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G8 wird reformiert Was denken Sie?

Jetzt ist es so weit: Die Reform der Reform des G8 ist beschlossen. Sind Sie davon betroffen - als Lehrer, Eltern oder Schüler? Dann schreiben Sie uns! Was denken Sie über die Änderungen? Hier können Sie einige Meinungen nachlesen.

Stand: 23.08.2012

Schüler des achtjährigen Gymnasiums (G8) beginnen in München mit ihrer schriftlichen Abiturprüfung. | Bild: dapd

Schüler, Eltern und Lehrer atmen durch. Nach den Negativ-Meldungen der vergangenen Wochen - schlechte Ergebnisse im G8-Abitur, Ausfall von Unterrichtsstunden, zu viel Stofffülle im Lehrplan, gestresste Schülerinnen und Schüler - ist jetzt klar: Es wird sich was ändern am bayerischen Gymnasium.

Die wichtigsten Änderungspunkte

  • Kultusminister Ludwig Spaenle setzt auf eine mobile Lehrerreserve an bayerischen Gymnasien. Allein 250 Stellen sollen im kommenden Schuljahr geschaffen werden.
  • An elf von 25 Fächern werden Kürzungen des Unterrichtsstoffs vorgenommen - auf der Basis einer Umfrage, die sich an die Lehrer richtete.
  • Schülerinnen und Schüler, die Bedarf haben, können ab 2013/2014 ein zusätzliches Schuljahr, das sogenannte Flexibilisierungsjahr in der Mittelstufe, besuchen.

Mit diesen Reformen, die von Philologenverbänden, der Landes-Elternvereinigung und der Schülervertretung unterstützt und vom Bayerischen Kabinett beschlossen wurden, hoffen Ministerpräsident Horst Seehofer und Kultusminister Spaenle die Diskussionen um das G8 endlich zu beenden. In Baden-Württemberg haben sich 44 Schulen für einen Modellversuch beworben: Sie werden ab dem neuen Schuljahr G8 und G9 gleichzeitig anbieten dürfen. Schülerinnen und Schüler können sich dann ab der sechsten Klasse aussuchen, auf welchen Zweig sie wollen. Hessen versucht ein ähnliches Experiment, doch hier werden sich die Kinder erst ab der zehnten Klasse zwischen G8 und G9 entscheiden können.

Das muss mal gesagt werden

Wir wollen von Ihnen wissen, wie sehen Sie die Situation an den bayerischen Gymnasien? Sind Sie die ständigen Diskussionen leid und wird das G8 einfach nur schlecht geredet? Oder sind die Neuerungen nach wie vor nicht weitgehend genug und es müsste sich noch viel mehr ändern?

Schreiben Sie uns Ihre persönlichen Erfahrungen, per Kommentar, per Mail oder twittern Sie - egal ob Schüler, Eltern, Lehrer oder Schulbuchverleger. Wir werden Ihre Äußerungen hier an dieser Stelle veröffentlichen.

Ihre Mails:

Alibiaktion

Ich habe zwei Kinder im G8 und habe folgende Erfahrungen gemacht:

Es besteht ein hoher Leistungsdruck und in vielen Fächern ist nicht mehr ausreichend Zeit vorhanden, präsentierten Stoff zu üben, so dass er "sitzt".

Beispiel Mathe: Themengebiet wird erklärt und kurz geübt. In der Schulaufgabe werden dann viele Kinder nicht fertig, weil sie mangels Übung an den leichten Aufgaben viel Zeit verschwenden. Für die schweren Aufgaben/Transferaufgaben ist dann zu wenig Zeit vorhanden.

Die sog. Intensivierungstunden: Es taucht eine Lehrkraft dieses Fachgebietes auf, teilt Übungsblätter aus, die mal mehr mal weniger mit dem aktuellen Stoff zu tun haben.

Der Lehrer verbringt meist die Zeit mit Aufgaben wie Korrigieren von Prüfung und anderen Sachen.

Dieses Vorgehen wirkt auf mich wie eine Alibiaktion und nicht wie eine Intensivierung.

