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Raumsonde Cassini Absturz in den Saturn

Nach fast 20 Jahren ging die Mission Cassini-Huygens jetzt zu Ende. Die NASA-Raumsonde Cassini erkundete den Saturn und sendete Unmengen an Daten und Bildern zur Erde. Nun stürzte sie sich in den Gasplaneten.

Stand: 15.09.2017

Illustration: Raumsonde Cassini kreist zwischen Saturn und dessen inneren Ringen. | Bild:  NASA/JPL-Caltech/dpa

Knapp 20 Jahre dauerte die Reise der Raumsonde Cassini. Fast 13 Jahre davon war sie auf Entdeckungstour bei Saturn unterwegs und erforschte den Planeten, seine Ringe und seine Monde. Als erste Raumsonde flog sie zwischen Saturn und seinen Ringen hindurch, und das 22 Mal. Nun stürzte sie sich kontrolliert in den Gasplaneten. Am 15. September 2017 um 13.55 Uhr (MESZ) erreichte das letzte Funksignal von Cassini die Erde. Dann brach die Sonde auseinander und verglühte.

"Das Ende der Mission wird ein ergreifender Moment, aber ein passender und sehr wichtiger Abschluss einer beeindruckenden Reise. (...) Indem wir das Raumschiff sicher in der Atmosphäre des Saturn entsorgen, verhindern wir jede Möglichkeit, dass Cassini in der Zukunft irgendwann auf die Monde des Saturns auftreffen und damit ihre unberührte weitere Erkundung unmöglich machen könnte."

Cassini-Missionsleiter Earl Maize

Bis zuletzt schickte die 12.600 Kilogramm schwere Sonde Daten zur Erde. Die Kamera war zwar schon vor dem Absturz abgeschaltet, aber acht der zwölf wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Cassini arbeiteten weiter, um Daten etwa über die Zusammensetzung der Atmosphäre des Saturns zu sammeln.

NASA-Video zur Geschichte Cassinis zum Abschied (auf Englisch und sehr emotional!)

Cassini taucht in neue Sphären ab

In der Endphase ihrer Mission stieß Cassini in bisher unbekannte Sphären vor. "Wir haben es geschafft!", hatte die Raumfahrtbehörde NASA am 27. April 2017 getwittert. "Cassini hat wieder Kontakt mit der Erde und übermittelt nach einem erfolgreichen Flug durch die Lücke zwischen Saturn und seinen Ringen Daten." Damit war die Raumsonde zum ersten Mal in völlig unerforschtes Terrain vorgedrungen. Beim Start des Manövers einen Tag zuvor war der Funkkontakt zur Erde erwartungsgemäß abgebrochen. Nach NASA-Angaben näherte sich die Sonde der obersten Wolkendecke des Saturn auf 3.000 Kilometer an – so nah wie nie zuvor. Der Abstand zum innersten sichtbaren Ring habe 300 Kilometer betragen.

Zwischen Saturn und seinen Ringen

Bereits seit Ende November vergangenen Jahres hatte Cassini die Bahn verlassen, auf deren Ebene sich die Ringe und Monde des Saturns finden. Zudem hat sich die Raumsonde in den vergangenen Monaten näher an den Planeten herangewagt: Dicht am F-Ring – dem von innen betrachtet fünften von sieben Ringen – zog sie ihre Bahnen.

Anziehungskraft Titans lenkt Cassini um

22. April 2017: Cassini fliegt am Saturnmond Titan vorbei

Am 22. April flog Cassini dann sehr nah am Saturnmond Titan vorbei. Dessen Anziehungskraft veränderte die Laufbahn der Sonde und lenkte sie zwischen Saturn und seine Ringe. Seit 26. April durchquert Cassini dieses Neuland. Insgesamt durchfliegt die Sonde die rund 2.400 Kilometer breite Lücke 22 Mal. Nach Angaben der NASA kommt die Sonde bei den letzten Tauchgängen dem Gasriesen extrem nahe: Die Flughöhe bei diesen Manövern beträgt nur 1.630 bis 1.710 Kilometer über der obersten Wolkendecke. Zahlreiche Instrumente sollen Daten zum Aufbau der Atmosphäre, zur Temperatur und den Wirbeln an den Polen liefern.

