Wissen


99

Warum folgt der Appetit dem Alkohol?

Stand: 21.02.2017

Warum bekommt man Heißhunger, wenn man zu viel getrunken hat? | Bild: colourbox/BR/Angela Smets

In der Schule lernen wir die kompliziertesten Formeln, aber wer erklärt uns die kleinen, alltäglichen Dinge? Warum ist die Banane krumm? Wieso ist Wasser nass? - Oft genug fällt selbst Wissenschaftlern die Antwort schwer. Wir haben ein paar der kniffligsten Fragen und überraschendsten Antworten zusammen gestellt. Auch für die Rätsel des Alltags gilt: Wer nicht fragt, bleibt dumm ...

Warum folgt dem Rausch der Heißhunger?

Fressattacken im Suff

Betrunkene essen gerne viel und deftig. Der Heißhunger nach einem Gelage ist aber eigentlich paradox, denn Alkohol hat bekanntlich viele Kalorien. Also müssten Bier, Wein und Schnaps ja sättigen. Stattdessen bekommen viele aber starke Essensgelüste, haben sie erheblich über den Durst getrunken. Neurobiologen haben nun herausgefunden, was die Fressattacke im Suff verursacht.

Betrunkene Mäuse

Denis Burdakov und seine Kollegen vom Franics Crick Institute in London haben 2017 für eine Studie Labormäuse so alkoholisiert, wie Menschen an einem durchzechten Wochenende: Sie haben den Mäusen in entsprechenden Abständen entsprechende Dosen Alkohol verabreicht, bis sie entsprechend betrunken waren. Daraufhin fraßen diese Mäuse viel mehr als die nüchternen aus einer Vergleichsgruppe.

Steuerung im Hirn

Während die betrunkenen Mäuse sich vollfutterten, waren in ihrem Hypothalamus die sogenannten Agouti-related-Proteine-Neuronen, kurz AgRP-Neuronen, aktiv. Diese Neuronen steuern und regulieren den Appetit – und zwar nicht nur den der Mäuse, sondern auch den der Menschen. Normalerweise werden sie aktiv, wenn der Blutzucker fällt oder nichts im Magen ist. Dann kommt ein Hungergefühl auf.

Mensch wie Maus

Burdakov fand nun heraus, dass diese AgRP-Zellen auch durch Alkohol angeregt werden, wobei es völlig unerheblich ist, ob die Kalorienbilanz positiv ist oder nicht. Bisher ist dieses Phänomen nur im Gehirn von betrunkenen Mäusen nachgewiesen – die Forscher gehen aber davon aus, dass sich Ähnliches im Gehirn von betrunkenen Menschen abspielt und deshalb auf den Rausch der Heißhunger folgt.

Wie riecht der Frühling?

"Italienischer Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen"

"Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert", schrieb der Italiener Giovanni Maria Farina im Jahre 1708 aus Köln. Wichtigster Inhaltsstoff dieses Duftes war Bergamotte, eine durch Kreuzung entstandene Zitrusart. Farina kreierte damit das erste Markenparfüm der Geschichte und den erfolgreichsten Duft des 18. Jahrhunderts: das Eau de Cologne.

Zitrone, Bergnarzisse, Veilchen

Für Farina entsprach der Frühling dem Duft der blühenden Pflanzen seiner norditalienischen Heimat: Zitrone, Bergnarzisse, Veilchen. Seine Großmutter hatte ihn schon als Kind damit vertraut gemacht. Und so geht es im Grunde allen Menschen: Der Duft des Frühlings ist für sie das, was ihnen als Kind zu dieser Jahreszeit in die Nase gestiegen ist. Egal, was es war.

Gelernt, nicht geerbt

"Den Frühlingsduft haben die Menschen nicht in den Genen, sondern sie haben ihn erlernt, indem sie jedes Jahr, wenn's Frühling wird, einen bestimmten Duft wahrnehmen", erklärt der Duftforscher Hanns Hatt von der Ruhruniversität Bochum. "Dieser Duft wird verknüpft mit der Aussicht auf Frühling, auf Wärme. Das geschieht schon in der Kindheit."