Wir haben nun G8 mit vielen Nachteilen wie Stress, kranke Kinder und überforderte Lehrer und Schulorganisationen. Nun gibt es noch ein freiwilliges Wiederholungsjahr in der Mittelstufe, um versäumten Stoff nachzuholen bzw. Stoff zu vertiefen. Das ist ja der Gipfel der Dummheit ! G8 mit allen Nachteilen und nun dauert es auch noch 9 Jahre !!!!

Hauptkritik aus meiner Sicht ist jedoch die Tatsache, dass in vielen Familien das gesamte Familienleben durch die Schule dominiert, teilweise sogar terrorisiert wird.

Schule und gute Ausbildung ist wichtig, kann aber nicht ausschließlicher Lebensmittelpunkt sein und alles andere muss sich danach richten.

G8 ist getestet worden und die Mehrheit der Bürger empfinden diesen Test als nicht erfolgreich.

Es spricht doch nichts dagegen zum G9 zurückzukehren. Oder ist es Politkern nicht möglich aus Gründen des Gesichtsverlustes zum alten System zurückzukehren.

(In Schleswig-Holstein ist das offensichtlich möglich.)

Ich kann nur hoffen, dass die mündige Wählerschaft den Herren Seehofer und Spaenle ein deutliches Feedback in den kommenden Landtagswahlen gibt !!!

Großer Murks

Das G8 wurde überhastet und ohne ein vernünftiges Konzept eingeführt. Aus meiner Erfahrung als Lehrkraft kenne ich genügend Beispiele, wie die Komprimierung des Stoffes in jetzt 8 Jahren immer wieder für Stress, Überforderung und Frust bei allen Beteiligten führt.

Das G8 ist und bleibt der größte Murks in der bayerischen Bildungslandschaft der Nachkriegszeit.

Markus Endres

Zu wenig Reifezeit (1)

Als LernCoach habe ich vor allem die bei mir, die mit dem Turbosystem nicht zurechtkommen oder sich diesem System trotz - oder wegen ihrer hohen Intelligenz nicht anpassen wollen.

Aber im Hau-Ruck-Verfahren möchte Seehofer das brisante Thema G8 nun vor den Ferien vom Tisch fegen. Bunte Schlagworte, die die Illusion vom G8 weiter schüren und beschönigen.

Ein Flexi-Jahr... Aha... Schüler die freiwillig wiederholen, gibt es sicher ein paar... doch die meisten möchten das vermeiden, sie möchten in ihrer Klasse bleiben! Ich weiß auch beim besten Willen nicht, wie das umsetzbar sein soll in diesem starren System! Wie sollen die Schüler genau in ihren schwachen Fächern gefördert werden und warum sollen sie sich ein ganzes Jahr nur verstärkt mit dem beschäftigen, was ihnen sowieso schwer fällt? Individualisierter Unterricht würde viele Reparaturen erübrigen! Denn dann könnten Schüler in ihrem Tempo den Stoff erarbeiten.

Wie stellt sich Herr Seehofer das Frühwarnsystem vor? Mehr mit der Methode lernen, die schon versagt hat? Wie wärs mit echter Ursachenforschung auch auf Seiten der Unterrichtsmethode und der Eignung des Lehrers? Ein Frühwarnsystem finde ich grundsätzlich auch gut – da gibt es tolle Lösungen! Kann ich sofort liefern, Herr Seehofer, allerdings müssen Sie dafür noch ein bisschen Geld locker machen!

(Fortsetzung folgt)

von Alexandra Lux

Zu wenig Reifezeit (2)

(Fortsetzung)

Intensivierungskurse am Wochenende und in den Ferien? Aha…. Kennen Sie Schüler, die das freiwillig machen? – Ich nicht!

250 Lehrer für ganz Bayern???? Das ist ein Witz, oder?

Halbe Lektüren, die Schüler freiwillig weiterlesen??? Na bitte, ich war auch mal Schüler, da war keine Pflichtlektüre wirklich spannend!

