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Urban Mining Der Schatz liegt auf der Müllhalde

In Zeiten, in denen Bergwerke der Vergangenheit angehören, könnte in Deutschland bald wieder gegraben werden: "Urban Mining" soll unsere längst weggeworfenen Rohstoffe wieder zurück in den Wertstoffkreislauf holen - auch von Müllhalden.

Stand: 21.08.2012
Mülldeponie | Bild: picture-alliance/dpa

Elektroschrott, Sperrmüll, Verpackungsmaterial: Jedes Jahr wandern in Deutschland tausende Tonnen von Abfall in den Müll - und mit ihnen verarbeitete Rohstoffe. Gleichzeitig wird der Nachschub aus der Natur durch "Primärrohstoffe" immer knapper. Auf dem weltweiten Rohstoffmarkt ist dadurch längst ein Gerangel um knappe Ressourcen wie Metall entstanden. Die Preise steigen mit dem wachsenden Konsum wohl auch in Zukunft. Das macht "Urban Mining" interessant. 

Rohstoffgewinn durch Müll

Die einmal gewonnenen Rohstoffe sind längst nicht verloren. Sie liegen in den Müllbergen der Städte begraben. "Sekundärrohstoffe" nennt man die Rohstoffe, die man potentiell aus Müll wiedergewinnen kann. Damit wird die Stadt zum Bergwerk.

Gelber Sack und Gelbe Tonne

Wertstoffe sind hoch lukrativ: Beim Recycling von Abfällen werden schon heute 50 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt, mehr als 14 Prozent der Rohstoffe in der Industrie werden laut Studien durch wiederverwertbare Materialien ersetzt. Doch das Einsparpotential ist noch lange nicht ausgeschöpft, sagt Umweltminister Peter Altmaier. Er will eine bundeseinheitliche Regelung für Gelben Sack beziehungsweise Gelbe Tonne. Zukünftig sollen Plastik und Metall überall gemeinsam entsorgt werden können. Bis zu sieben Kilo pro Einwohner und Jahr könnten so zusätzlich recycelt werden.

Urbane Minen im Bauschutt und auf Deponien

Durch Recycling wird zwar schon seit Jahren zum Beispiel bei Papier der Wirtschaftskreislauf besonders effektiv geschlossen. Bei Elektroschrott tut man sich allerdings noch schwer. Zusätzlich zum normalen Recycling sollen durch urban mining auch längst vergessene Ressourcen in ungewöhnlichen Lagern zurückgewonnen werden.

Im Bauschutt ist noch so mancher Rohstoff zu finden.

Alte Gebäude bergen in ihrem Bauschutt Sekundärrohstoffe. Die Schätze dort beutet man bereits aus. Bisher aber ungenutzt ist der Müll von gestern in stillgelegten Deponien. Sie könnten zu wahren Goldminen werden. Denn vor vierzig Jahren wurde noch kein großer Unterschied zwischen wertlos und wiederverwertbar gemacht.

Graben im Müllberg

Welche Schätze solche Gruben bergen, erforschen Wissenschaftler von der Universität Gießen in Baden-Württemberg und Hessen. In Wiesbaden und Reiskirchen hat Stefan Gäth, Professor für Ressourcenmanagement Probebohrungen auf geschlossenen Deponien durchgeführt. Allein in der Mülldeponie in Reiskirchen lagern den Wissenschaftlern zufolge Rohstoffe, die 25 bis 80 Millionen Euro wert sein könnten.

Wertstoffhöfe sind mittlerweile beliebte Ziele für Elektroschrott-Diebe.

Dass bald ein wahrer Goldrausch auf den geschlossenen Deponien ausbricht, ist aber noch unwahrscheinlich. Denn auf vielen Deponien stehen inzwischen Parks und Grünanlagen. Ein Rückbau würde das zerstören und zudem jahrelang eingeschlossene giftige Gase wieder freisetzen. Die Wissenschaftler um Gäth wollen diese Kosten und die erwarteten Gewinne von "Urban Mining" in Mülldeponien in ihrem Projekt abwiegen und ein Entscheidungsmodell für den Deponie-Rückbau schaffen. Letztlich werden wohl auch hier die Preise auf dem Rohstoffmarkt den Ausschlag geben.

Elektroschrott-Diebstahl

Warum auf Deponien bohren, wenn man es auf dem Wertstoffhof einfacher haben kann? So denken wahrscheinlich Elektroschrott-Diebe: Tausende Tonnen wertvoller Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer gehen in Bayern jedes Jahr durch Diebstahl und Schmuggel verloren. Allein in München wird jede Nacht einer der zwölf Wertstoffhöfe geknackt, sagt ein von der Stadt München beauftragter Wachmann. Auch im Landkreis Augsburg wird ein Großteil der 53 Wertstoffhöfe regelmäßig von Dieben heimgesucht. Besonders beliebt: Computer, Handys oder Fernseher. Manchmal wird die Schmuggelware in getarnten Gebrauchtwagen weiter transportiert: "In letzter Zeit fällt uns auf, dass vermehrt Autotransporter mit Gebrauchtwagen unterwegs sind, deren Scheiben mit schwarzer Farbe besprüht und deren Türen mit Bauschaum zugeklebt sind", sagt Martin Asen von der Verkehrspolizeiinspektion Deggendorf. Die Gebrauchtwagen sind dann mit Schrott gefüllt.


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