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Buffalo Bill Zum 100. Todestag vom "Ochsen-Willi"

Buffalo Bill ist für viele der Cowboy schlechthin. Er war Büffeljäger, Scout und Showstar, der Held in zahlreichen Büchern und Filmen. Wir verraten, wer "Buffalo Bill" war - und warum er einst auch durch München ritt.

Stand: 09.01.2017

William Frederick Cody alias Buffalo Bill | Bild: FIA/Rue des Archives/Süddeutsche Zeitung Photo

Halbnackte Indianer singen und tanzen. Lassoschwingende Cowboys zähmen bockende Pferde. Ein weißbärtiger Mann in Fransenlederjacke zieht den Hut: Buffalo Bill. Er war nicht nur der Star und Organisator solcher Wildwestshows.

Kutscher, Jäger, Goldsucher, Postreiter, Kundschafter

William Frederick Cody war ein talentierter Reiter. Grundvoraussetzung eines Cowboys erfüllt.

Buffalo Bill wurde am 26. Februar 1846 als William Frederick Cody auf einer Farm in Iowa geboren. Sein Vater war Händler und Landvermesser, seine Mutter Lehrerin. Schon als kleiner Junge soll Cody ein begabter Reiter gewesen sein. Als er elf Jahre alt war, starb sein Vater. Als ältester Sohn verließ er daraufhin sein Zuhause, um als Kutscher bei den Trecks, die nach Westen rollten, Geld zu verdienen.

Später versuchte Cody sein Glück bei der Jagd, um Felle zu verkaufen, und der Goldsuche. Ab 1860 ritt er für den transkontinentalen Postdienst "Pony Express". Im Amerikanischen Bürgerkrieg und in den Feldzügen der Kavallerie gegen die Indianer arbeitete er als Scout.

William Cody wird zu Buffalo Bill

Zu Buffalo Bill wurde William Cody, als er 1867/68 für die Kansas-Pacific-Eisenbahn angeblich mehr als 4.000 Bisons erlegte, um deren Arbeiter mit Fleisch zu versorgen. Zusammen mit anderen weißen Büffeljägern rottete er den Bestand des Amerikanischen Bisons fast vollständig aus und raubte den Indianern dadurch eine ihrer wichtigsten Lebensgrundlagen.

Schritt für Schritt zum Showman

Seine Jagderfolge brachten William Cody den Namen Buffalo Bill ein. Damit wurde er Schritt für Schritt zum Star.

General Philip Sheridan setzte den kundigen wie erfolgreichen Jäger Cody als Guide für einflussreiche Prärie-Reisende und ausländische Großwildjäger ein. In Gesellschaft der Mächtigen und Adligen entwickelte Cody eine Weltgewandtheit, die ihm später in der Showmanege hilfreich sein sollte.

1869 folgte der nächste Schritt zum schillernden Showman: Cody traf auf den Journalisten Ned Buntline, der einen Helden für seine Groschenromane suchte. Buntline und andere Autoren produzierten insgesamt 557 mehr oder weniger fantasievolle Geschichten über den Präriehelden Buffalo Bill. 1872, mit 26 Jahren, trat Cody im Stück "Scouts of the Prairie" von Buntline in Chicago auf.

Die zirkusähnliche Show "Buffalo Bill's Wild West"

1890 gastierte Buffalo Bill zum ersten Mal mit seiner Show in München. Das Wildwest-Spektakel fand auf der Theresienwiese statt.

Kurze Zeit später organisierte Cody seine eigene Truppe, die "Buffalo Bill Combination", die bis 1882 mehrere Stücke aufführte. Aus ihr ging schließlich die erfolgreiche Show "Buffalo Bill's Wild West" hervor. Millionen Menschen erzählte er darin zwischen 1883 und 1913 von glorifizierten Abenteuern und angeblichem Alltag, Kämpfen und Kultur der Pionierjahre. "Buffalo Bill's Wild West" tourte mit echten Cowboys und Indianern, Büffeln und Pferden. Reiter galoppierten um die Wette, Kunstschützen demonstrierten ihre Zielgenauigkeit und sogar der legendäre Sioux-Stammeshäuptling Sitting Bull gastierte eine Saison in der Show. Besonders beliebt waren ausführlich choreografierte Kämpfe zwischen Indianern und Siedlern. Mit seiner zirkusähnlichen Show tourte er jährlich durch die USA. Acht Tourneen führten ihn auch nach Europa. Buffalo Bill wurde zum Wildwest-Cowboy schlechthin. Vom 19. April bis zum 5. Mai 1890 gastierte der "Ochsen-Willi", wie man ihn scherzhaft nannte, zum ersten Mal in München auf der Theresienwiese. Allein 1893 lockte seine Show sechs Millionen Besucher in Chicago anlässlich der Weltausstellung an.

