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Bedrohte Primaten Gorillas sind akut gefährdet

Wilderei, Ebolavirus und die Zerstörung ihrer Lebensräume haben die Gorillas an den Rand des Aussterbens gebracht. Die Silberrücken leiten ihre Gruppe nicht nur mit Gebrüll und Gehabe, sondern auch mit Gerüchen.

Stand: 25.02.2015

Gorilla in Afrika | Bild: picture-alliance/dpa

Drei der vier Gorilla-Arten (siehe Steckbrief unten) sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als "vom Aussterben bedroht" klassifiziert. Damit zählen Gorillas zu den bedrohtesten Tierarten überhaupt. Die Gründe sind die Zerstörung ihrer Lebensräume in Afrika durch Abholzung und Bergbau sowie der Ebolavirus. Außerdem erzielen Jäger für das Fleisch von Gorillas hohe Preise.

Bedrohte Unterart: der Cross-River-Gorilla

Vom Cross-River-Gorilla gibt es nur noch wenige hundert Exemplare.

Forscher des Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben sich auf die Suche nach den vom Aussterben bedrohten Cross-River-Gorillas gemacht, einer Unterart des Westlichen Gorillas. Diese lebt im bergigen Grenzgebiet zwischen Nigeria und Kamerun, das nur schwer zugänglich ist.

Schätzungen zufolge gibt es nur noch wenige Hundert Cross-River-Gorillas. Die Wissenschaftler um Mimi Arandjelovic haben Spürhunde aus den USA bei der Suche nach den gefährdeten Gorillas eingesetzt. Mithilfe der Hunde konnte Kot der bedrohten Menschenaffen besser aufgespürt werden. Mit diesen Funden lassen sich Größe und Zusammensetzung der Populationen wesentlich besser abschätzen, betonen die Wissenschaftler in einer Studie vom Februar 2015. Die genetischen Analysen der insgesamt 72 gefundenen Kotproben ergaben, dass die Funde von 19 verschiedenen Tieren stammen – vier Männchen und 15 Weibchen.

Keine Gartenstühle aus Tropenholz

Ohne einen besseren Schutz könnten die Menschenaffen bereits in zehn bis zwanzig Jahren ausgestorben sein, warnt die Münchner Artenschützerin Sandra Altherr. Jeder könne aber etwas zur Rettung des Gorillas beitragen, betont die Biologin von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Da die Abholzung der Regenwälder den Tieren so zusetze, lautet ihr Appell, kein Tropenholz zu kaufen und besser zu Recyclingpapier zu greifen. Die dezimierten Gorillabestände erholen sich aufgrund der langsamen Fortpflanzungsrate der Menschenaffen nur schwer. Eine Gorillamutter bekommt maximal alle fünf Jahre ein Junges.

Alpha-Männchen leiten mit Gestank

Ein Silberrücken, der Chef einer Gorillafamilie, stinkt je nach Lage mal mehr, mal weniger.

Bekanntlich leiten Gorilla-Männchen ihre Gruppe mit lautem Gebrüll und Imponiergehabe. Weniger bekannt ist, dass sie sich mit ihren Artgenossen über den Geruch verständigen. Wenn das Männchen besonders stinkt, dann hat es auch etwas zu sagen.

Michelle Klailova und Phyllis Lee von der schottischen Universität Stirling sind 2007 zwölf Monate lang in der Zentralafrikanischen Republik einer Gruppe von 13 Westlichen Tieflandgorillas gefolgt. Darunter war ein männlicher "Silberrücken", der Chef im Gorillareich. Die Forscher fanden heraus, dass seine ausgesendeten Duftstoffe nicht nur ein Ergebnis von Erregung sind, sondern auch gezielt zur Beeinflussung anderer Affen eingesetzt werden können. Die Stärke des Geruchs wird bei Gefahr oder wenn ein Rivale in der Nähe ist gezielt hoch- oder runtergeregelt. Will das Alpha-Tier einem Rivalen imponieren, dann stinkt es förmlich zum Himmel, bei Rückzug drosselt es seinen Geruch auf kaum noch wahrnehmbar herunter. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere ihre Duftsprache im dichten zentralafrikanischen Dschungel auch zur Orientierung einsetzen.

Steckbrief: der Gorilla

Ein Flachlandgorilla: Die Großen Menschenaffen drohen auszusterben.

Der Gorilla zählt zusammen mit den anderen drei Großen Menschenaffen Orang-Utan, Schimpanse und Bonobo zu den engsten Verwandten des Menschen. Es gibt die beiden Arten Westlicher Gorilla und Östlicher Gorilla. Zum Westlichen Gorilla zählt der Cross-River-Gorilla (300 Exemplare) und der Westliche Flachlandgorilla (200.000 Exemplare). Zum Östlichen Gorilla gehören der Östliche Flachlandgorilla (5.000 Exemplare) und der Berggorilla (2006: 700 Exemplare, 2012: 880 Exemplare). Besucher von Tiergärten kennen meist den Westlichen Flachlandgorilla. Von dieser Art leben 500 Gorillas nach Angaben der Umweltstiftung WWF in zoologischen Gärten.

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