus der Masse an Daten herauszulesen ist eine hochkomplexe Aufgabe. Die Forscher müssen herausfinden, wie die Hirnaktivität aussieht, wenn eine Person einen Ort schon einmal gesehen hat. Erst auf Basis dieser Daten kann der Computer dann erkennen, wenn dieses Phänomen wieder auftritt.

Lügendetektor funktioniert

Erinnerungen an bestimmte Orte aktivieren bestimmte Areale im Gehirn.

Bei den Tests im Kernspintomografen zeigt sich, dass der "neuronale Lügendetektor" funktioniert: Wenn eine Testperson einen bestimmten Ort kennt, leuchten spezifische Zentren im Gehirn auf. Diese Technik könnte eines Tages dazu beitragen, Mörder, Einbrecher oder Attentäter zu überführen: Man konfrontiert die Verdächtigen mit Bildern von Tatorten und misst dabei ihre neuronalen Reaktionen. Terroristen schon vor der Tat zu stoppen bleibt aber eine Zukunftsversion. Einen Computer, der Gedanken und Absichten lesen kann, gibt es - zum Glück - noch nicht.


2