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Washingtoner Artenschutzabkommen Illegaler Handel bedroht geschützte Arten

Er ist einer der ältesten Umweltverträge der Welt: das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites. Unterzeichnet am 3. März 1973, trat es am 1. Juli 1975 in Kraft. Es soll den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen regulieren und damit bedrohte Arten schützen.

Stand: 02.03.2016

Thailand: Konfisziertes, geschmuggeltes Elfenbein, April 2015 | Bild: dpa-Bildfunk

Fast 5.600 Tierarten – Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische – und 30.000 Pflanzen listet das Cites-Abkommen je nach Grad der Bedrohung auf. Über 1.000 von ihnen stehen auf der Liste der meist gefährdeten Arten. Mit ihnen ist jeglicher Handel verboten. Zu diesen Arten zählen Tiger, Nashörner, bestimmte Schildkröten, Affen- und auch Walarten sowie einige Orchideen- und Kakteenarten. Doch der illegale Handel boomt – trotz Abkommens. Auf jeder Artenschutzkonferenz wird um die Zukunft schon lange bedrohter oder neu gefährdeter Arten gerungen – mit unterschiedlichem Erfolg.

Bangkok: Bilanz der Artenschutzkonferenz 2013

Resümee

Für mehr als 200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten wurden auf der bisher letzten, der 40. Artenschutzkonferenz im März 2013 in Bangkok strengere Schutzmaßnahmen beschlossen. Zu den Gewinnern zählten Haie und Rochen, Frösche, Schildkröten, Seekühe, Baumgeckos und Tropenhölzer. Auch der Kampf gegen die Wilderei wurde verschärft. Dennoch gab es auch Verlierer, unter anderen Eisbären, Tiger und Menschenaffen. Dennoch herrschte am Ende der Konferenz eine positive Stimmung.

"Dies ist ein Wendepunkt für die Konvention" so der Cites-Generalsekretär John Scanlon mit Blick auf den neuen Hai-Schutz. Nie zuvor sei der Handel mit so vielen für die Fischerei wichtigen Arten eingeschränkt worden. Tierschützer sahen einen historischen Durchbruch, weil die üblichen Blockaden unter Führung der Asiaten durchbrochen worden waren. Japaner und Chinesen hatten seit Jahrzehnten viele Handelsbeschränkungen für bedrohte Tierarten verhindert.

Stimmen

"Dies ist ein historischer Moment. Nach vielen Jahren mit schwachen Ergebnissen freuen wir uns über dieses Geburtstagsgeschenk zum 40. Jubiläum des Artenschutzübereinkommens."
Volker Homes, Artenschutzexperte des WWF

"Natürlich haben wir ein paar Rückschläge, wie beispielsweise den gescheiterten Eisbären-Antrag, hinnehmen müssen und sehen mit Sorge die Entwicklung der Elefanten-Wilderei. Aber alles in allem ist das trotzdem eine der erfolgreicheren Cites-Konferenzen, die wir bisher erlebt haben. Zum 40-jährigen Jubiläum präsentiert sich das Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Hochform."
Heike Finke, NABU-Präsidiums-Mitglied und Artenschutz-Expertin

"Heute war der bedeutendste Tag für den Ozean in der 40-jährigen Geschichte des Washingtoner Artenschutzabkommens."
Susan Lieberman, US-Organisation Pew Charitable Trusts, nach den Beschlüssen zu Haifischen und Rochen

Nashörner

Allein von Januar bis März 2013 waren schon 140 Nashörner gewildert worden. Über Schleuserbanden in Mosambik werden die Tiere nach Vietnam verschifft. Dort kostet ein Kilo Nashorn bis zu 50.000 Euro. Die beiden Länder wurden aufgefordert einen Aktionsplan zur besseren Verbrechensbekämpfung vorzulegen. Kommen sie dieser Forderung nicht nach, drohen ihnen Strafen. Die Wilderei von Nashörnern und Elefanten werden seit der Artenschutzkonferenz 2013 nicht mehr nur als Vergehen, sondern als Straftat angesehen und die Strafen wurden erhöht.

Insgesamt sahen die Umwelt-Organisationen die Entwicklung bei der Wilderei mit großer Besorgnis. Tierschützer kritisierten, dass der Kampf gegen den Nashorn- und Elfenbeinschmuggel zu wenig Biss hatte.

