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Hyperloop SpaceX-Wettbewerb Schnellster Prototyp von der TU München

Geht es nach dem PayPal-Gründer Elon Musk, heißt die Zukunft des schnellen Massentransports "Hyperloop": Reisekapseln, die mit 1.200 km/h durch Röhren sausen - 600 Kilometer in 35 Minuten. Ein Team der TU München hat den Preis für den schnellsten Prototypen gewonnen.

Stand: 19.07.2017

Die in Los Angeles ansässige Firma "Hyperloop One" will die schnellen Reisekapseln entwickeln. Elon Musk gehört der Firma allerdings nicht an, er ist "nur" ihr Ideengeber. Um sein Hyperloop-Projekt voranzutreiben, hat Elon Musk einen Design-Wettbewerb ausgelobt, an dem anfangs über 120 Teams aus der ganzen Welt mit insgesamt rund 1.000 Technikstudenten teilnahmen. Sieger des Wettbewerbs im Januar 2017 war das "WARR Hyperloop"-Team der TU München.

Hyperloop Pod II der TU München soll knapp 400 km/h erreichen

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Mit mehr als 1.000 km/h im Vakuum durch eine Röhre rasen: Der Hyperloop könnt's möglich machen. Münchner Studenten haben nun einen Triebwagen gebaut, der beim Hyperloop-Wettbewerb in Kalifornien abräumen soll. Von Florian Regensburger [mehr]

Ende August 2017 soll der "WARR Hyperloop Pod II" des TU-Teams in Los Angeles abräumen. SpaceX, die Raumfahrt-Firma von Elon Musk, lässt dort Teams aus aller Welt in einem Wettbewerb mit ihren Hyperloop-Triebwagen gegeneinander antreten. Ähnlich einer Rohrpost rasen die Pod genannten Gefährte dann auf einer Schiene durch die Röhre.

Annähernd Schallgeschwindigkeit, also an die 1.200 km/h, sollen so einmal erreicht werden. Der aktuelle 70 Kilogramm schwere Hyperloop Pod II aus Carbon, den die Münchner Studenten entwickelt haben, peilt nun erst einmal knapp 400 km/h an - und wäre damit bereits schneller als ein ICE-Zug.

Prototyp der TU München überzeugte die Jury

Fürs das erste Wettbewerbsfinale, das vom 27. bis 29. Januar 2017 auf dem Gelände von SpaceX stattfand, reisten 27 Teams nach Los Angeles. Darunter war auch das Hyperloop-Team der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) der TU München. Ihr erster Prototyp ist etwa vier Meter lang und einen Meter hoch, 600 Kilogramm schwer, schwebt per Magnetvorrichtung in der Röhre und soll bis zu acht Menschen transportieren. In der eigens für den Wettbewerb gebauten Röhre fanden die abschließenden Tests statt. Doch nur drei Teams durften sie in der Endausscheidung für ihre Vorführung nutzen: die Studierenden des Masachusetts Institute of Technology, der TU Delft - und der TU München. Elon Musk verfolgte den Test des Münchner Teams als einzigen live vor Ort. Der TU-Pod war der schnellste. Dafür erhielten sie ein von Musk handsigniertes Miniaturmodell eines Hyperloop Pods aus Titan.

"Den Sieg jetzt nach Hause an die TUM bringen zu können, macht uns unglaublich stolz. Es ist ein tolles Gefühl nach eineinhalb Jahren harter Arbeit als Sieger dazustehen und sagen zu können, dass man alles richtig gemacht hat."

Thomas Ruck, WARR Hyperloop Team, TU München

Unterstützt wurde das Münchner WARR-Team von zwanzig renommierten Sponsoren. 350.000 Euro steckten in der Kapsel, die ein bisschen aussieht wie ein Rennrodel. Das bayerische Team legte seinen Schwerpunkt auf den Kompressor, der für den Luftwiderstand zuständig ist.

Auch TU Delft ausgezeichnet

Eine Mischung aus Magnetschwebebahn und Luftkissenfahrzeug: der Hyperloop

Der Preis für den technisch besten Prototypen ging an die TU Delft. Die Jury lobte das Design und die Gesamtleistung der Kapsel. Das Fahrzeug aus den Niederlanden war allerdings einen Kilometer pro Stunde langsamer als die Kapsel der Münchner, die eine Spitzengeschwindigkeit von 94 km/h erreichte. Musk sagte zu Beginn des Wettbewerbs, er könne sich gut vorstellen, dass diese Geschwindigkeiten in absehbarer Zeit fünf bis zehn Mal so hoch sein könnten.

