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Fußball-Forschung Profifußballer werden durch Feinstaub schwächer

Lahm, Podolski, Gündogan: Ein hoher Feinstaubwert in der Luft beeinträchtigt messbar die Leistung der Profikicker. Das ist das Ergebnis einer Studie, in die Daten von 1.700 Spielern in fast 3.000 Partien der Ersten Bundesliga einflossen.

Stand: 21.01.2016

November 2010: Lukas Podolski (FC Köln) nach Niederlage gegen Mönchengladbach | Bild: picture-alliance/dpa

Die Autoren des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn werteten für ihre im April 2015 erschienene Studie detaillierte Spielerdaten über einen Zeitraum von zwölf Spielzeiten von 1999 bis 2011 aus. Sie untersuchten die Leistungsdaten von 1.700 Spielern aus 29 verschiedenen Vereinen in fast 3.000 Spielen der Ersten Bundesliga. Als Indikator für ihre Leistung nahmen die Autoren Andreas Lichter, Nico Pestel und Eric Sommer vor allem die jeweils gespielten Pässe.

Pass-Spiel wird ausgewertet

Zwar weisen die Autoren in ihrer Studie darauf hin, dass gespielte Pässe an sich nichts über die körperliche Leistungsfähigkeit eines Spielers aussagen. Aber sie wirkten direkt auf die Geschwindigkeit eines Spiels ein und seien somit relevant in Bezug auf den Ballbesitz sowie das Herausspielen von Torchancen und damit für den Erfolg eines Teams.

Ältere Spieler leiden mehr

Laut Studie müsste der 37-jährige Miroslav Klose stärker an hohen Feinstaubbelastungen.

Die Analyse der Messreihen zeigten, dass ältere Spieler stärker unter dem Feinstaub litten als jüngere Spieler. Ihre Leistung wurde stärker beeinträchtigt. Auch auf die Leistung der Abwehr- und Mittelfeldspieler wirkte sich eine höhere Feinstaubkonzentration stärker aus. Laut Studie sind die langen Laufwege dieser Spieler dafür verantwortlich. Außerdem fanden die Forscher des IZA heraus, dass die Leistung der Profikicker während der englischen Wochen noch deutlicher abfiel. In englischen Wochen müssen die Spieler mehrere Spiele innerhalb einer Woche absolvieren und haben aufgrund der kürzeren Ruhepausen ohnehin eine höhere körperliche Belastung.

Anstoßzeiten bieten genaue Vergleichsdaten

Braunkohlekraftwerk | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio mit Informationen Feinstaub Klein, aber gefährlich

Feinstaub ist winzig, doch gerade deswegen gefährlich. Aber was ist Feinstaub eigentlich, wo kommt er her und warum sind die Partikel schädlich für die Gesundheit? [mehr]

Fußballspiele eignen sich deshalb als Grundlage für die Untersuchung, weil der Tag, der Ort und die Uhrzeit jedes Spiels genau bekannt sind. Dadurch können stundengenaue Feinstaub-Konzentrationen in der unmittelbaren Umgebung exakt ermittelt werden. Die Werte stammen aus einem Radius von zehn Kilometer um das jeweilige Stadion. Die genutzten Daten kamen von Messstationen des Umweltbundesamtes.

Die Forscher haben die Konzentration von Partikeln mit einem maximalen Durchmesser von zehn Mikrometern in der Umgebungsluft gemessen und mit den herrschenden Ozonwerten und Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) abgeglichen. Partikel von zehn Mikrometern können, so die Studie, die Gesundheit und Leistung schädigen, wenn sie in die Lunge oder gar in den Blutkreislauf gelangen. Von den 3.672 Spielen im analysierten Zeitraum lagen nur 716 Spiele außerhalb der erhöhten Konzentration.

Profifußballer sind optimale Studienobjekte

Die Forscher stellten fest, dass sich bereits bei Luftwerten, die deutlich unterhalb der EU-Grenzwerte liegen, negative Auswirkungen auf die Produktivität nachweisen lassen, die sich bei extremer Luftverschmutzung vervielfachen. Gerade die Leistungsdaten der Profifußballer eignen sich deshalb so gut für die Studie, weil Fußball aufgrund ihres Spielplans der örtlichen Luftbelastung nicht ausweichen können. Sie können weder ihren Arbeitsort noch ihre Arbeitszeit verändern.

Rückschlüsse auf "normale Arbeitswelt"

Zwar sind Fußballer nicht die typischen Arbeitnehmer, dennoch lassen sich anhand der Studie nach Meinung der Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf den Einfluss von Feinstaubwerten auf andere Erwerbstätige ziehen. So gehen Nico Pestel und seine Kollegen davon aus, dass die Luftverschmutzung für durchschnittliche Erwerbstätige noch wesentlich schädlicher sein dürfte, da sie durchschnittlich weniger fit sind als Leistungssportler. Zudem machen die Autoren darauf aufmerksam, dass neben den gesundheitlichen Gefahren auch enorme wirtschaftliche Schäden durch entgangene Produktivität "bei bereits moderaten Feinstaub-Konzentrationen" zu erwarten sind.


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