Elefanten

2011 wurden doppelt so viele Elefanten getötet wie noch vor zehn Jahren: Allein in Afrika töteten Wilderer rund 25.000 Elefanten. Schmuggler nutzen zum Beispiel Thailand als Drehscheibe für illegales Elfenbein aus Afrika, obwohl der internationale Handel mit Stoßzähnen verboten ist.
Acht afrikanische und asiatische Nationen entgingen bei der Konferenz Sanktionen wegen mangelnden Einsatzes gegen den Elfenbeinhandel: Kenia, Tansania und Uganda als Herkunftsländer, Malaysia, die Philippinen und Vietnam als Transitländer sowie China und Thailand als Märkte für Elfenbein. Die Länder wurden alle gerügt, sich nicht ausreichend gegen den Elfenbeinhandel einzusetzen. Drohenden Sanktionen entgingen sie, indem sie Aktionspläne vorlegten oder ankündigten.

Der WWF hatte ein Ende der Trophäenjagd in Südafrika und des legalen Elfenbeinmarktes in Thailand gefordert – ohne Erfolg.

Tropenhölzer

Es wurde bschlossen, den Handel mit mehreren Tropenhölzern unter Aufsicht zu stellen. Palisander aus Lateinamerika und Südostasien sowie Rosenholz und Ebenholz aus Madagaskar dürfen seit der Konferenz nur noch mit Lizenzen verkauft werden, wenn die Bestände nicht gefährdet sind.

Zudem müssen sich Importeure vergewissern, dass das gelieferte Holz aus nachhaltigen Beständen stammt.

Mantas

Riesenmanta und Riffmanta wurden unter Schutz gestellt. Das Kiemengewebe der beiden Rochenarten wird pulverisiert und als Heilmittel angeboten, was die Bestände deutlich dezimiert hat.

"Dass so viele Cites-Mitglieder hier zusammengestanden sind zum Schutz von Hai und Manta, ist unglaublich. Sie haben damit den Wirtschaftsinteressen der vornehmlich asiatischen Länder die Rote Karte gezeigt und den Artenschutz gestärkt. Vielleicht wollten einige Delegationen der Plünderung der Meere einfach nicht mehr länger zusehen. Das wäre eine unglaubliche Trendwende."
Claudia Praxmayer, NABU-Artenschutzexpertin

Haie

Weißspitzen-Hochseehai, drei Hammerhai-Arten und der Heringshai kamen ebenfalls unter den Cites-Schutz. Haifischflossen und -steaks sind als Delikatessen begehrt. Alle sieben Fischarten wurden in den Anhang II des Abkommens aufgenommen. Dadurch dürfen sie nur noch mit Fanglizenzen gefischt werden.

Noch kurz vor Ende der Konferenz wollten japanische und chinesische Vertreter den Beschluss kippen. Dieser Versuch scheiterte. "Viele Staaten haben einfach die Nase voll von diesen Spielchen der Fischereinationen", so Volker Homes, Artenschutzexperte des WWF Deutschland. "Bislang hat immer die Ökonomie gesiegt, aber jetzt haben Vernunft und Naturschutz die Oberhand gewonnen."

Eisbären

Zu den Verlierern zählte der Eisbär, ihm wurde ein besserer Schutz unter Cites verwehrt. Kanada handelt als einziges Land weltweit immer noch international mit Eisbärprodukten. Jährlich werden rund 400 Eisbären getötet. Die USA hatten versucht diesen Handel – etwa mit Fellen – mit einer Anhang-I-Listung zu unterbinden. Nach dem Klimawandel sei der internationale Handel eine der größten Bedrohungen für die weißen Bären. Die Gegner dieser Petition waren der Meinung, dass die Bestände mit rund 25.000 Tieren in Kanada, den USA, Russland, Norwegen und Grönland noch nicht gefährdet waren. Am Ende scheiterte der Antrag der USA erneut, wie schon bei der letzten Konferenz in Doha.

Eckpunkte des Artenschutzabkommens

Ursprung

Von Wilderern erlegtes Nashorn

Schutz vor Handel

Am 3. März 1973 unterzeichneten achtzig Länder das "Washingtoner Artenschutzabkommen", um den Handel mit gefährdeten Arten zu kontrollieren. Denn ihr Marktwert gefährdet viele Arten – etwa die Nashörner, für deren angeblich aphrodisisches Horn schon mal 400.000 Euro gezahlt werden. Das Abkommen trat am 1. Juli 1975 in Kraft.