Das Abitur ist doch die Hochschul-REIFE! D.h. die Schüler sollen für die Hochschule reifen, wie ist das mit kürzerer Zeit möglich? Hier wird Persönlichkeits-Reife, die Voraussetzung für kritisches Denken und demokratisches Handeln mit „schnell viel Wissen“ verwechselt. Wenn das mal keine Sackgasse in ein schwarzes Loch ist!

Um etwas in Bewegung zu bringen kümmere ich mich also um Schüler, die das Frühwarnsystem noch nicht kennen und schließe mich mit anderen Menschen zusammen, die auch etwas bewegen wollen, denn auf die Politik will ich mich nicht verlassen…. seit Jahren sieht man, was da rauskommt! Deshalb habe ich mich bei www.guteschule.eu eingetragen und meine Wünsche im Ranking markiert!

von Alexandra Lux

Ein Schlag ins Gesicht

"Schon in der Grundschule kommt die Vermittlung von Bildung zu kurz. Schon dort erfahren die Schüler nichts, sondern hüpfen munter duch unzusammenhängende Themengebiete ohne etwas zu verstehen.

Dieser Trend setzt sich dann verstärkt im Gymnasium fort. Sobald die Eltern die teilweise gravierenden Lücken im Verständnis nicht mehr auffangen können, rutschen die Schüler in den Bildungsnotstand ab. Das dürfte auch ein Grund für die Entstehung "bildungsferner" Gesellschaftsgruppen sein: die Eltern sind überfordert und können den zunehmenden Druck durch die Schulzeitverkürzung nicht mehr ausgleichen.

Nun in einer Hauruck-Aktion das Niveau zu senken statt durch mehr Zeit die Bildung zu verbessern, ist ein Hohn - und ein Schlag ins Gesicht für ein Land, das sich auf seine Bildungskultur so viel zu Gute hält."

Von Thomas Böttiger

Erfahrungen einer Mutter (Teil 1)

"Ich habe zwei Töchter, 16- und 18-jährig. Die ältere hat im Juni ihr Abitur bestanden. Der Weg dorthin war zermürbend. Mit der Empfehlung des Lehrers ("Rebecca gehört unbedingt auf das Gymnasium...") und dem notwendigen Notendurchschnitt in der vierten Klasse der Grundschule waren wir zunächst natürlich glücklich, diesen Weg einschlagen zu können. Der Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage kam aber immer wieder im Laufe der Zeit. Rebecca hat sich wirklich durchgekämpft: dauernde Kopfschmerzen (der behandelnde Neurologe sagte mir dazu: "80 Prozent meiner jugendlichen Patienten sind Gymnasialschüler mit Schulkopfschmerzen..."), Erschöpfungszustände mit Weinkrämpfen und und und. Nach meinem Empfinden konnte man bei einem zehnjährigen Kind noch gar nicht sicher davon ausgehen, dass sie die Disziplin zum Lernen durchhalten kann. Die Trennung in eine bestimmte Schulart ist daher viel zu früh.

Nun, sie hat das Abitur zwar bestanden, hat ihr Wissen immer punktgenau lernen können, um es gleich darauf wieder durch neuen Lernstoff zu ersetzen. Ich glaube nicht, dass sie wirklich viel davon behalten hat, weil auch einfach gar keine Zeit war, um Gelerntes zu üben und zu vertiefen. Außerdem: Sie hat zwar nun mit 18 Jahren ihr Abitur und wird ihr "eingespartes" Jahr nun im Ausland verbringen, was ich ihr von Herzen gönne. Sie ist aber in ihrer Entwicklung auch gar nicht so weit und auch hier fehlte es an Zeit sich Gedanken darüber zu machen, in welche Richtung sie beruflich gehen möchte. Ihr größter Wunsch wird durch einen zu hohen Numerus Clausus nicht realisierbar und im Grunde hat sie vom Lernen sowieso erst mal die Nase gestrichen voll. Ich finde es so bedauerlich, dass Schule abgeschreckt hat und schon bei den Kleinsten jede Neugierde verloren geht. Kinder sind dazu geboren motiviert zu sein, sie werden aber das Gegenteil während ihrer Schullaufbahn. Wertschätzung und Lob kommt viel seltener vor als das Gefühl, dagegen ankämpfen zu müssen, zu versagen...."