Globalisierte Frühlingsgefühle

In Deutschland sind es oft bestimmte Blumen, die mit dem Frühling assoziiert werden, weil man sich zu dieser Zeit einen Strauß davon auf den Tisch stellt. "Dabei verbinden wir mit dem Frühling viele Pflanzen, die ursprünglich überhaupt nicht bei uns heimisch waren", erläutert die Biologin Gesche Hohlstein vom Botanischen Garten Berlin. So stammt die Hyazinthe aus Zentralasien - ebenso wie die wohl populärste Frühlingsblume, die Tulpe. Sie gelangte im 16. Jahrhundert über die Türkei nach Deutschland - und dann erst in die Niederlande.

Warme Sonnenstrahlen auf frostigem Boden

Der erste Frühlingsduft unmittelbar nach dem Ende des Winters im März stammt allerdings noch gar nicht von blühenden Veilchen, Narzissen oder Flieder. "Der erste Frühlingsduft beginnt viel früher", sagt Professor Hatt. "Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den kalten, vielleicht noch gefrorenen Boden treffen, dann wird durch die Wärme Wasser freigesetzt, und die Moose und verrotteten Blätter und all diese Dinge geben aufgrund der höheren Temperatur ihre Duftstoffe in die Luft ab und werden mit dem Wasserdampf hochgerissen in unsere Nase."

Geruch von Moder und Scheuermittel

Das Ergebnis: fauliger Modergeruch! Eigentlich alles andere als angenehm, wie Hatt einräumen muss: "Dieser erste Frühlingsgeruch, wenn man so merkt: 'Ah, jetzt liegt der Frühling in der Luft!', der ist eigentlich gar nicht so toll." Weil das Gehirn die Information aus der Nase aber sofort mit einer angenehmen Erinnerung verknüpft, wird es doch als etwas Positives empfunden. Das kann auch für alle möglichen anderen Gerüche gelten. Wenn Mutter früher bei den ersten Sonnenstrahlen immer den großen Frühjahrsputz gemacht hat, dann kann der Geruch scharfer Scheuermittel ein Leben lang romantische Frühlingsgefühle wecken.

Manchen stinkt der Frühling

Umgekehrt gilt das allerdings auch: Wer die schöne Jahreszeit fürchtet, weil er zum Beispiel Pollenallergiker ist - mit anderen Worten: Wer den Frühling nicht riechen kann - für den duftet er nicht. Er stinkt. Und zwar durchgängig.

Woher weiß die Natur, dass es Frühling ist?

Kalender im Krautgarten?

Uns Menschen reicht ein Blick auf den Kalender und es ist klar: Mitte März ist Frühlingsanfang. Doch woher weiß die Natur, dass es so weit ist?

Kürzere Nächte bringen Pflanzen zum Blühen

Aufs Licht kommt es an - zumindest bei Pflanzen. Die können nämlich mit speziellen Rezeptoren messen, ob die Nächte kürzer werden. Und je länger das Tageslicht auf die Pflanzen scheint, desto mehr Botenstoffe und Hormone werden produziert, die dafür sorgen, dass Pflanzen blühen.

Dem Tode nahe

Siebenschläfer, Igel, Fledermaus und Murmeltier sind typische Winterschläfer. Das heißt, sie fahren im Winter ihren Organismus extrem herunter, ihre Körpertemperatur sinkt ab und auch die Atmung geht zurück. Dabei sparen sie enorm Energie. Im Winterschlaf sind die Tiere dem Tod näher als dem Leben - bewegungslos verbringen sie die Wintermonate, ausgekühlt und erstarrt in einer geschützten Schlafhöhle.

Rückkehr ins Leben

Woher die schlafenden Tiere wissen, dass es Zeit ist, aufzuwachen, gehört noch zu den ungelösten Geheimnissen. Vielleicht sammeln sich über den Winter Stoffwechselprodukte im Körper an oder die steigenden Temperaturen wecken die Tiere auf. Eine volle Blase ist aber sicher nicht der Grund. Das Aufwachen dauert auf jeden Fall mehrere Stunden: Zuerst wird im Körper Fettgewebe verfeuert. Ab einer Körpertemperatur von etwa 15 Grad kommt das Muskelzittern dazu, damit die Tiere möglichst schnell wieder auf Betriebstemperatur kommen.

Auf nach Norden!

