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Europäische Südsternwarte ALMA wirft tiefen Blick ins Universum

Die Atacama-Wüste in Chile gehört zu den trockensten und dunkelsten Orten dieser Welt. Perfekte Bedingungen für die Europäische Südsternwarte und das Super-Teleskop ALMA, das jetzt komplett ist und seine Arbeit vollständig aufnimmt.

Stand: 14.03.2013
ALMA: 66 Teleskope, die die Fläche eines Fußballfeldes haben. | Bild: picture-alliance/dpa

Sie haben das riesige Schwarze Loch inmitten unserer Milchstraße gefunden, Gammablitze beobachtet und den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems fotografiert: die Forscherinnen und Forscher der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Jetzt freuen sie sich auf den Start des Riesenteleskops ALMA, das derzeit größte und mit mehr als einer Milliarde Euro auch das teuerste bodengebundene Teleskop, das am 13. März 2013 komplett ausgestattet seine Arbeit aufnahm.

Trocken und dunkel

Orion-Nebel

Schon vor über 50 Jahren, 1962, wurde das Forschungsinstitut der Europäischen Südsternwarte gegründet. Zunächst beteiligten sich die fünf Mitgliedsstaaten Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Schweden, damit europäische Astronomen endlich unkompliziert einen Blick in den Südsternhimmel werfen konnten. Heute gibt es 14 europäische Mitgliedsstaaten. Als erste und bisher einzige nicht europäische Nation hat Brasilien seinen Beitritt erklärt. Die Zentrale der ESO liegt in Garching bei München.

Ideal zum Forschen - aber nicht für Forscher

Scharfe Bilder von Stern Formalhaut

Der Standort der ESO in der Atacama-Wüste ist ideal: Um von der Erde aus in die Tiefen unseres Universums blicken zu können, müssen die Nächte besonders dunkel und die Luft besonders trocken sein. Keine einfachen Bedingungen für die Menschen, sagt Jochen Liske aus Garching:

"Wenn man sieben, acht Stunden geschlafen hat, dann wacht man morgens auf und ist völlig ausgedörrt, weil man die ganze Feuchtigkeit ausgeatmet hat. Dann muss man erst mal ein, zwei Liter Wasser trinken. Auf Grund der Trockenheit ist fast kein Leben dort, es ist nur eine Gesteinswüste im Prinzip. Das ist für die ersten paar Tage ganz aufregend und dann kippt das Ganze und wird einfach nur anstrengend."

Dr. Jochen Liske, ESO Garching

Observatorien in der Wüste

Die Europäische Südsternwarte ESO

Trotz der erschwerten Bedingungen: Forscherinnen und Forscher reißen sich um Beobachtungsmöglichkeiten an der Europäischen Südsternwarte. Die Teleskope sind die leistungsstärksten ihrer Art weltweit. Nun gibt es drei fertiggestellte Observatorien: das älteste am Berg La Silla, eines am Cerro Paranal und eben ALMA auf dem Chajnantor. Darüber hinaus plant die ESO gerade schon das nächste Projekt.

Die Ältesten

Super-Erden umkreisen einen leuchtenden Stern

Die drei Teleskope auf dem 2.400 Meter hohen Berg La Silla, 600 Kilometer nördlich von Santiago de Chile, sind die ältesten und kleiner als ihre Nachfolger. Ihre Spiegel haben einen Durchmesser von maximal 3,6 Metern. Sie werden unter anderem zur Suche nach Exoplaneten, also Planten außerhalb unseres Sonnensystems, eingesetzt.

"Sehr großes Teleskop"

Carinanebel

Das bekannteste Teleskop ist VLT (Very Large Telescope, zu deutsch: Sehr Großes Teleskop) auf dem 2.635 Meter hohen Berg Paranal. Es besteht aus vier einzelnen Teleskopen mit einem Spiegeldurchmesser von je gut acht Metern. Die Hauptteleskope können kombiniert werden, sodass man extrem scharf in die Ferne blicken kann. Man könnte Objekte, die kleiner als eine DVD sind, von der Erde aus auf der Internationalen Raumstation erkennen. Mit VLT wurde im Jahr 2004 der erste Planet fotografiert, der außerhalb unseres Sonnensystems liegt.

Suche nach der dunklen Materie

Das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in 5.000 Metern Höhe verfügt über 66 Einzelantennen. Doch schon 2011, als nur 16 Antennen in Betrieb waren, lieferte das ALMA spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Weltraums. Diese Aufnahmen sind etwa zehnmal so scharf wie die des Weltraumteleskops Hubble. ALMA kann Radiowellen wahrnehmen. Die Forscherinnen und Forscher erhoffen sich von ALMA neue Erkenntnisse zur Dunklen Materie, die das ganze Universum durchzieht. Sie untersuchen mit ALMA die Gaswolken, in denen neue Sterne entstehen und die bei der Geburt neuer Galaxien eine wichtige Rolle spielen.

"Extrem großes Teleskop"

Das E-ELT auf der Suche nach Dunkler Materie.

Derzeit noch in der Planung ist das European Extremely Large Telescope (E-ELT, zu deutsch: Europäisches Extrem Großes Teleskop). Es wird auf dem 3.060 Meter hohen Cerres Armazones errichtet werden und soll sogar 15 Mal schärfere Bilder als Hubble liefern. Zum Vergleich: Ein Münchner könnte mit E-ELT eine Zeitung in Lübeck lesen.

"Damit hat es die gleiche Spiegelfläche wie alle Teleskope zusammen, die bis heute gebaut wurden."

Diertrich Baade, Astronom, ESO

Das E-ELT-Projekt wird insgesamt eine Milliarde Euro kosten und einen Durchmesser von 39 Metern haben. Die Forscherinnen und Forscher wollen mit dem neuen Teleskop noch weiter in die Vergangenheit zurückblicken und Strahlung einfangen, die 13 Milliarden Lichtjahre zu uns unterwegs war. Das ermöglicht einen Blick in die Anfänge unseres Universums.

Nobelpreisverdächtige Forschung

Mithilfe der Teleskope konnten dem Weltraum in den letzten Jahren einige Geheimnisse entlockt werden. So haben die Forscherinnen und Forscher ein riesiges Schwarzes Loch inmitten der Milchstraße gefunden. Und sie konnten beim Nachweis helfen, dass die Expansion des Weltalls immer schneller vorangeht – eine Erkenntnis, für die 2011 der Nobelpreis in Physik verliehen worden ist.


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