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Buchsbaumzünsler Nimmersatte Raupe vernichtet Buchsbäume

Sie ist grün, gefräßig und giftig: die Raupe des Buchsbaumzünslers. Das Insekt wurde aus Asien eingeschleppt, vernichtet die hiesigen Buchsbäume und breitet sich ungestört aus. Natürliche Feinde hat der Schädling hier noch nicht.

Stand: 17.07.2012

Buchsbaumzünsler | Bild: picture-alliance/dpa

Die Raupen sind leuchtend grün, bis zu sechs Zentimeter groß - und hungrig. Auf Buchsbäume: Zuerst werden die Blätter abgenagt, dann die Rinde bis auf's Holz. Alle Pflanzenteile oberhalb davon sterben ab. "Der Buchsbaumzünsler fällt wie eine Naturgewalt über den Buchsbaum her", berichtet Michael Glas vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Stuttgart. Der Leiter der Abteilung Pflanzengesundheit und Produktqualität kennt Fälle, bei denen Schädlinge im vierstelligen Bereich abgeklaubt wurden. Hobbygärtner fürchten die Tiere ebenso wie Parkpfleger: "Sie vernichten erhebliche Werte, nicht nur monetär, sondern auch symbolisch, etwa bei formierten Gehölzen in Schlossgärten."

Buchsbaumzünsler auch in Bayern angekommen

Buchsbäume sind nicht nur teuer, sondern oft auch mit viel Liebe gestaltet - und des Zünslers liebste Nahrung.

Seit 2007 frisst sich der Buchsbaumzünsler durch Deutschland. Ursprünglich stammt er aus Ostasien - aus Japan, China und Korea. Eingeschleppt wurde er über den Pflanzenhandel. Die ersten Tiere fielen rund um die Rheinhäfen Kehl und Weil am Rhein auf. Inzwischen haben die Schädlinge die gesamte Rheinebene erobert und schwärmen weiter aus. "Wir erhalten massiv Anrufe aus unterschiedlichen Regionen im Land", bestätigt Tilo Lehneis vom LTZ. Derzeit ist Baden-Württemberg am stärksten betroffen. Auch in Bayern ist der Schädling schon angekommen, allerdings nicht im befürchteten Ausmaß. Noch sei die Zahl der Meldungen unbedeutend, teilte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising mit. Auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich und in den Niederlanden hat der Zünsler schon eine neue Heimat gefunden.

Noch keine natürlichen Feinde

Experten sehen der Invasion ratlos zu. "Wir sind nicht in der Lage, die Massenverbreitung zu unterbinden", resigniert Glas. Die Raupen haben keine natürlichen Feinde. Nicht nur, weil sie den einheimischen Tieren noch fremd sind, sondern weil sie ihnen auch nicht schmecken: "Der Buchsbaum ist giftig, deshalb wollen die Vögel nicht an die Raupen. Meisen wird richtig schlecht, wenn sie die Raupen fressen", erzählt Glas. Buchsbäume sind gerade wegen ihres dichten, immergrünen Blattwerks so beliebt. Weil sich die Raupen vom Bauminneren nach außen fressen, lässt sich ein Befall erst spät erkennen. Das erschwert die Bekämpfung mit Insektiziden. Und die helfen auch nur, wenn man den Buchsbaum regelmäßig damit besprüht. Vielleicht entdecken Schlupfwespen und andere heimische Parasiten die Raupe bald für sich. Den Buchsbaumzünsler eindämmen könnte auch eine Krankheit, die speziell ihn befällt. "Die könnte sich aber nur in seinem Ursprungsgebiet entwickeln, müsste dann erst wieder zu uns gelangen - und dann könnte sie uns auch auf anderen Ebenen Probleme machen", zweifelt Glas.

Schnittgut in Folie verpacken

So sehen die Raupen des Buchsbaumzünslers aus. In einer dichten Buchsbaumkugel sind sie kaum zu erkennen.

Gerade bleibt also nichts anderes übrig, als die Pflanzen schon im Gartencenter und auch später regelmäßig zuhause gründlich auf einen möglichen Befall hin zu untersuchen - und die Raupen abzusammeln. Feine Gespinste in der Baumkugel können erste Anzeichen sein. Michael Glas rät: "Am besten, man nimmt ein weißes Blatt Papier, hält es unter den Buchsbaum, und schlägt mit der anderen Hand gegen den Buchs. Dann fallen die Raupen aufs Papier." Um auch die Eier und jungen Larven zu erwischen, sollte die Pflanze kräftig zurückgeschnitten werden. Dann darf das Schnittgut aber nicht einfach nur auf den Kompost geworfen werden, das wäre der Verbreitung der Raupe eher zuträglich. Es sei denn, es handelt sich dabei um eine geschlossene, dichte Anlage, in der die Abfälle gut geschichtet werden, sodass die Tiere getötet werden. Auf der sicheren Seite sei man laut Glas, wenn man den Buchs gut in Folie verpacke und in den Hausmüll gebe.

"Der Buchsbaumzünsler bleibt uns wohl erhalten. Noch dazu kommt er aus ähnlichen klimatischen Verhältnissen", sagt Glas und gibt noch zwei seiner Erfahrungen mit auf den Weg: "Die Buchsbäume haben immer viel mehr Larven, als man sieht" und "Laien sehen sie immer zu spät".

Buchsbaumzünsler

Die weißen Falter mit dem schwarzen Saum erreichen eine Flügelspannweite zwischen vier und fünf Zentimetern, sind rund 2,5 Zentimeter lang und sitzen auf der Unterseite von Blättern. Ihre Eier legen sie gezielt auf Buchsbäumen ab. Pro Jahr können bis zu vier Generationen von Buchsbaumzünslern auftreten, deshalb konnte sich der Schädling hier innerhalb weniger Jahre so schnell vermehren. Rund alle zwei Monate schlüpft eine neue Generation. Ab Mitte März beginnen die Raupen jedes Jahr, an den Buchsbäumen zu knabbern. Im asiatischen Raum fressen die Raupen auch Spindelstrauch- und Stechpalmen-Arten.


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