Zugvögel haben eine innere Uhr - sie richten sich kaum nach Tageslänge oder Temperatur, wenn sie zurück in den Norden fliegen. Sie ergreift die sogenannte "Zugunruhe" - sogar Singvögel, die in Käfigen gehalten werden, werden von ihr ergriffen. Flugrichtung und Flugdauer sind bei Zugvögeln genetisch festgelegt. Darum kann auch der Klimawandel für die Vögel ein Problem werden, wenn die sich nur nach ihrer inneren Uhr richten - aber die Jahreszeiten durch die Erderwärmung durcheinanderkommen.

Warum singen Vögel im Frühjahr?

Morgendämmerung macht Vögel wach

Seit Frühlingsbeginn hört man sie wieder: Amsel, Drossel, Fink und Star. Manche sind aus Afrika zurück, andere haben hier überwintert - jedenfalls singen sie in aller Herrgottsfrühe wieder aus vollem Hals. Warum eigentlich?

Tierische Frühlingsgefühle

Es geht natürlich um Sex! Die Hormone der Vögel spielen verrückt, die Männchen stecken mit ihrem Gesang ihr Revier ab und betören die Weibchen, die sich dann ihren Favoriten aussuchen dürfen.

Ausdauernder Gesang beeindruckt

Was ist wichtig, um die Vogel-Weibchen zu beeindrucken? Laut ist immer gut, dazu kommen Häufigkeit und Dauer. Damit zeigen die Männchen, dass sie fit und perfekte Vogel-Papas sind. Hilfreich ist auch ein großes Repertoire, über mehrere Strophen sollte so ein Vogel-Liebeslied schon verfügen. Wer dann noch mit einer Tanzeinlage glänzen kann, der hat die Weibchen schon fast um den Finger gewickelt - wenn noch das auffällige Federkleid passt. Denn all das sind Zeichen für eine gute Gesundheit. Ein Vogelmännchen, das offensichtlich von Parasiten gequält wird, hat schlechte Karten bei den Weibchen.

Rotkehlchen

Männliche Rotkehlchen zeigen natürlich gerne ihre roten Federn an der Brust, aber beim Balztanz auch ihre zitternden Federn. Dabei neigen sie sich nach vorne - und zeigen so, dass sie das Weibchen verführen wollen.

Amsel

Die Amseln haben zwar kein auffälliges Federkleid, tanzen dafür für ihre Angebetete einen Tango. Die Schwanzfedern werden aufgefächert, die Flügel rhythmisch gehoben und gesenkt.

Meise

Meisen haben ein auffällig farbiges Federkleid, sie zeigen gerne ihre bunte Brust und schaukeln mit ihren Körpern hin und her. Dann stellt das Männchen die Schwanzfedern auf und trippelt laut singend zur Seite. Wenn das Weibchen um Futter bettelt, ist klar - ein Meisenpärchen hat sich gefunden.

Star

Richtig prächtig sieht auch das Starenmännchen während der Balzzeit aus: Sein metallisch-glänzendes Federkleid beeindruckt fast jedes Weibchen in seiner Nähe.

Fasan

Der Fasan bezaubert natürlich durch seine blauen Federn an Kopf und Hals und den roten Kinnlappen. Er hat Luftsäcke, damit zischt er die Weibchen an und vibriert mit seinen Schwanzfedern.

Spatz

Der Spatz oder Haussperling beeindruckt durch seinen schwarzen Brustfleck, seine helleren Wangen und den dunklen Scheitel. Er lockt seine Angebetete mit einem aufgeplusterten Federkleid und gibt sich ständig verändernde Tschilptöne von sich. Wenn er ein Weibchen von sich überzeugt hat, zeigt er ihr erstmal das fertige Nest. So eine Spatzen-Ehe hält übrigens ein ganzes Vogelleben lang.

Auch Weibchen singen

Übrigens - entgegen allgemeiner Annahme können auch Weibchen Lieder singen und piepsen nicht nur vor sich hin. Zum Beispiel bei den Rotkehlchen, denn die sind keine Zugvögel und verteidigen auch im Winter ein Revier, Männchen wie Weibchen. Bei fast allen tropischen Vögeln ist das genauso.

Was hat es mit der Frühjahrsmüdigkeit auf sich?

Gähnender Gruß an die Sonne

Kaum erwachen die Tiere aus dem Winterschlaf, fangen wir Menschen ab März das Gähnen an. Doch was ist das eigentlich, Frühjahrsmüdigkeit?

