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NASA-Raumsonde Dawn Ceres aus nächster Nähe

Ganz dicht kreist die Raumsonde Dawn um den Zwergplaneten Ceres und nimmt seine zerklüftete Oberfläche genau ins Visier. Die detailgenauen Aufnahmen zeigen nicht nur Einschlagkrater und Gräben, sondern auch ein eisiges Geheimnis.

Stand: 20.04.2016

"Dawn" hat im Dezember 2015 ihre niedrigste Umlaufbahn um Ceres erreicht. Von dort hat sie die bislang schärfsten Aufnahmen vom Zwergplaneten Ceres zur Erde gefunkt. Aus einer Höhe von nur 385 Kilometern sind laut US-Raumfahrtbehörde NASA noch Details von 35 Metern pro Pixel auf der Oberfläche zu erkennen.

Gräben von außen und innen

Dieses Bild stammt aus der Nähe des Südpols von Ceres. Die Schatten sind sehr lang, weil die Sonne gerade weit unten am Horizont steht.

Die Bilder zeigen die kraterzerklüftete Oberfläche des Zwergplaneten. Zudem sind laut NASA überall auf der Oberfläche des Zwergplaneten Grabenstrukturen zu erkennen. Derartige Oberflächenformen seien sonst vor allem auf größeren Himmelskörpern weit verbreitet.

Manche der Gräben auf Ceres scheinen tektonischen Ursprungs zu sein, so die US-Raumfahrtbehörde. Innere Spannungen haben anscheinend die Kruste des Zwergplaneten aufgebrochen.

Morgennebel auf Ceres

Rot markiert: die 130 hellen Flecken auf Ceres. Oben links sieht man den Occator-Krater, oben rechts ist der Oxa-Krater.

Die Aufnahmen aus geringer Distanz bringen möglicherweise auch mehr Informationen über die hellen Flecken auf Ceres. Mehr als 130 gibt es davon auf dem Zwergplaneten. Der hellste von ihnen liegt im Occator-Krater. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS), die im Dezember 2015 in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist, handelt es sich dabei um Wassereis, das durch Öffnungen als Nebel emporsteigt.

Der Occator-Krater auf Ceres

Das Phänomen tritt in einem täglichen Rhythmus auf, sobald das Sonnenlicht in den Krater scheint. Unter der Oberfläche von Ceres vermutet das Wissenschaftler-Team eine Mischung aus Eis und Salzen. Einschläge von mittelgroßen Asteroiden können nach Ansicht des MPS das Material freilegen. Das Eis verdampft dann nach und nach; Salze und Schichtsilikate bleiben an der Oberfläche zurück.

Wo gibt es Wasser im Sonnensystem?

Größenvergleich von Mars, Merkur, Mond, Ceres und Vesta

Interessant ist die Entdeckung für die Astroforscher, weil es bis heute nicht geklärt ist, wo in unserem Sonnensystem die Grenze zwischen Gasplaneten und steinigen Planeten verläuft. Vor 4,5 Milliarden Jahren sind das meiste Wasser und andere leichtflüchtige Stoffe von den sonnennahen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars verdampft. Nur fern der Sonne konnten sich diese Stoffe in großer Menge zum Beispiel auf den Gasplaneten halten.

Ceres im Asteroiden-Hauptgürtel

Der Fund von gefrorenem Wasser auf Ceres kann dabei helfen, diese Grenze genauer zu bestimmen, sagen die Forscherinnen und Forscher des MPS in Göttingen. Denn Ceres befindet sich in rund 400 Millionen Kilometern Entfernung zur Sonne im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, also genau zwischen den Gesteins- und Gasplaneten.

Sanfte Annährung an den Zwergplaneten

Doch ein Objekt in diesem Ring aus Gesteinsbrocken ist kein leichtes Ziel für eine Weltraummission, denn es ist nicht ganz einfach, in den Orbit eines Zwergplaneten zu gelangen. Die Anziehungskraft von Ceres ist gering. Deshalb schraubte sich Dawn ganz allmählich an Ceres heran: Von März bis Dezember 2015 dauerte der langsame Sinkflug, mit dem sich die Sonde von einer Umlaufbahn mit 13.600 Kilometern Abstand auf nur noch 385 Kilometer der Oberfläche näherte. Aber die Lenker von Dawn haben Geduld: Die Anreise zu Ceres dauerte bereits siebeneinhalb Jahre; gestartet ist Dawn im September 2007.

Weltraumkamera aus Deutschland

Ein wesentlicher Teil der Technik an Bord der Raumsonde Dawn stammt aus Deutschland: Das Kamerasystem wurde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut.

Im Vergleich zur Anreise ist die Dauer der Mission eher kurz: Bis 30. Juni 2016 soll Dawn den Himmelskörper aus diesem geringen Abstand untersuchen. Die Sonde soll Ceres chemisch analysieren und Detailaufnahmen von der Oberfläche machen. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Mission verlängert wird, denn Dawn hat sowieso kein anderes Ziel mehr: Die Sonde verbleibt auch nach Missionsende in der Umlaufbahn von Ceres. Ein kleiner Weltraumschrott-Trabant für den Zwergplaneten.


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