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Raumsonde Cassini Geplanter Absturz der Saturn-Sonde

Nach knapp 20 Jahren wird die Mission Cassini-Huygens Mitte September zu Ende gehen. Die NASA-Raumsonde Cassini hat den Saturn erkundet, Unmengen an Daten und Bildern zur Erde geschickt. Zuletzt stieß sie in bisher unbekannte Sphären vor.

Stand: 18.08.2017

Vor knapp 20 Jahren begann die Reise der Raumsonde Cassini. Nun ist die Sonde fast 13 Jahre lang auf Entdeckungstour im Saturn-System unterwegs und das Ende der NASA-Mission steht bevor: Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde hat den geplanten Absturz der Sonde für den 15. September 2017 angekündigt. Zuvor durchläuft Cassini seit April 2017 aber noch ein bisher einzigartiges Manöver.

NASA-Video zur Geschichte Cassinis zum Abschied (auf Englisch und sehr emotional!)

Cassini taucht in neue Sphären ab

"Wir haben es geschafft!", hatte die Raumfahrtbehörde NASA am 27. April 2017 getwittert. "Cassini hat wieder Kontakt mit der Erde und übermittelt nach einem erfolgreichen Flug durch die Lücke zwischen Saturn und seinen Ringen Daten." Damit war die Raumsonde zum ersten Mal in völlig unerforschtes Terrain vorgedrungen. Beim Start des Manövers einen Tag zuvor war der Funkkontakt zur Erde erwartungsgemäß abgebrochen. Nach NASA-Angaben näherte sich die Sonde der obersten Wolkendecke des Saturn auf 3.000 Kilometer an – so nah wie nie zuvor. Der Abstand zum innersten sichtbaren Ring habe 300 Kilometer betragen.

Zwischen Saturn und seinen Ringen

Bereits seit Ende November vergangenen Jahres hatte Cassini die Bahn verlassen, auf deren Ebene sich die Ringe und Monde des Saturns finden. Zudem hat sich die Raumsonde in den vergangenen Monaten näher an den Planeten herangewagt: Dicht am F-Ring – dem von innen betrachtet fünften von sieben Ringen – zog sie ihre Bahnen.

Anziehungskraft Titans lenkt Cassini um

22. April 2017: Cassini fliegt am Saturnmond Titan vorbei

Am 22. April flog Cassini dann sehr nah am Saturnmond Titan vorbei. Dessen Anziehungskraft veränderte die Laufbahn der Sonde und lenkte sie zwischen Saturn und seine Ringe. Seit 26. April durchquert Cassini dieses Neuland. Insgesamt durchfliegt die Sonde die rund 2.400 Kilometer breite Lücke 22 Mal. Nach Angaben der NASA kommt die Sonde bei den letzten Tauchgängen dem Gasriesen extrem nahe: Die Flughöhe bei diesen Manövern beträgt nur 1.630 bis 1.710 Kilometer über der obersten Wolkendecke. Zahlreiche Instrumente sollen Daten zum Aufbau der Atmosphäre, zur Temperatur und den Wirbeln an den Polen liefern.

"Was wir von Cassinis wagemutigen abschließenden Umkreisungen lernen werden, wird unser Verständnis davon verbessern, wie gigantische Planeten und Planetensysteme überall sich formieren und entstehen. Das ist wirklich Entdeckung in Aktion bis zum Schluss."

Thomas Zurbuchen, NASA-Manager

Bei den Durchquerungen hat "Cassini" die Struktur des Saturns und der Ringe näher untersucht, erste Proben der Atmosphäre des Saturns und von Ringpartikeln genommen und Nahaufnahmen gemacht.

Kontrollierter Absturz von Cassini

Am 15. September ist dann aber Schluss sein für Cassini: Kontrolliert soll die Sonde in der Atmosphäre des Saturn verglühen und bis zum Schluss Daten zur Erde senden: Dabei erhofft sich die NASA Erkenntnisse darüber, wie die Ringe des Saturn entstanden sind und nochmals spektakuläre Aufnahmen des Saturn.

Hauptgrund für das Ende der Mission sind die Treibstoffreserven, die zur Neige gehen. Zudem möchte die NASA vermeiden, dass die Sonde unkontrolliert mit den Saturnmonden Enceladus oder Titan kollidiert und diese verschmutzt. Wissenschaftler haben dort dank Daten und Proben von Cassini Hinweise darauf entdeckt, dass dort Leben möglich sein könnte. Damit diese weiterhin zweifelsfrei untersucht werden können, darf keine "Cassini-Mikrobe" die Monde verunreinigen.

Cassini-Mission

Saturnmond Titan: Tiefe Schluchten sind mit flüssigem Methan geflutet.

15. Oktober 1997: Start der Sonde Cassini von Cape Canaveral in Florida aus ins All. Huckepack trug die 6,80 Meter hohe Sonde mit einem Durchmesser von vier Metern den Lander Huygens. Der Lander wurde im Orbit abgetrennt und erkundete den Saturnmond Titan. Beim Start wog Cassini rund 5.700 Kilogramm, davon waren mehr als 50 Prozent Treibstoff. Sechs Jahre war sie unterwegs, um die rund 1,5 Milliarden Kilometer bis zum Saturn zurückzulegen. Herausgefunden hat Cassini einiges über die Beschaffenheit des Gasplaneten und seine mittlerweile über 60 entdeckten Monde.
Bei mehreren nahen Vorbeiflügen an Monden des Saturn offenbarte Cassini unter anderem einen Ozean auf dem Mond Enceladus, der möglicherweise Leben dort zulassen könnte sowie flüssige Methan-Seen auf dem Mond Titan. Die Sonde lieferte während ihrer Reise neben vielen hochauflösenden Fotos von Jupiter, Venus, den Saturnmoden und -ringen auch viele Daten über die thermischen Bedingungen oder die Zusammensetzung der Planeten und Monde.
Die Cassini-Mission wird von der US-amerikanischen NASA gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI durchgeführt. In Deutschland beteiligen sich an dieser Mission das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mehrere Universitäten sowie die deutsche Raumfahrtindustrie. Die Kosten der Mission: mehr als 3,2 Milliarden Dollar.

  • "Manöver am Saturn: Die Sonde Cassini fliegt ihrem Ende entgegen", IQ-Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 24.04.2017, 18.05 Uhr
  • "Raumsonder Cassini", nano, ARD-alpha, 27.04.2017, 16.30 Uhr

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