Organisation

181 Länder nehmen an CITES teil

Es ist zum Glück nicht bei einer einmaligen Unterschriftensammlung geblieben: Entstanden ist aus dem Abkommen die internationale Organisation CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora – Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) unter Verwaltung der UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Sitz des CITES-Sekretariats ist in Genf. Bis Juni 2015 haben 181 Länder das Abkommen unterzeichnet. Deutschland ist seit 1976 dabei.

Drei Listen

In internationalen Artenschutzkonferenzen sollen immer mehr Arten unter den Schutz des Abkommens gestellt werden. Rund 35.000 Tier- und Pflanzenarten finden sich auf drei verschiedenen CITES-Listen: Arten auf dem "Appendix I" dürfen demnach überhaupt nicht gehandelt werden, weil sie vom Aussterben bedroht sind, etwa Pandabären oder Wale. Wer auf dem "Appendix II" steht, ist noch nicht vom Aussterben bedroht, aber durch den Handel gefährdet, wie etwa Falken oder Alpenveilchen. Bei ihrer Ein- und Ausfuhr muss ein Nachweis erbracht werden, dass der Bestand durch den vorliegenden Handel nicht gefährdet wird. Eine dritte Liste versucht Arten gezielt in einzelnen Ländern mit nationalen Sonderregelungen zu schützen – beispielsweise den Königsgeier aus Honduras.

Strafen

Das Artenschutzabkommen verpflichtet Länder, den Artenschutz sicherzustellen. Macht das eine Landesregierung nicht, so kann sie bestraft werden. Die anderen Unterzeichner können das Land vorübergehend von sämtlichem legalen Handel mit Wildprodukten ausschließen. Etwa alle zwei Jahre treffen sich die beteiligten Länder und aktualisieren die Listen.

Grausame Funde im Urlaubsgepäck

Was Zöllner oft im Gepäck von Reisenden finden, entspricht in keiner Weise dem Schutzabkommen: in Kisten gepferchte Schildkröten, Elfenbein, Leopardenschädel aus Simbabwe, Krokodiltaschen und Tigerkrallen. Zwar ist die Einfuhr dieser Tiere und ihrer Erzeugnisse verboten, dennoch werden sie immer noch ver- und gekauft. Der illegale Handel mit Produkten geschützter Tiere vor allem aus Asien und Afrika wächst alarmierend. Und der Handel im Internet steigt stetig an.

Internethandel mit bedrohten Tieren boomt

Bedrohte Art: McCords Schlangenhalsschildkröte

Anfang 2014 entdeckte der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) nach eigenen Angaben in nur sechs Wochen 9.500 Verkaufsangebote auf 280 Internet-Plattformen in 16 Staaten. Diese bezogen sich auf 33.006 bedrohte Wildtiere, Wildtierteile oder -produkte. Damit erhöhe der Online-Handel die Bedrohung von ohnehin gefährdeten Arten und ermögliche kriminellen Händlern anonym und unauffällig ihren Geschäften nachzugehen, so der IFAW-Deutschland. Bei einer Recherche 2008 waren es noch 7.000 Angebote auf 183 Plattformen in elf Ländern gewesen.

Verbotenes Elfenbein und illegale Reptilien

Lager mit illegal geschmuggeltem Elfenbein in den Philippinen

Einen erheblichen Anteil an dieser traurigen Bilanz hatte auch Deutschland. Ein Drittel des illegalen Angebots bezog sich auf Elfenbein und den unterschiedlichen Produkten daraus. Dabei handelte es sich auch um Elfenbein, das von Walrossen, Zahnwalen oder Flusspferden stammt. Zudem waren in Deutschland vor allem lebende Reptilien wie geschützte Schildkröten, Echsen und Leguane sowie exotische Vögel oder verbotene Orchideenarten verkauft worden. Bei einem Großteil der Anzeigen fehlten die erforderlichen artenschutzrechtlichen Genehmigungen. So war es oft nicht möglich, ohne weitere aufwendige Prüfung die Legalität der Angebote einzuschätzen, teilte der IFAW mit.

Große Vorsicht beim Kauf

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Beate Jessel betont, dass beim Kauf von lebenden Tieren oder Elfenbein-Produkten extreme Vorsicht geboten ist. Einem Verkaufsangebot müsse immer ein Legalitätsnachweis beigefügt sein. Sie fordert im Kampf gegen den illegalen Artenhandel eine Selbstverpflichtung der Provider. Diese solle dafür sorgen, dass solche illegalen Tierarten gar nicht erst im Netz angeboten werden.

Bärengalle gegen Augenleiden

Kragenbär in einem Käfig in Hanoi.

Ein riesiger Markt für illegale Produkte ist China. So wird in Vietnam zum Beispiel Bärengalle produziert, die in China als traditionelles Heilmittel gegen Augen- und Leberbeschwerden gefragt ist. Dazu werden die Bären einzeln in Käfigen gehalten. Den lebenden Bären wird der Gallensaft über einen Katheder entnommen. Der Handel mit diesem Produkt ist nicht erlaubt.

"Der illegale Handel ist ein Riesenproblem. Wir haben es mit immer gefährlicheren Gegnern zu tun: Immer öfter sind organisierte Banden am Werk und Militärmilizen."

John Scanlon, Generalsekretär des Cites-Sekretariats

Schlüsselländer im illegalen Tierhandel: China und Thailand

In Hongkong konfisziertes Elfenbein von der Elfenbeinküste.

Einer Studie der veterinär-medizinischen Fakultät der University of Pennsylvania im Juni 2015 zufolge, sind vor allem China und Thailand in das Handelsnetzwerk von illegalen Tieren und Tierteilen verstrickt. Die Untersuchung basiert auf einer Netzwerkanalyse einer neuen Datenbank zum illegalen Handel mit Wildtieren. Dabei filterten die Forscher die Schlüsselländer heraus, über die der Handel hauptsächlich abgewickelt wird. Sie analysierten internationale Lieferungen, die Teile von Elefanten (232 Lieferungen), Nashörnern (165) und Tigern (108) im Zeitraum von August 2010 bis Dezember 2013 enthielten.

Keine Abnehmer – kein illegaler Handel

2013 am Frankfurter Flughafen sichergestellte Nashorn-Hörner

Neben China und Thailand sind am illegalen Handel von Elefanten vor allem auch Kenia, Vietnam und die USA beteiligt. Bei Nashörnern sind es Südafrika, Vietnam, Großbritannien und Mosambik; bei Tigern Indien, Laos, Myanmar und Südafrika. Würden diese Länder aus dem illegalen Handelsnetzwerken isoliert, so die Studie, würden rund 90 Prozent der Lieferungen von Elefanten und Nashörnern und sogar 98 Prozent der Tigersendungen ihr Ziel nicht mehr erreichen. Die Studie des Teams um Nikkita Patel will helfen, bessere Strategien zur Bekämpfung des illegalen Tierhandels zu entwickeln.

Abschusszahlen nehmen zu

In welchem Maße gerade geschützte Tierarten gejagt und getötet werden, ist erschreckend. Der Grund dafür sind die Preise, die für diese Beute bezahlt wird. So gibt es vermutlich nur noch 3.000 frei lebende Tiger, vor zehn Jahren waren es noch geschätzte 5.000. Allein im Jahr 2012 wurden in Südafrika 668 Nashörner von Wilderern getötet, doppelt so viele wie 2010. 1998 hatte die Naturschutzunion IUCN 169 Säugetiere auf der Liste der akut gefährdeten Arten, 2013 waren es 196. Bei Reptilien sind aus 41 mittlerweile 144 gefährdete Arten geworden, bei Amphibien waren es 18, jetzt sind es 509.

Ohne Abkommen – keine Regulierung

Auch wenn diese Zahlen auf den ersten Blick nicht für den Erfolg des Abkommens sprechen, so ist sich der Generalsekretär des Cites-Sekretariats, John Scanlon, sicher, dass der Handel mit wilden Tieren und Pflanzen ohne Abkommen völlig unreguliert und damit noch viel schlimmer für die bedrohten Arten wäre. Immerhin haben sich die Unterzeichner des Abkommens dazu verpflichtet, den Artenschutz national durchzusetzen. Wer das nicht tut, wird bestraft und kann vom lukrativen Geschäft mit den erlaubten Wildtierprodukten ausgeschlossen werden. Und das sind laut Scanlon jährlich rund 224 Milliarden Euro.


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