Aufwachen nach dem "kleinen Winterschlaf"

So ganz genau ist die Frühjahrsmüdigkeit noch nicht erforscht, aber eines ist klar: Sie kommt nur in den geografischen Lagen vor, in denen es einen großen Unterschied in der Tageslänge von Winter und Sommer gibt. Wahrscheinlich hat das Ganze damit zu tun, dass sich unser Körper langsam vom Wintermodus auf den Sommermodus umstellt. Mit den längeren Tagen wird unser Hormonhaushalt durcheinandergewirbelt und manchmal springt der zurück von "Sommer" auf "Winter" - das macht müde.

Auch Tiere sind frühjahrsmüde

Übrigens können auch Tiere frühjahrsmüde sein: Hundebesitzer und Zoodirektoren beobachten zwischen März und April vermehrt gähnende Vierbeiner.

Fragen des Alltags "Wespen auf Muffin" | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR zum Artikel Alltagswissen Rätsel rund um Tiere

Warum werden Wespen immer wepsiger? Haben's Ohrenkneifer wirklich auf Ihre Ohren abgesehen? Wer war zuerst da - Henne oder Ei? Wieviel PS hat ein Pferd? Fragen über Fragen - wir haben die Antworten für Sie! [mehr]

Welkes Blatt | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Alltagswissen Rätselhaftes in der Natur

Woher weiß die Natur, dass es Frühling ist? Darf man wirklich nicht bei Sonnenschein Pflanzen gießen? Warum heißt es eigentlich "Altweibersommer"? Fragen des Alltags, auf die sich eine Antwort findet ... [mehr]

Frau putzt sich die Nase und hält sich die Hand an die Stirn | Bild: colourbox.com; Montage: BR zum Artikel Alltagswissen Rund um das Rätsel Mensch

Haben Erkältungen eigentlich einen Sinn? Warum befällt Betrunkene der Heißhunger? Wie riecht der Frühling, wenn er kommt? Was ist die gefühlte Temperatur? Fragen über Fragen – zu denen wir die Antworten haben. [mehr]

Mann steht im Regen | Bild: BR/colourbox.com zum Artikel Alltagswissen Fragen rund ums Wetter

Wird man weniger nass, wenn man schneller durch den Regen läuft? Wo ist das Ende des Regenbogens? Treffen Blitze auch Taucher? Wieso friert der Lieblingssee nicht zu? Warum knirscht Schnee? Wir haben die Antworten. [mehr]

Fragen des Alltags "Fruchtfleige" | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR zum Artikel Alltagswissen Rätselhaftes auf dem Tisch

Was täglich auf unserem Tisch steht, gibt uns Rätsel auf: Wieso korkt der Wein trotz Schraubverschluss? Weshalb kocht Milch so schnell über? Warum gibt es weiße und braune Eier? Und die Frage aller Fragen: Warum ist die Banane krumm? [mehr]

tomate mit fragezeichen | Bild: colourbox.com, Montage: BR zum Artikel Alltagswissen Rätsel des Haushalts

Wohin verschwinden die Socken in der Waschmaschine? Wir haben das Rätsel gelöst! Und wir wissen auch, woher die Zahnpasta ihre Streifen bekommt und wieso der Duschvorhang immer an einem selbst klebt, Kleber aber nie in der Tube. [mehr]

Tastatur und Fragezeichen | Bild: colourbox.com, BR; Montage: BR zum Artikel Alltagswissen Rätselhafte Technik

Verd...te Tastatur! Wieso sind aber auch die Buchstaben derart blöd verteilt? Wir haben die Antwort. Und haben auch gleich nachgeforscht, wo eigentlich das @ herkommt. Und wieso die 1 mal hier, mal dort ist. [mehr]

Fragen des Alltags: Himmel und Erde | Bild: colourbox.com zum Artikel Alltagswissen Rätsel rund um Himmel & Erde

Ist überall gleichzeitig Vollmond? Und warum ist der überhaupt manchmal so riesig? Warum ist der Himmel nachts schwarz, aber tagsüber blau? Und woher kommt das Abendrot? Himmlische Fragen, irdische Antworten ... [mehr]

Sendungsinfo

Redensarten

Ein Mops in einer Pfanne | Bild: Illustration: BR zum Thema Redensarten Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Wer ist eigentlich der liebe Scholli? Oder Hinz und Kunz? Und welcher Hund wurde in der Pfanne verrückt? Lernen Sie die Pappenheimer samt ihrer Herkunft kennen - in unserem Redensarten-Fundus. [mehr]


99