"Die Geburt des Wilden Westens als erfolgreiches Genre war zu großen Teilen ein Produkt von Persönlichkeit, dramatischem Scharfsinn und gutem Timing."

Paul Fees, ehemaliger Kurator des Buffalo-Bill-Museums im US-Staat Wyoming

"Buffalo Bills Wild West Show"

Schulden hielten Buffalo Bill im Sattel

Die "Buffalo Bill's Wild West"-Show war ein Riesenerfolg, seine anderen Unternehmungen weniger. Buffalo Bill hatte Schulden.

Weniger erfolgreich dagegen war Cody bei seinen Investitionen in Viehwirtschaft, Berg- und Städtebau, die Filmindustrie sowie in den Tourismus. Seine Schulden zwangen ihn, bis zuletzt im Sattel zu bleiben. Am 9. Januar 1917 ließ er sich auf dem Sterbebett noch katholisch taufen. Am 10. Januar 1917 starb er an Herz- und Nierenversagen. Bis dahin hatte er das, was er in seinen Shows als Erfolg darstellte, selbst miterlebt und teilweise auch selbst mitverursacht: Wie fast unberührtes Land von Zäunen und Eisenbahnen durchzogen wurde, Bisonherden dezimiert und Indianer in Reservate gedrängt wurden. Vielleicht war er auch deshalb ein Einzelgänger, wie es in einer historischen Filmaufnahme von 1908 heißt: "Lang war es die Gewohnheit des alten Scouts, sich in Sternennächten für ein paar Stunden ins Freie davonzustehlen, allein."

Ohne "Langes Haar" ist das Herz schwer von Trauer

Obwohl auch Buffalo Bill gegen Indianer gekämpft hatte, schlossen die Sioux später mit ihm Freundschaft. Hier Sitting Bull (l.) mit Buffalo Bill.

Als er starb, pries ihn Ex-Präsident Theodore Roosevelt als "den Amerikaner schlechthin". Mindestens 25.000 Menschen erwiesen William Cody die letzte Ehre. Ausgerechnet die Indianer des Pine-Ridge-Reservats, denen er unzählige Büffel und damit die Existenzgrundlage weggeschossen hatte, widmeten ihm einen bewegenden Nachruf: "Ihr sollt wissen, dass das Volk der Sioux in Buffalo Bill einen guten und treuen Freund gefunden hatte. Unser Herz ist schwer von Trauer über seinen Verlust." Obwohl Buffalo Bill früher wohl auch Indianer skalpiert hatte, sprachen sie von ihm mit großer Wertschätzung, nannten ihn "Pahaska" - "Langes Haar". Der Frankfurter Ethnologe und Nordamerika-Experte Christian Feest versucht eine Erklärung: "Cody sah sie als Menschen, deren kulturelle Eigenheiten und persönliche Tugenden er respektierte. Sie dankten ihm seinen Respekt mit Zuneigung."

"Jeder Indianeraufstand, den ich erlebt habe, beruhte auf den von der US-Regierung gebrochenen Versprechen und missachteten Abkommen."

William Frederick Cody/Buffalo Bill

Buffalo-Bill-Museum in der Stadt Cody in Wyoming

Unsterblich ist Buffalo Bill als Verkörperung des Wilden Westens in Filmen, Romanen und TV-Serien. "Bonanza" etwa griff Cody als Figur auf. Doch auch die College-Footballmannschaft "Buffalo Bills" aus New York hat sich nach ihm benannt. Auch eines seiner Bauprojekte hat ihn überlebt: die von ihm gegründete Stadt Cody in Wyoming, in der bis heute das Buffalo Bill Center an sein Leben und die Indianerkriege erinnert.


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