"Was wir von Cassinis wagemutigen abschließenden Umkreisungen lernen werden, wird unser Verständnis davon verbessern, wie gigantische Planeten und Planetensysteme überall sich formieren und entstehen. Das ist wirklich Entdeckung in Aktion bis zum Schluss."

Thomas Zurbuchen, NASA-Manager

Bei den Durchquerungen hat Cassini die Struktur des Saturns und der Ringe näher untersucht, erste Proben der Atmosphäre des Saturns und von Ringpartikeln genommen und Nahaufnahmen gemacht.

Kontrollierter Absturz von Cassini

Hauptgrund für das Ende der Mission sind die Treibstoffreserven, die zur Neige gehen. Zudem möchte die NASA vermeiden, dass die Sonde unkontrolliert mit den Saturnmonden Enceladus oder Titan kollidiert und diese verschmutzt. Wissenschaftler haben dort dank Daten und Proben von Cassini Hinweise darauf entdeckt, dass dort Leben möglich sein könnte. Damit diese weiterhin zweifelsfrei untersucht werden können, darf keine "Cassini-Mikrobe" die Monde verunreinigen.

Cassini-Mission

Saturnmond Titan: Tiefe Schluchten sind mit flüssigem Methan geflutet.

15. Oktober 1997: Start der Sonde Cassini von Cape Canaveral in Florida aus ins All. Huckepack trug die 6,80 Meter hohe Sonde mit einem Durchmesser von vier Metern den Lander Huygens. Der Lander wurde im Orbit abgetrennt und erkundete den Saturnmond Titan. Beim Start wog Cassini rund 5.700 Kilogramm, davon waren mehr als 50 Prozent Treibstoff. Sechs Jahre war sie unterwegs, um die rund 1,5 Milliarden Kilometer bis zum Saturn zurückzulegen. Herausgefunden hat Cassini einiges über die Beschaffenheit des Gasplaneten und seine mittlerweile über 60 entdeckten Monde.
Bei mehreren nahen Vorbeiflügen an Monden des Saturn offenbarte Cassini unter anderem einen Ozean auf dem Mond Enceladus, der möglicherweise Leben dort zulassen könnte sowie flüssige Methan-Seen auf dem Mond Titan. Die Sonde lieferte während ihrer Reise neben vielen hochauflösenden Fotos von Jupiter, Venus, den Saturnmoden und -ringen auch viele Daten über die thermischen Bedingungen oder die Zusammensetzung der Planeten und Monde.
Die Cassini-Mission wurde von der US-amerikanischen NASA gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI durchgeführt. In Deutschland beteiligten sich an dieser Mission das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mehrere Universitäten sowie die deutsche Raumfahrtindustrie. Die Kosten der Mission: mehr als 3,2 Milliarden Dollar.

  • "Manöver am Saturn: Die Sonde Cassini fliegt ihrem Ende entgegen", IQ-Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 24.04.2017, 18.05 Uhr
  • "Raumsonder Cassini", nano, ARD-alpha, 27.04.2017, 16.30 Uhr

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Weltraummissionen, Freitag, 15.September, 18:03 Uhr

1. Weltraummissionen durch offenes Expertengremium definieren

Weltraumprojekte sollten vor Ihrer Durchführung durch ein neues offenes Expertengremium transparenter entschieden werden.

Deutschland und die EU investieren jedes Jahr Milliarden in das Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die European Space Agency (ESA).

Als Resultat müssen Weltraummissionen von einem Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana in Lateinamerika oder Kasachstan in Zentralasien gestartet werden. Warum hat die EU und Deutschland keinen eigenen Weltraumbahnhof auf den Kanaren oder Malta. Das ist in etwa der gleiche Breitengrad wie der NASA Weltraumbahnhof auf Cape Canaveral.

Und warum verfügt die ESA und Deutschland trotz Milliarden Investitionen über keinen Weltraumgleiter.

Dennoch werden Milliarden für Mars Rover investiert, die mit Rädern einige hundert Meter auf dem Mars pro Jahr fahren können. Stattdessen könnte man Planeten und deren Monde mit innovativen Schwebesonden und Ameisenrobotern erkunden.