Von Hildegard Schöpe-Stein

Erfahrungen einer Mutter (Teil 2)

"... Meine jüngere Tochter hat nun mit ach und Krach die 10. Klasse des Gymnasiums geschafft. Ich hätte sie gerne das 10. Schuljahr wiederholen lassen, aber ihr Kommentar dazu: "Niiiieemals die 10! Da hab ich ja noch all die ungeliebten Fächer! Das schaff ich nicht noch ein Jahr!" Sie ist nun froh etliche Fächer ablegen zu können und ich bin zuversichtlich, dass in der 11. und 12. Klasse eine Portion Motivation dazukommt. Alexandra hat es in den ersten 5 Klassen des Gymnasiums immer gerade so hinbekommen, dass sie notenmäßig gerade immer durchgekommen ist. Sie ist der typische strategische Lerntyp und gibt keine Nuance zu viel. Ich kann nur sagen: Herzlichen Grlückwunsch - das wenigsten hat sie gelernt! (Eigentlich schade....)
Wenn ich mir überlege, dass die Kinder des G8 mit bis zu 36 Wochenstunden belastet werden, sie - so zumindest meine Töchter - für die Hin- und Rückfahrt pro Tag noch 2 Stunden dazuzählen müssen, sie aber natürlich nach diesem strammen Programm noch lernen, Hausaufgaben, Referate etc. machen müssen, bleibt wahrhaftig wenig Zeit für anderes. Selbst die Wochenende bleiben ja nie lernfrei und damit mal ohne Druck!! Welcher "normale" Arbeitnehmer kommt denn auf Dauer damit zurecht??? "...

Von Hildegard Schöpe-Stein

Erfahrungen einer Mutter (Teil 3)

" ... Was ich mir wünsche für eine Schule? Sie soll Spaß machen und Raum dazu geben sich wirklich wie ein Schmetterling zu entfalten. Ich glaube, dass Kinder und Jugendliche in der Lage wären, bei einer Pädagogik, die neugierig macht anstelle von Demotivation, ungeahnte Fähigkeiten zu entwickeln und soziale Kompetenzen viel besser ausbauen könnten.
Ich bin auf diese Seite über www.gute-schule.de gekommen, die sich für ebendies einsetzen. Ich wünschte, sie haben Erfolg.

Was meiner Meinung nach in Bayern tragisch ist: Man hört viel zu wenig auf das, was wissenschaftlich begründet ist. Hirnforscher wie z.B. Spitzer haben sehr viel dazu geschrieben, wie Kinder am besten lernen. Aber welche Konsequenzen werden daraus gezogen? Obwohl es gute Beispiele in Bayern gibt - zum Beispiel das Gymnasium in Oettingen - bleibt es doch beim konventionellen Stil des Frontalunterrichts. Es bleibt beim sogenannten Bulimie-Lernen, was punktgenau ausgespuckt wird. Es bleibt einfach eine Baustelle, bei der die Schülerinnen und Schüler schauen, wie sie durchkommen.
Es braucht in Bayern dringend eine Reform des Gymnasiums - aber nicht so, wie Spaenle sie nun angekündigt hat, sondern so, dass die Kinder und Jugendlichen wirklich davon profitieren. Es wäre eine großartige Sache, wenn diese Beiträge der betroffenen Eltern über diese Schiene Bayerischer Rundfunk tatsächlich etwas bewirken könnten. Aber ich bin, ehrlich gesagt, skeptisch, denn der Kultusminister scheint mir absolut beratungsresistent und ist aus parteipolitischen Gründen nicht bereit, sich für andere Ideen und Vorschläge zu öffnen. Das ist dramatisch, denn es wird ohne Rücksicht auf unsere Kinder einfach so weitergehen..."

Von Hildegard Schöpe-Stein

Wir klauen unseren Kindern die Kindheit!

"Grüß Gott!

