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Stunde der Gartenvögel 2016 Schwalben sind erneut die großen Verlierer

Fast 200.000 Vögel wurden bei der "Stunde der Gartenvögel" in diesem Jahr in Bayern gezählt. Und wieder sieht es für Schwalben und Mauersegler schlecht aus. Dafür wurden ein paar echte Exoten gesichtet.

Stand: 10.06.2016

Vom 8. bis zum 10. Mai haben rund 8.000 Menschen fast 200.000 Vögel in der "Stunde der Gartenvögel" beobachtet und gemeldet - allein in Bayern. Die Aktion fand bereits zum zwölften Mal statt und ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und seinem bundesweiten Partner, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU). Ihre Ergebnisse zeigen: Um Schwalben und Mauersegler ist es bei uns schlecht bestellt.

Bebauung setzt Schwalben zu

Bauboom der Menschen, Baustopp für Mauersegler und Mehlschwalbe

Zum ersten Mal in all den Jahren der Vogelzählung gehört die Mehlschwalbe nicht mehr zu den zehn häufigsten Vögeln in unseren Gärten. Auch der Mauersegler wurde seltener gesehen. Die beiden Gebäudebrüter leiden unter den gleichen Schwierigkeiten: Es mangelt an Nistmöglichkeiten und Nahrung. Die Vögel finden inzwischen nicht mehr genug Fluginsekten und wegen der zunehmenden Flächenversiegelung auch nicht mehr genug Lehm für ihren Nestbau. Dazu kommt, dass viele Hausbesitzer die Nester von ihren Fassaden entfernen, obwohl Schwalbennester gesetzlich geschützt sind.

Mehlschwalbe

Die Folge: Die flinken Flugkünstler werden bei uns seltener. Schon im vergangenen Jahr war die Mehlschwalbe stellenweise, etwa in Münchner Stadtvierteln, komplett verschwunden. Deutschlandweit werden heute 41 Prozent weniger Mehlschwalben und 45 Prozent weniger Mauersegler gezählt als zu Beginn der Aktion vor zwölf Jahren.

Ein paar echte Exoten gesichtet

Immer häufiger gesichtet: Bienenfresser

Die vermutlich größte Überraschung bei der diesjährigen Vogelzählung war eine Gruppe von dreißig Bienenfressern, die im Unterallgäu gesichtet wurden. Dort waren sie vermutlich nur auf der Durchreise, doch in Schwaben gibt es einige Brutkolonien des seltenen, schönen Vogels. Ein kleineres Grüppchen von sechs Bienenfressern wurde auch im Landkreis Würzburg gesehen.

"Diese Meldung bestätigt unsere Beobachtungen der letzten Jahre, dass sich bedingt durch den Klimawandel immer mehr dieser exotischen und früher extrem seltenen Vögel nun auch bei uns in Bayern ansiedeln."

Martina Gehret, Citizen-Science-Beauftragte des LBV

Und noch ein rarer Vogel tauchte zur Freude der Vogelschützer viermal auf: der Wiedehopf. Der einzelne Flamingo, der über Hilpoltstein gesichtet wurde, war dagegen vermutlich ein ausgebüxter Zoobewohner.

Mehr Waldvögel in den Gärten

Eichelhäher

Eine weitere Überraschung in der "Stunde der Gartenvögel" 2016 war die zunehmende Zahl von Waldvögeln, die in den Gärten auftauchten. Buntspechte und Kleiber waren in stärkerer Zahl vertreten und auch der Eichelhäher wurde häufiger gezählt, besonders nördlich der Donau.

Unangefochtene Spitzenpositionen

Wieder auf dem ersten Platz: der Spatz

Die Spitzenpositionen blieben weitestgehend unverändert: Der Haussperling landete erneut auf Platz eins, gefolgt von Amsel, Star, Kohlmeise und Feldsperling, der 2016 häufiger als die Blaumeise gezählt wurde. Erfreulich auch, dass es das Rotkehlchen auf Platz zwölf geschafft hat. Der Insektenfresser ist sehr von der Witterung abhängig und hat sicherlich vom milden Winter 2015/16 profitiert.

Die Topplatzierungen in den Vogelcharts

Insgesamt wurden 129 Arten gezählt. Hier die Top Ten im Vergleich zum Vorjahr:

Die Top Ten 2016
PlatzVogelAnzahlVögel pro Garten
1Spatz (Haussperling)25.6014,4
2Amsel20.5813,6
3Star19.4713,4
4Kohlmeise17.4883
5Feldsperling17.3883
6Blaumeise12.3682,1
7Elster7.4781,3
8Grünfink6.2421,1
9Buchfink5.4050,9
10Rabenkrähe5.2240,9
Die Top Ten 2015
PlatzVogelAnzahl
1Haussperling (Spatz)29.307
2Amsel22.392
3Star18.429
4Kohlmeise18.191
5Blaumeise13.006
6Feldsperling11.935
7Elster8.375
8Grünfink7.483
9Buchfink6.143
10Mehlschwalbe5.987

Jeder kann zum Forscher werden

Bei der "Stunde der Gartenvögel" sollen möglichst viele Menschen ihre Beobachtungen den beiden Verbänden NABU und LBV übermitteln.

Insgesamt beteiligten sich 2016 knapp 45.000 Naturfreunde aus ganz Deutschland und meldeten mehr als eine Million Vögel. "Durch die Mitmachaktion ist es möglich, zuverlässige und deutschlandweit flächendeckende Zahlen zur Bestandsentwicklung von Vogelarten in Städten und Dörfern zu sammeln", erläuterte NABU-Vogelexperte Lars Lachmann im vergangenen Jahr. Die Ergebnisse der "Stunde der Gartenvögel" bieten zudem Vergleichsmöglichkeiten mit den Vorjahren sowie zwischen den Vogelarten und den verschiedenen Regionen des Landes.

Weitere Mitmachaktionen: Wintervögel und Igel zählen

Die nächste große Mitmachaktion, bei der Sie Vögel zählen können, ist die "Stunde der Wintervögel". Sie findet vom 6. bis 8. Januar 2017 statt.

Noch das ganze Jahr über können Sie Igel melden: Haben Sie einen gesehen? Hier gibt's das Online-Meldeformular und viele weitere Infos, Bilder und Videos zu den flinken Stachelrittern:

Bei der Vogelzählung kann jeder mitmachen.

Nach dem Prinzip der "Citizen Science" schlüpfen Vogelfreunde und Naturliebhaber in eine Forscherrolle und tragen große Datenmengen zusammen, die einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag leisten. Die Ergebnisse werden jeweils mit denen aus den Vorjahren verglichen. So kann nachvollzogen werden, wie sich die einzelnen Vogelarten in den verschiedenen Regionen entwickeln.

So geht's

Die Stunde der Gartenvögel ist eine Aktion für Laien. Auch wer nur wenige Vogelarten kennt, kann mitmachen. Die Teilnehmer notieren von jeder Vogelart die höchste Anzahl der Vögel einer Art, die sie im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachten können. Diese Zahlen melden sie per Telefon, Post oder per Internet. Unmittelbar nach der Eingabe werden die Daten auf interaktiven Karten online dargestellt.


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