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Hintergrund Erdbeben

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Erdbeben Japan als Spielball geologischer Kräfte

Kaum ein Land ist derart gut für Erdbeben gerüstet wie Japan. Doch die Kräfte, die am 11. März 2011 über das Land hereinbrachen, waren mit nichts zu vergleichen. Japan wurde nicht nur erschüttert, sondern buchstäblich verrückt.

Stand: 03.03.2016

Am 11. März 2011 wurde um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr unserer Zeit) die japanische Hauptinsel Honshu von einem der schwersten Erdbeben erschüttert, die je gemessen wurden. Es hatte eine Stärke von 9,0 Magnituden auf der Richterskala. Das Epizentrum lag 130 Kilometer vor der nordöstlichen Küste. Dem Seebeben folgte mit nur wenigen Minuten Abstand ein gewaltiger Tsunami. Die bis zu zehn Meter hohe Riesenwelle überflutete große Teile der Erdbebenregion und verwüstete manche Landstriche vollständig.

Unendliches Leid

Über 15.000 Menschen starben in den Fluten oder wurden unter dem meterhohen Schutt begraben, den der Tsunami manchmal kilometerweit ins Land schob. Ganze Dörfer wurden ausradiert, die Infrastruktur im Nordosten der Insel völlig zerstört. Tausende von Menschen wurden vermisst. Erdbeben und Tsunami hatten eine weitere Katastrophe zur Folge: Im an der Küste gelegenen Atomkraftwerk Fukushima fielen die Kühlsysteme aus. Es kam in mehreren Reaktoren zu Explosionen und Bränden, Radioaktivität trat aus und Menschen wurden verstrahlt. Japan ordnete das Unglück in der höchsten Gefahrenstufe 7 ein - und damit so schwerwiegend wie den Super-GAU in Tschernobyl.

Erdachse bekam einen Schlag ab

Die Bewegung der Erdmassen bei dem Beben hatte globale Auswirkungen: Die Erdachse wurde durch das Erdbeben in Japan um etwa 15 Zentimeter verschoben. Unser Erdentag wurde dadurch um etwa 1,6 Mikrosekunden (Millionstel Sekunden) kürzer. Auch die Erdbeben in Chile im Februar 2010 und vor Sumatra im Jahr 2004 verschoben die Erdachse etwas. Doch das fällt nicht weiter auf: Die Achse ist nicht fest mit der Erde verbunden, sondern verschiebt sich ständig etwas. Im Lauf der Zeit führt sie große Kreisbewegungen von zehn Metern Durchmesser aus.

Extrem starkes Beben

Wie viel schlimmer?

Von einer Ziffer auf der Richterskala zur anderen wächst die Stärke eines Erdbebens um den Faktor 10: Ein Beben der Stärke 7 ist also zehnmal so stark wie eines mit Magnitude 6; ein Beben der Stärke 8 ist hundertmal so stark, ein Beben der Stärke 9 tausendmal.

Das Beben in Japan mit einer Stärke von 9,0 war das bis dahin fünftschwerste Beben weltweit, das je gemessen wurde. Erdbeben der Magnitude acht und größer sind selten: Pro Jahr kommt es weltweit statistisch nur zu einer Erschütterung dieser Stärke. Beben der Stärke sieben gibt es im Durchschnitt 16 Mal pro Jahr. Etwa 120 Mal wackelt die Erde mit einer Magnitude sechs.

Massive Nachbeben

Es blieb nicht bei dem großen Knall am 11. März. Hunderte Nachbeben erschütterten Japan tagelang: Allein in den unmittelbar folgenden 72 Stunden wurden 44 Nachbeben mit einer Magnitude über 6,0 gemessen, drei überstiegen sogar die Magnitude 7,0 auf der Richterskala. Am 7. April erschütterte erneut ein schweres Beben der Stärke 7,4 den Inselstaat. Das Zentrum lag den Angaben zufolge etwa 60 Kilometer östlich der Küstenstadt Sendai in etwa 40 Kilometer Tiefe. Es sorgte in der Stadt für mehrere Lecks im Gasversorgungsnetz und löste in der Region mehrere Brände aus. Das Beben war auch in der mehr als 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio zu spüren.

Gefährlich gelegen

Japan grenzt an den sogenannten "Pazifischen Feuerring". An diesem Gürtel liegt etwa die Hälfte aller aktiven Vulkane auf der Welt. Wie ein Hufeisen umgibt er den Pazifischen Ozean. Der "Feuerring" beginnt in Patagonien. Von dort zieht er sich die Küsten Süd- und Nordamerikas hinauf bis zu den Aleuten und Kurilen im Nord-Pazifik. Dann verläuft er Richtung Süden über Japan, die Philippinen, den Ostrand Indonesiens nach Neuseeland und bis hinunter zur Antarktis.

Kollision der Erdplatten

Pazifischer Feuerring

Entlang des Feuerrings liegen sogenannte Subduktionszonen: Dort führen die Bewegungen der Kontinente dazu, dass ein Teil der Erdkruste unter einem anderem abtaucht. Dabei treten Spannungen auf. Wenn sie sich plötzlich mit einem Ruck lösen, kommt es zu Erschütterungen, die die Erde beben lassen. In Japan werden Erdstöße vom Aufeinandertreffen der Pazifischen Platte mit der Eurasischen und der Nordamerikanischen Platte ausgelöst. Durchschnittlich 8,3 Zentimeter pro Jahr schiebt sich die Pazifische Kontinentalplatte unter die Nordamerikanische und mit ihr unter die Eurasische Platte.

Ketten von Katastrophen

In Japan bebt die Erde rund 5.000 Mal im Jahr. Doch die Erdstöße vom März 2011 waren die stärksten, die jemals in diesem Land gemessen wurden. Schon schwächere Beben haben in Japan verheerende Schäden angerichtet. Die bisher schlimmste Katastrophe erlebte das Inselreich im Jahr 1923: Damals legte ein Beben der Stärke 7,9 Tokio und weite Teile Yokohamas in Schutt und Asche. Mehr als 143.000 Menschen kamen damals ums Leben.

Beben in Kobe

Zerstörte Straße in Kobe nach dem Erdbeben 1995

1995 bebte die Erde auf der Insel Honshu mit der Stärke 7,2. Besonders die Stadt Kobe war betroffen. Über 6.400 Menschen starben, Zigtausende wurden verletzt und Hunderttausende obdachlos. Auch danach kam es immer wieder zu heftigen Erdstößen: 2008 starben mindestens zwölf Menschen bei einem Beben der Stärke 6,9 rund hundert Kilometer entfernt von der Stadt Sendai, die auch diesmal in der Nähe des Epizentrums liegt.


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