Ich bin Vater einer 9. Klässlerin Gymnasium - meine Tochter ist dem Herrn Spänle weit voraus - ist heuer sitzengeblieben und schiebt die Reform jetzt schon ein.
Im Ernst: das G8 war von Anfang an ein Rohrkrepierer - ein Schnellschuss - ein Schmarrn. Einerseits von der Durchführung, der finanziellen Ausstattung. Es klappt ja heute schon nicht. An unserer Schule (Staatl.Gymn.) mussten Eltern spenden, damit die Schulklos renoviert werden. Wo sind wir denn? Andererseits: die große Geldeinsparmaschine G8 funktioniert nicht - wo sind denn die vielen frei gewordenen Lehrer, die mit dem Wegfall eines Jahrgangs da sein müssten? Die sind schon lange aus dem Haushalt rausgerechnet worden - und jetzt wird im Flickschusterverfahren nachgeschoben . . .

Das Schlimmste am G8: wir klauen unseren Söhnen und Töchtern ihre Kindheit - bzw. die Zeit, die sie zum Erwachsen-werden brauchen. Mit 17 Abitur, dann drei Jahre Kurzstudium und rein in den Arbeitsmarkt - so stellt sich eine Gesellschaft die "Sanierung" unserer reformüberbedürftigen Sozialsysteme vor. Und produziert: Schnelllerner, die keine Zeit für sich mehr haben, für Sport, Verliebtsein, Zeit für Entwicklung auf der wichtigen Schwelle zur Volljährigkeit. So stellen wir eine Generation von Gefühlskrüppeln her, die nur noch auf Erfolg getrimmt ihre Jugend verbringen muss. Jobtip: Magengeschwürexperte werden und Psycho-Doktor. Und obendrein: alle jammern über zu wenig Goldmedaillien bei Olympia - tja, wer im dunklen Lernkammerl Physik aus antiken Lehrbüchern und nach überholten Lehrplänen büffeln muss, der hat keine Zeit für den Sportplatz. Spänle: Durchgefallen! Setzen: Sechs!!!"

Von Julius Kolb

Der falsche Weg? Wechselspiel zwischen Volk und Regierung

"Es entspricht dem Diktat der represäntativen Demokratie, dass eine gewählte Regierung und deren Vertreter (Minister) alles richtig machen. Insoweit kann der Minister für Kultusangelegenheiten sich auch nicht dahingehend äußern, der Weg G8 sei so wie "wir" ihn gehen falsch. Möglicherweise ist der Weg aber unter evtl. in Betracht zu ziehenden Umständen ggf. ein klein wenig dirigierbar, korigierbar. Auf keinen Fall aber aufzuhalten: Vorwärts immer, rückwärts nimmer (woher kenn ich diesen Spruch bloß?) Schulreformen bzw. deren Bestrebungen und die Diskussionen darum, in welche Richtung es gehen solle, gibt es seit bestehen dieser Republik. Und auch ich habe beileibe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen um sagen zu können: Da gehts lang!

Sicher ist es aber nicht falsch, wenn die jew. Regierenden sehr sehr viel mehr auf das hörten, was die in der Sache Verständige zu sagen haben, und die Politik am besten gänzlich außen vor lassen. Ob ein Minister (und hier auch CSU-Politiker und Personen mit Ego) das so wertneutral kann?

Denn möglicherweise entpsr. es ja der Politik zu denken: "Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Da fallen naturgemäß einige durch das von uns definierte Raster. Das wollen wir auch so." Nur, so wird das niemand sagen. Da wendet sich sicher das Volk, die Gesellschaft gegen den Minister, gegen die Regierung, gegen die Partei, gegen die Personen (die mit Ego) derer sie angehören.

Und da wären wir auch schon beim Volk. Denn auch dieses hat eine Nase an die es sich selbst fassen kann. Woher kommt denn der Anspruch, alle sollen aufs Gymnasium gehen (können). Letztlich kommt der Leistungsanspruch doch von uns allen selbst: "Mein Kind soll es mal besser haben als ich". Besser? Hatte ich es denn wirklich so schlecht? Fakt ist, nicht jeder hat das geistige Rüstzeug für ein Studium. Deswegen ist er nicht dümmer und schon gar nicht schlechter. Und wenn jemand einen Handwerksberuf erlernt, ist das überhaupt kein Grund oder Anlass das auch nur in irgendeiner Art und Weise gering zu schätzen. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Der Mediziner braucht jemanden, der ihm sein Haus baut. Der Handwerker braucht jemanden, der ihm seine Konchen wieder flickt. Im Übrigen ist ein Chirurg letztlich auch nur eine Handwerker.

