Wissen


31

Raumsonde Cassini Sonde nach "Tauchmanöver" wieder in Kontakt zur Erde

Nach einem ersten Tauchmanöver durch die Ringe des Saturn hat die NASA-Raumsonde Cassini wieder Signale zur Erde geschickt. Noch 21 weitere Male soll die Raumsonde in den nächsten Monaten die bislang noch unerforschte Zone durchfliegen.

Stand: 27.04.2017

"Wir haben es geschafft!", twitterte die Raumfahrtbehörde NASA am 27. April 2017. "Cassini hat wieder Kontakt mit der Erde und übermittelt nach einem erfolgreichen Flug durch die Lücke zwischen Saturn und seinen Ringen Daten." Damit ist die Raumsonde zum ersten Mal in völlig unerforschtes Terrain vorgedrungen. Beim Start des Manövers einen Tag zuvor war der Funkkontakt zur Erde erwartungsgemäß abgebrochen. Nach NASA-Angaben hat sich die Sonde der obersten Wolkendecke des Saturn auf 3.000 Kilometer angenähert – so nah wie nie zuvor. Der Abstand zum sichtbaren innersten Ring habe 300 Kilometer betragen.

Zwischen Saturn und seinen Ringen

Seit 13 Jahren erkundet die NASA-Raumsonde Cassini das Saturnsystem und erkundet nun erstmals die Region zwischen dem Gasriesen und seinem innersten Ring, dem D-Ring. Bereits seit Ende November vergangenen Jahres hatte Cassini die Bahn verlassen, auf der sich die Ringe und Monde des Saturns finden. Zudem hat sich die Raumsonde in den vergangenen Monaten näher an den Planeten herangewagt: Dicht am F-Ring – dem von innen betrachtet fünften von sieben Ringen – zog sie seither ihre Bahnen.

Anziehungskraft Titans lenkt Cassini um

22. April 2017: Cassini fliegt am Saturnmond Titan vorbei

Am 22. April flog Cassini dann sehr nah am Saturnmond Titan vorbei. Dessen Anziehungskraft veränderte die Laufbahn der Sonde und lenkte sie zwischen Saturn und seine Ringe. Seit 26. April durchquert Cassini dieses Neuland. Insgesamt soll die Sonde die rund 2.400 Kilometer 22 Mal durchfliegen.

"Was wir von Cassinis wagemutigen abschließenden Umkreisungen lernen werden, wird unser Verständnis davon verbessern, wie gigantische Planeten und Planetensysteme überall sich formieren und entstehen. Das ist wirklich Entdeckung in Aktion bis zum Schluss."

Thomas Zurbuchen, NASA-Manager

Bei den Durchquerungen soll "Cassini" die Struktur des Saturns und der Ringe näher untersuchen, die ersten Proben der Atmosphäre des Saturns und von Ringpartikeln entnehmen und Nahaufnahmen machen.

Antenne als Schutzschild

Die NASA hat diese Reise an Modellen immer wieder durchgespielt und geht deshalb davon aus, dass es in dieser Region keine Staubteilchen gibt, die so groß sind, dass sie Cassini schaden könnten. Um jedoch keine bösen Überraschungen zu erleben, wird bei der ersten Durchquerung eine große Antenne in Flugrichtung gedreht und wie ein Schutzschild benutzt. Damit soll sicher gestellt werden, dass die wissenschaftlichen Instrumente nicht gefährdet werden.

"Es gibt definitiv einiges Unbekanntes, aber das ist einer der Gründe, warum wir solche waghalsige Forschung am Ende der Mission machen."

Earl Maize, NASA-Manager

Am 15. September soll dann aber Schluss sein für Cassini: Mit einem kontrollierten Absturz soll die vor 20 Jahren gestartete Sonde in den Saturn stürzen und dabei bis zum Schluss Daten zur Erde senden. Der Hauptgrund für das Ende der Mission: Die Treibstoffreserven gehen zur Neige.

Cassini-Mission

Saturnmond Titan: Tiefe Schluchten sind mit flüssigem Methan geflutet.

15. Oktober 1997: Start der Sonde Cassini von Cape Canaveral in Florida aus ins All. Huckepack trug die 6,80 Meter hohe Sonde mit einem Durchmesser von vier Metern den Lander Huygens. Der Lander wurde im Orbit abgetrennt und erkundete den Mond Titan. Beim Start wog Cassini rund 5.700 Kilogramm, davon waren mehr als 50 Prozent Treibstoff.
Bei mehreren nahen Vorbeiflügen an Monden des Saturn offenbarte Cassini unter anderem einen Ozean auf dem Mond Enceladus, der möglicherweise Leben dort zulassen könnte sowie flüssige Methan-Seen auf dem Mond Titan. Die Sonde lieferte während ihrer Reise neben vielen hochauflösenden Fotos von Jupiter, Venus, den Saturnmoden und -ringen auch viele Daten über die thermischen Bedingungen oder die Zusammensetzung der Planeten und Monde.
Die Cassini-Mission wird von der US-amerikanischen NASA gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI durchgeführt. In Deutschland beteiligen sich an dieser Mission das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mehrere Universitäten sowie die deutsche Raumfahrtindustrie. Die Kosten der Mission: mehr als 3,2 Milliarden Dollar.


31

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: