Usutu-Virus Amselsterben
Das für Vögel tödliche Usutu-Virus breitet sich weiter aus. Allein in Rheinland-Pfalz wurden im Juli täglich bis zu zehn infizierte tote Amseln entdeckt. Laut einer Berechnung des NABU fielen allein im Jahr 2011 300.000 Amseln dem Virus zum Opfer.
In Südwestdeutschland sterben wieder massenhaft Amseln am Usutu-Virus. In der Umgebung von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz werden mittlerweile täglich bis zu zehn tote Amseln entdeckt, sagte Norbert Becker von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage am Oberrhein (KABS) in Waldsee. Schon im Sommer 2011 löste das Usutu-Virus im Dreiländereck von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg ein Massensterben von Amseln und anderen Vögeln aus.
2011: 300.000 Amseln fielen dem Virus zum Opfer
Vogelexperten des NABU haben erstmals berechnet, wie sich das Usutu-Virus auf den Amselbestand in Deutschland ausgewirkt hat. Dazu werteten sie Daten der Vogelzählaktionen "Stunde der Gartenvögel" und "Stunde der Wintervögel" aus. Das Ergebnis: 2011 fielen dem Virus rund 300.000 Amseln zum Opfer. Außerdem zeigten die Zahlen, dass das Risiko für Amseln in bestimmten Regionen groß sei, bundesweit den Bestand aber nicht gefährde, so NABU-Geschäftsführer Leif Miller. Das Ausbruchsgebiet habe sich im Sommer 2012 leicht ausgebreitet und umfasse nun die Rheinebene von Freiburg bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau.
"Die Ausbreitung des Virus sollte allerdings kein Grund zur Panik sein. Wir können davon ausgehen, dass die Amseln zunehmend resistent gegen den Erreger werden. In den befallenen Regionen sollten ähnliche Massensterben von Jahr zu Jahr weniger extrem ausfallen."
Lars Lachmann, NABU-Vogelexperte
Infektion beim Menschen nachgewiesen
Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg haben darüber hinaus auch eine erste Usutu-Infektion beim Menschen nachweisen können. Dazu wurden 4.200 Blutspender aus der Rhein-Neckar-Region auf Antikörper gegen das Virus getestet. Ein Patient aus Hessen war demnach offensichtlich wenige Monate zuvor daran erkrankt, wurde aber nicht behandelt. Usutu-Infektionen werden häufig übersehen, sie verlaufen beim Menschen darüber hinaus meist harmlos. Die Symptome ähneln denen einer Sommergrippe: Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge sind die häufigsten. In seltenen Fällen können die Viren aber auch Gehirninfektionen hervorrufen, dabei sind immungeschwächte Menschen besonders gefährdet. Der erste Fall eines an Usutu-Fieber erkrankten Menschen in Europa wurde im Herbst 2009 in Italien bekannt.
Einwanderer aus Südafrika
Das tropische Usutu-Virus kommt ursprünglich aus Afrika und wird von bestimmten Stechmücken (Culex neavei) auf Wildvögel, besonders Singvögel und Eulen, übertragen. Es ist ein entfernter Verwandter des West-Nil-Virus. Das Virus befällt in erster Linie Vögel, weil die Stechmücke Culex neavei eigentlich nur Blut von Vögeln saugt und dabei den tödlichen Erreger überträgt. Erstmals in Europa nachgewiesen wurde das Usutu-Virus im Jahr 2001 in Wien. Seitdem konnte das Virus auch an anderen Orten in Österreich sowie in Süddeutschland, Ungarn und der Schweiz in Vögeln entdeckt werden. Weil die Stechmücken hin und wieder auch Säugetiere stechen, kann sich das Virus auch auf den Menschen übertragen.
Auffällige Vögel melden!
Im April dieses Jahres hatte ein Expertenteam die Bevölkerung dazu aufgerufen, tote Vögel zu melden. Dadurch ließ sich der Usutu-Virus-Ausbruch geografisch genau eingrenzen. Der aktuelle Ausbruch bietet laut BNI die einmalige Chance, in Deutschland die komplexen Interaktionen zwischen Viren, Stechmücken und Vögeln zu untersuchen. Deshalb sollen wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger möglicherweise infizierte Vögel weiterhin melden und tote Exemplare möglichst früh an das BNI, die KABS oder ein örtliches Veterinäramt schicken.
Melden und Einsenden toter Vögel
Woran erkenne ich betroffene Vögel?
Mit dem Usutu-Virus infizierte Vögel zeigen typische Verhaltensauffälligkeiten: Apathie, keine Fluchtreaktion, unkoordinierte Bewegungen und haben ein zerzaustes Federkleid.
Auffälligen toten Vogel gefunden?
Tote Vögel nicht vergraben oder mit dem Hausmüll entsorgen, sondern einschicken.
Selbstschutz
Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögeln ausgeht, sollten Handschuhe oder umgestülpte Plastiktüten verwendet werden, wenn der tote Vogel aufgehoben wird.
Per Post einschicken
Vögel mit einem Kühlakku, gut gepolstert und wasserdicht verpackt an eine der folgenden Adressen schicken. Im Sommer bietet es sich auch an, das Päckchen mit Styropor zu umhüllen. Einsender sollten auf der Verpackung den Schriftzug "Freigestellte veterinärmedizinische Probe" anbringen.
Adressen
BNI
Dr. Jonas Schmidt-Chanasit
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Telefon: 040 42818-959
Adressen
KABS
Dr. Norbert Becker
KABS e.V.
Rathaus Waldsee
Ludwigstr. 99
67165 Waldsee
06236 4186-0
Hygienetipp
Zwischendurch und natürlich anschließend Hände waschen nicht vergessen!
Sonstige Infos
Die Kosten für den Versand werden nicht erstattet. Bei Einsendungen, die erst am Wochenende ankommen werden, auf jeden Fall vorher anrufen. Man kann auffällige tote Vögel übrigens auch beim Amtstierarzt melden.
Die wichtigste Strategie im Kampf gegen das Virus ist die Bekämpfung der Stechmücke selbst. Denn es besteht das Risiko, dass das Virus langfristig auch Stechmücken befällt, die typischerweise Menschen stechen. Dann würde das Virus vielleicht auch für uns zu einer echten Gefahr.
Kampf den Mücken
Wo kein stehendes Wasser, da keine Mücke
Unnötige Wasseransammlungen in Eimern, unbenutzten Blumenvasen oder Altreifen, die sich mit Regenwasser füllen können, sollten ausgeschüttet werden. Denn dort können sich viele hundert Mückenlarven entwickeln, auch von ganz "normalen" Stechmücken.
Brutplätze behandeln
Wasseransammlungen, die nicht beseitigt werden können (z.B. Regenfässer, Gullys oder Jauchegruben), sollten mit dem biologischen Culinex-Bti-Gift behandelt werden. Es enthält das Eiweiß des Bacillus thuringiensis israelensis, das nur die Mückenlarven abtötet. Anderen Tieren und auch Menschen macht das Gift nichts aus.
In Österreich sind mittlerweile die Zahlen erkrankter Vögel rückläufig. Das liegt nach Meinung von Expterten wohl daran, dass die Vögel dort seit dem Jahr 2001 dem Virus ausgesetzt sind und eine gewisse Immunität entwickelt haben. Ob das in Deutschland auch passieren wird, muss sich erst noch zeigen.

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