Politik wird also auch vom Volk gelenkt, wenn sie von Parteien aufgegriffen wird. Es geht aber auch in die andere Richtung. Es ist ein Wechselspiel."

Von Christian Bezold

Zum alten Kurssystem zurück

"Ich unterrichte die Fächer Chemie und Biologie und finde es geradezu erschreckend, wie v.a. die Belegungszahlen im Fach Chemie im G8 abnahmen. Hatten wir früher meist zwei Kurse mit je 30 Schülern, so ist es jetzt nur noch ein Kürschen mit 10 -15 Schülern. Zum schriftlichen Abitur treten kaum mehr Schüler an. Die Seminare (v.a. das P-Seminar) sind in keiner Weise ein adäquater Ersatz für die verlorengegangenen Leistungskurse.

Die scheinbar tollen Schnitte entstehen primär durch eine veränderte Notenberechnung mit einer deutlichen Aufwertung der mündlichen Leistungen. An Universitäten gibt es meines Wissens aber nach wie vor überwiegend Abschlussklausuren. Ich bezweifle daher stark, ob das derzeitige Abitur die Studierfähigkeit derer, die es erhalten sicherstellt.

Zudem widerspricht oben genannte Tendenz dem ständigen Werben um mehr Studenten in den MINT-Fächern.

Wenn man schon am G8 festhält, sollte man zumindest zum alten Kurssystem des G9 zurückkehren."

Von Matthias Auernhammer

Organisationschaos durch Flexibilitätsklasse

"Tatsache ist, dass Dinge beschlossen werden, deren praktische Durchführbarkeit aber noch völlig im Unklaren ist. Wie soll es organisatorisch ablaufen wenn ein Schüler das "Flexibilisierungsjahr" in Anspruch nimmt? Bekommt er einen individuellen Stundenplan, ist das für einen oder wenige Schüler überhaupt möglich? Gibt es dafür entsprechende Lehrer, unterrichten die dann nur eine oder wenige Personen? Bleibt der Schüler im Klassenverband? Von welcher Klasse? Herr Spaenle sagte im Interview: "Die Organisationskompetenz liegt bei den jeweiligen Schulen..." Das heißt übersetzt: Wir beschließen etwas, aber wie das umgesetzt wird werden dann schon die Lehrer und letztlich auch die Schüler schon "irgendwie" hinbekommen. Das bedeutet wieder noch mehr Arbeit für die Schulen, die Lehrer, noch mehr Chaos und Ungewissheit für Eltern und Schüler. Kurzum: Es wird also weitergehen wie bisher!"

Von Markus Schneider

Emotionaler Druck wächst

"Habe bei befreundeten Familien erlebt, wie vorher fröhliche und leistungsbereite 14 jährige Schülerinnen aufgrund des Schuldrucks nach Änderung zu G8  begannen, wieder bei den Eltern im Bett zu schlafen, um emotional gewappnet zu sein.

Vermute ein Problem auch darin, dass es in der multikulturellen und Multierlebnis-Gesellschaft schwieriger wird, sich auf gemeinsame Lernziele zu einigen. Verschiedene Gesellschaftsgruppen finden zu viele verschiedene Dinge gleich wichtig.

Soweit ich in meinem Umfeld die Entwicklung sehen konnte, wurde es für ein Kind ohne gefestigten, sozialen und "wir zeigen Dir alle Facetten des Lebens und halten Dir sonst alle Schwierigkeiten vom Leib- Hintergrund" immer schwieriger, sich in Gymnasien einzufügen. Die Erfahrungsräume sind extrem unterschiedlich. Die Kompensationsmöglichkeiten für emotionalen Druck ebenfalls."

