Vor dem Verbrennen: Das Pre-Combustion-Verfahren
Um CO2 im Boden speichern zu können, muss es im Kraftwerk erst abgetrennt und verflüssigt werden. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Man kann das Gas vor, während oder nach der Kohleverbrennung abscheiden. Beim sogenannten Pre-Combustion-Verfahren wird Kohle vor der Verbrennung so behandelt, dass man als Endprodukt Kohlendioxid und Wasserstoff erhält und das CO2 abtrennen kann. Nachteile dieses Verfahrens sind: Nur 85 bis 95 Prozent des Kohlendioxids werden abgetrennt und bereits bestehende Kraftwerke lassen sich nicht nachrüsten.
Ungelöster Streit Unterirdische CO2-Speicherung stockt
Auf den ersten Blick eine geniale Idee: Kraftwerke blasen das Treibhausgas Kohlendioxid nicht mehr in die Atmosphäre, sondern pressen es unter die Erde. Doch die Technik ist umstritten: Bund und Länder debattieren darüber seit Monaten.
Bei der Verbrennung von Braun- und Steinkohle entsteht Kohlendioxid. Wenn es in die Atmosphäre gelangt, erwärmt es das Klima. Das sogenannte CCS-Verfahren soll das verhindern. CCS steht für "Carbon Dioxide Capture and Storage" und bedeutet so viel wie "Abscheidung und unterirdische Speicherung von Kohlendioxid". Das Kohlendioxid wird abgetrennt, verflüssigt und mit hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst.
CCS-Gesetz im Vermittlungsausschuss
Am 23. September 2011 war das von der Bundesregierung vorgelegte Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid im Bundesrat gescheitert. Im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat wird nun seit November 2011 nach einer Einigung gesucht. Bislang vergebens: Am 8. Februar wurden die Verhandlungen erneut vertagt.
Die Positionen der Länder gehen weit auseinander: Brandenburg will die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid weiter testen. Das Bundesland lehnt aber ab, dass im Gesetz eine Klausel steht, nach der einzelne Bundesländer aus der Suche nach Speicherstätten aussteigen können. Einen solchen Passus fordern hingegen Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dort liegen die meisten möglichen Lagerstätten.
Vattenfall streicht CO2-Projekt
Die Hängepartie um das Gesetz forderte bereits ein erstes Opfer: Der Energiekonzern Vattenfall hat seine Pläne für das erste deutsche Milliarden-Projekt zur unterirdischen CO2-Speicherung Anfang Dezember abgesagt: "Wir müssen leider feststellen, dass es in der deutschen Bundespolitik derzeit keinen hinreichenden Willen gibt, die europäische Richtlinie so umzusetzen, dass ein CCS-Demonstrationsprojekt in Deutschland möglich würde", erklärte Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. Vattenfall betreibt bereits eine kleine Pilotanlage in Brandenburg und wollte die Technik in Jänschwalde bei Cottbus "in nennenswerter Kraftwerksgröße" testen. Dort sollte ein 1,5 Milliarden teures Demonstrationskraftwerk errichtet werden, das bis 2016 in Betrieb gehen sollte. Trotzdem setzt Vattenfall weiter auf das CCS-Verfahren: Der Konzern baue darauf, dass andere Unternehmen die Technik weiterentwickeln und zur Serienreife bringen, teilte eine Sprecherin mit. Dann könne Vattenfall die entsprechende Kraftwerkstechnologie kaufen und in den 2020er- Jahren in Jänschwalde nutzen. Dort geht das konventionelle Braunkohle-Großkraftwerk bis 2030 vom Netz.
Mögliche Lager in Bayern
Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gäbe es in Deutschland 408 mögliche Standorte für CO2-Lager. Die meisten liegen in Norddeutschland, unter den Nordseeinseln und in der Region Berlin/Brandenburg. Aber auch in Nordrhein-Westfalen, in Mecklenburg-Vorpommern und in Oberbayern gibt es mögliche Lagerstätten. Da der Kohleanteil an der Stromerzeugung noch bei rund 40 Prozent liegt, wären bei einem umfassenden CCS-Einsatz viele Speicher nötig. Doch Kritiker befürchten, dass das Gas entweichen oder das Grundwasser versauern kann. An einigen potenziellen CCS-Lagern haben sich bereits Bürgerinitiativen gebildet, die schon jetzt gegen die Kohlendioxid-Speicherung protestieren.
Potenzielle CO2-Lager in Deutschland
Eine Karte der möglichen Kohlendioxidspeicher in der Bundesrepublik und deren vermutete Kapazität hat Greenpeace zusammengestellt.
Teure Technik
Doch noch ist das CCS-Verfahren teuer. Es lohnt sich erst, wenn beim Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten für eine Tonne ausgestoßenes CO2 etwa 30 Euro bezahlt werden müssen. Derzeit ist es aber nur etwa halb so viel. Das Zerlegen der Luft beim Abtrennverfahren verbraucht zudem viel Energie. Der Brennstoffverbrauch der Kraftwerke würde also steigen und damit auch die Kosten der Energieerzeugung.

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