Antrieb erstmals erfolgreich getestet

"Hyperloop One" hatte den Antrieb für das geplante futuristische Rohrtransport-System in der Wüste von Nevada im Mai 2016 zum ersten Mal erfolgreich getestet. Dabei wurde eine Art übergroßer Schlitten mit Elektromagnet-Antrieb auf Gleisen innerhalb einer Sekunde auf eine Geschwindigkeit von rund 160 Kilometern pro Stunde beschleunigt. Das Fahrzeug wurde anschließend von einem Sandwall gestoppt, da das Bremssystem noch nicht fertig ist. Von einer Kapsel in einer Vakuumröhre ist das System noch weit entfernt.

Elon Musks Vision: "Auf Luftkissen gebettet"

Hyperloop - ein solarbetriebenes, erhöht fahrendes Rohrtransportsystem

Elon Musk hatte seine Hyperloop-Vision 2013 vorgestellt und öffentlich dazu eingeladen, sie mittels "Crowdfunding" und "Crowdsourcing" weiterzuentwickeln. Menschen sollen wie eine überdimensionierte Rohrpost auf Reisen geschickt werden und das bei nahezu Schallgeschwindigkeit. Während ein geplanter Schnellzug zwei Stunden und 38 Minuten bräuchte, ein Flugzeug eine Stunde und 15 Minuten, soll die Hyperloop-Kapsel die 600 Kilometer von San Francisco nach Los Angeles in nur 35 Minuten zurücklegen. Sie soll bis zu 30 Leute fassen. Und alle 30 Sekunden soll eine neue Kapsel an einem der neuen Bahnhöfe auf die Reise gehen.

Um den bei diesem Tempo massiven Luftwiderstand zu verringern, muss der Druck in der Röhre abgesenkt werden und eine Turbine vorne an der Kapsel die Luft "wegschaufeln". Sie soll auch das Luftpolster erzeugen und mit für den Antrieb sorgen. Der elektrische Hauptantrieb würde an den Wänden der Röhre sitzen und im Idealfall von Solarzellen auf der Röhre gespeist werden.

"Open-Source-Entwurf"

Eine Alternative zum Zug oder dem Flugzeug: eine Skizze des neuen Massen-Transportmittels.

Nötig wäre der Bau einer Trasse: zwei nebeneinander verlaufende Röhren auf Stelzen. Musk veranschlagt Kosten bis zu 5,6 Milliarden Euro für das Projekt. Dennoch glaubt er, Hyperloop koste nur ein Zehntel des von der kalifornischen Regierung geplanten Schnellzugs - und sicherer sei er dazu. Allerdings ist das Projekt noch weit von der Realisierung entfernt und hat keine "Toppriorität" bei Musk. Er sei nur der Ideengeber, das Projekt könne jemand anders umsetzen. Vielleicht weil er ahnt, dass der Staat Kalifornien ein solches Projekt in dem dicht besiedelten Gebiet nicht genehmigen würde?

Wer ist Elon Musk?

PayPal-Gründer Elon Musk - Visionär und Ideengeber

Der 1971 in Südafrika geborene PayPal-Gründer hat bislang die Finanzwelt, die Autobranche und die Raumfahrt aufgemischt: Der Internet-Bezahldienst PayPal, das Tesla-Elektroauto und das Unternehmen SpaceX mit dem privaten ISS-Raumfrachter "Dragon" und der Entwicklung einer wiederverwendbaren Rakete gehen auf sein Konto.

Seit 2006 betreibt Musk gemeinsam mit zwei Cousins zudem die Firma SolarCity, die Solarstromanlagen konzipiert, vertreibt und installiert.

2015 beteiligte er sich an der Gründung von OpenAI. Die gemeinnützige Gesellschaft hat die Erforschung künstlicher Intelligenz zum Ziel, die laut Unternehmen der ganzen Menschheit dienen soll. Im März 2017 gab er außerdem bekannt, sich an dem Unternehmen "Neuralink" beteiligt zu haben. Die Firma entwickelt ein Brain-Computer-Interface, eine Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und Computer.

Musks Vermögen wurde im Jahr 2016 auf rund 10,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das "Time Magazine" nahm ihn in ihre Liste der einhundert Menschen auf, die die Welt am meisten verändert haben. "Iron Man"-Regisseur Jon Favreau nahm sich Musk zum Vorbild für die Filmfigur des genialen Milliardärs Tony Stark.


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