Von Monika Hiebeler

Druck durch Wissensexplosion und Globalisierung

"Das achtjährige Gymnasium bringt die Herausforderung mit sich, immer mehr Schülerinnen und Schüler, die von der Grundschule übertreten, in kürzerer Zeit auf das enorm anspruchsvolle Ziel, die Studierfähigkeit zu erlangen, vorzubereiten. Die Bewältigung eines Hochschulstudiums in Zeiten der Wissensexplosion und der Globalisierung erfordert von den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten den Erwerb einer Vielzahl fachlicher, methodischer, personaler und sozialer Kompetenzen auf einer sehr breiten Wissensbasis, deren Bestände zudem immer schneller aktualisiert werden. Das bayerische Gymnasium muss den Schülerinnen und Schülern sehr viel abverlangen, wenn es seinem Auftrag gerecht werden will. Eine Leistungsnivellierung oder -absenkung wäre gegenüber jungen Menschen wie Gesellschaft unverantwortlich."

Von Thomas Gottfried


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Bianca Spiegel, Mittwoch, 07.August, 18:19 Uhr

20. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht

Ich habe zwei Jungen am G8 und bin der Meinung, dass die Qualität der Rahmenbedingungen nicht den hohen Anforderungen, die an die Schüler bereits in der Unterstufe gestellt werden, gerecht wird. Zu viele Stundenausfälle, häufiges Zuspätkommen der Lehrer zum Unterricht, zu lange Rückgabefristen von Leistungsnachweisen insbesondere bei sprachlichen Fächern, zu wenig vertiefende Übungen in der Schule zum Schulstoff, insbesondere in den sprachlichen Fächern zum Jahresende noch einmal massives "Hauruckpauken", weil das Stoffpensum nicht geschafft wurde, usw.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen das G8 - in anderen Bundesländern wie z.B. Sachsen und Thüringen kennt man es nicht anders. Allerdings sind dort die Bedingungen anders. Da gibt es einfach von Haus aus täglich mehr Unterricht als in Bayern - da haben die Kinder in der 5. Klasse täglich einfach schon Unterricht bis ca. 14.30 Uhr und dieses Mehr an Unterricht kommt insbesondere den sprachlichen Fächern und Mathematik zu Gute, wie wir am Stundenplan des Sohnes unserer sächsischen Freunde gesehen haben. Und es gibt dort zwischen allen Unterrichtsstunden Pausen für den Klassenzimmerwechsel - so dass die Schulstunden pünktlich beginnen und Unterrichtszeiten eingehalten werden. In Bayern will man alles - das Gymnasium in 8 Jahren - das auf dem höchst möglichen Niveau - aber gleichzeitig sollen die Kinder natürlich immer noch um 13.00 Uhr zuhause sein oder mit max. einmal die Woche Nachmittagsunterricht auskommen in höheren Klassen.

Es fehlen sinnvoll platzierte Bewegungseinheiten und häufiges, regelmäßiges Trinken. Beides ist wichtig für eine gute Konzentration, deren Fehlen von vielen Lehrern oft bemängelt wird (Stichwort unruhige Klassen). Da sind sicher auch die Eltern gefragt, aber auch Lehrer, da Eltern zuhause nachmittags zwar Einfluss nehmen können und immer wieder den Kindern die Wichtigkeit erklären können, letztendlich aber in der Schule nicht dabei sind.

kritischer Beobachter, Montag, 24.September, 21:57 Uhr

19. Vorschläge für eine neue Schule

1. alle Schulfächer offiziell als Selbstlernprogramme über DVD/ Internet zugänglich

2. vermehrte Forschungsmittel zur Entwicklung der neuen Medien

3. der Lehrer als Coach: verstärkt Anleitung und Motivation zum Gruppen- und Selbstlernern unter Einbezug der neuen Medien

4. Deutsch zwar Plicht, aber als Hauptfach durch eine Fremdsprache (Ausnahme Englisch) ersetzbar

5. Zentralprüfung für den mittleren Schulabschluß für alle Schulformen verbindlich, deren Ergebnis über die weiteren Berechtigungen (Fachoberschule, gymnasiale/kollegiale Oberstufe) entscheidet

