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Dino-Sterben Wie ein Asteroid die Dinosaurier ausrottete

Millionen von Jahren herrschten die Dinosaurier über unsere Erde. Der Anfang von ihrem Ende war höchstwahrscheinlich ein gewaltiger Asteroiden-Einschlag. Warum der tödlich war - dazu gibt es neue Erkenntnisse.

Stand: 13.01.2017

Die Theorie klingt einleuchtend: Vor rund 65 Millionen Jahren geht ein Asteroid im Golf von Mexiko nieder. Durch den Einschlag wird das Klima weltweit verändert, es wird eiskalt auf der Erde. Die Folge: ein Massensterben unter Dinosauriern und zahlreichen anderen Arten.

Zeitliche Nähe der Ereignisse


Lange gab es aber keine Beweise, dass die beiden Ereignisse - der Asteroideneinschlag und das Aussterben der Dinosaurier - zeitlich tatsächlich zusammenfielen.

"Bisher war immer das Problem, dass die Fehlertoleranz der Hauptdatierungsmethode bei ungefähr einem Prozent lag. Bei 66 Millionen Jahren sind das schon 660.000 Jahre - also ziemlich ungenau."

Heiko Pälike, Professor für Paläozeanographie vom an der Studie beteiligten Forschungszentrum Marum der Universität Bremen

Asteroideneinschlag als Ursache des Dinosterbens bestätigt.

Mit einer verbesserten Messmethode konnten Forscher im Jahr 2013 die Fehlertoleranz auf 0,1 Prozent senken. Damit wurden Proben aus dem Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen, also aus der Zeit, in der die Dinosaurier ausstarben, untersucht. Außerdem analysierten Forscher kleine Glasobjekte, die beim Einschlag des Asteroiden in Mexiko entstanden sind. "Sie konnten darlegen, dass die beiden Ereignisse innerhalb einer Fehlertoleranz von 33.000 Jahren zusammenliegen," erläuterte Heiko Pälike. Das Fazit der Forscher: Die Studie untermauert die Asteroiden-Hypothese. Vulkanausbrüche und Klimaveränderungen, die lange ebenfalls als alleinige Ursache in der Diskussion standen, scheiden dagegen aus.

War der Staub wirklich Schuld?

Ein anderer, noch unklarer Aspekt des Dinosaurier-Sterbens betrifft den Einschlag des Asteroiden an sich. Bislang ging man davon aus, dass dabei Unmengen an Staub aufgewirbelt seien, die dann die Atmophäre verdunkelt hätten. So sei die Erde in einen dauerhaften Winter gefallen.

Stimmt nicht, sagen nun Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sie sind sich sicher: Der Staub hat sich schnell gelegt. Problematischer seien winzige Tröpfchen von Schwefelsäure gewesen, die sich nach so einem Ereignis in großer Höhe in der Atmosphäre bilden.

Computersimulation zeigt Abkühlung

Die Schwefelsäure hielt sich über viele Jahre in der Atmosphäre und so blockierte die Sonneneinstrahlung. Mit fatalen Auswirkungen, wie eine Computersimulation 2017 zeigte:

"Es wurde kalt, und zwar richtig kalt."

Julia Brugger, Klimaforscherin PIK

Die Jahresmitteltemperatur fiel um 26 Grad, nach dem Einschlag des Asteroiden habe die Temperatur etwa drei Jahre lang im Schnitt unter dem Gefrierpunkt gelegen: tödlich für die Dinosaurier. Die kalte Luft wirkte sich auch auf die Meere aus: Das Oberflächenwasser kühlte ab und wurde schwerer. Es sank hinab und wärmeres Wasser aus der Tiefe stieg nach oben.

Die Forscher des PIK vermuten, dass das zu einer Algenblüte geführt haben könnte. So wurden die Ökosysteme im Meer durcheinandergebracht und das war demnach die Ursache für das große Artensterben im Meer, zum Beispiel der Ammoniten.

Große Pflanzenfresser waren schon vorher bedroht

Auch der Triceratops war wahrscheinlich schon bedroht, bevor der Asteroideneinschlag stattfand.

Doch Forscher vom Forschungszentrum Marum der Universität Bremen gehen auch davon aus, dass die Dinosaurier vor dem Einschlag schon sehr geschwächt waren. Damit schließen sie sich einer vorangegangenen Studie deutscher und US-amerikanischer Forscher an. Diese gehen davon aus, dass vor allem die Zahl der großen Pflanzenfresser schon in den letzten zwölf Millionen Jahren der Kreidezeit zurückgegangen ist. Die Kreidezeit begann vor rund 145,5 Millionen Jahren und endete vor etwa 65,5 Millionen Jahren. Betroffen seien vor allem Hadrosaurier und Ceratopsier, so die Forscher um Richard Butler von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zu ihnen gehören der gehörnte Triceratops und seine Verwandten, aber auch viele Entenschnabelsaurier.

Unterschiede im Körperbau als Zeichen für Vielfalt

Skelett eines Triceratops

Für ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler zum einen die Artenzahl analysiert. Zusätzlich haben sie im Jahr 2012 die anatomischen Merkmale der Skelette von 150 Arten erfasst. So haben sie nachvollzogen, wie stark sich die Gestalt der Tiere verändert hat. Gab es viele Unterschiede im Körperbau, haben die Paläontologen das als Hinweis auf eine große ökologische Vielfalt innerhalb der Gruppe gewertet. Das Ergebnis: Bei großen Pflanzenfressern ist die Diversität bereits in der Endphase der Kreidezeit deutlich zurückgegangen. Das könnte ein Grund dafür sein, dass sie vom Aussterben bedroht waren.

Einige Arten haben zugelegt

Tyrannosaurus rex

Fleischfressende Dinosaurier wie der Tryrannosaurus rex, mittelgroße und riesige Pflanzenfresser haben diese Periode dagegen offenbar gut überstanden. Den Forschern zufolge blieb ihre Diversität stabil oder erhöhte sich sogar leicht. Das Studienergebnis bezieht sich allerdings lediglich auf Saurier in Nordamerika. In Asien nahm die Diversität der Hadrosaurier sogar zu. Die Ursachen dahinter könnten geografische sein. Die Forscher wollen deshalb in einem nächsten Schritt auch Tiere in Südamerika, Afrika und Europa untersuchen, um nach einem weltweiten Muster zu suchen.

Saurier-Sterben komplexer als gedacht

Insgesamt muss man sich das Ende der Urzeitbewohner aber deutlich komplexer vorstellen als lange gedacht. Die Saurier sind weder alle auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung vernichtet worden noch war das Massensterben der Endpunkt eines langsamen Niedergangs aller Dinosaurier. Darüber hinaus waren auch Säugetiere und Pflanzen von der massiven Abkühlung des Planeten betroffen.

Zeichnungen: Tyrannosaurus Rex, Archaeopteryx und Co


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