6. Abschaffung der Notenfindung mittels "Gaußscher Normalverteilung", hin zu verbindlich vorgegebenener, verifizierbarer Notenfindung

7. probehalber Nichtversetzung nur fächerweise, mit der Möglichkeit des Aufholens durch Selbstudium/externen Unterricht und Nachprüfung

8. G8 nur freiwilling für besonders begabte oder motivierte Schüler (die Verkürzung findet dann nur in der Mittelstufe statt)

9. Ausbau des Telekollegs hin zur allgemeinen Hochschreife

10. Abschaffung der Anerkennung von Meisterprüfung bzw. Ausbildung+Praxis als Universitätszugangsberechtigung

Hoffmann, Donnerstag, 02.August, 14:21 Uhr

18. G8 wird reformiert

Marode Schul- und Universitätsgebäude. Das Äußere ist bezeichnend für das Innere.
Bildung wird nicht mehr vermittelt.
Für Übung im Lesen, Schreiben und Rechnen, für vertiefendes Lernen oder auch für das Schöne und Gute oder Sport ist keine Zeit.
Warum nicht aus dem Reagenzglas, in den Brutkasten und über die Kita, Schule, Universität (Bachelor reicht doch?) zum paßgerechten und möglicht angepaßten Angestellten ohne Hirn.
Wir sind mit unseren Kindern in diesem System durch. Und wir sind damit fertig.
Für die Enkelgeneration muß sich Entscheidendes ändern.

Hoffmann

Markus Holzner, Donnerstag, 02.August, 14:14 Uhr

17. Verfehlter Ergeiz der Eltern + falsche Inhalte

Wie sie schon in diesem Artikel http://www.merkur-online.de/nachrichten/bayern/hohe-uebertrittsquoten-allen-tricks-aufs-gymnasium-mm-371980.html berichtet haben, liegt das Hauptproblem doch nicht in der gestiegenen Anforderung sondern am gesunkenen Niveau der Schüler. In Österreich ist G8 seit Jahren der Standard und diese Schüler mit Matura schaffen auch den Abschluß an unseren Hochschulen.

Zu den Inhalten möchte ich jedoch anmerken, dass aus meiner Sicht der Fokus viel zu sehr auf das Wissen sich konzentriert, als auf die Methodik mir Wissen anzueignen.
Ein Akkademiker im Berufsleben bekommt sein Wissen auch nicht auf dem Tablett serviert, er muss sich das benötigte Wissen selber aneignen. Das Studium dient an dieser Stelle nur dafür bei dem Studenten ein Bewußtsein zu schaffen wie er ein Problem angeht und eine breites Basiswissen zu vermitteln.

Viel wichtiger ist es im heutigen Berufsleben die sozialen Kompetenzen auszubauen. Die Firmen geben heute Unsummen für Schulungen eben in solchen Bereichen aus. Es fehlt an Führungskompetenz, Teamfähigkeit und Kreativität. Mit diesen Eigenschaften ist es jederzeit Möglich ein Problem anzugehen. Das sind Eigenschaften, die schon früh geübt werden müssen. Sich Wissen anzueignen ist jederzeit möglich, dazu benötige ich keine lange Übung.

Schmid, Donnerstag, 02.August, 13:25 Uhr

16.

Als Dozent an einer Hochschule muß ich immer wieder mit Erschrecken feststellen, wie dünn doch die Wissensdecke vieler Studenten ist. Erst kürzlich konnten mir mehrere Studenten im 2 Semester nicht einmal die chemische Formel von Wasser richtig widergeben (anstelle von H2O wurde O2H oder sogar O3 schriftlich genannt)!

Dies ist ein Skandal!

Das Schulsystem muß sich wieder verstärkt grundlegendem Wissenstransfer zuwenden; je mehr Zeit zur Wissensvermittlung zur Verfügung steht, umso besser!

Falls diesnicht geschieht wird die Abbrecherquote an den Hochschulen automatisch stark ansteigen!