Das Nildelta umzingelt von Wüste
Der Nil und sein Delta (an der grünen Farbe zu erkennen) sind die Lebensquelle des Landes, das zu 96 Prozent aus Wüste besteht. Immer mehr Menschen siedeln sich dort an. Der Müll, Süßwassermangel, Abwässer und die sich ausweitende Verwüstung des Landes sind dringende Probleme.
Deutsch-ägyptisches Projekt Bayerische Forscher forsten Wüste auf
96 Prozent Ägyptens bestehen aus Wüste. Immer mehr Menschen drängen auf immer weniger fruchtbares Land. Deshalb planen die Ägypter Wälder in der Wüste - und bayerische Forstexperten aus Weihenstephan helfen dabei!
Ägypten durchlebt derzeit nicht nur große politische Herausforderungen, auch ökologisch hat das Land am Nil mit vielen Problemen zu kämpfen: Über 84 Millionen Einwohner leben fast ausschließlich auf dem - im Vergleich zur Wüste - schmalen Grünstreifen im engen Niltal und im Delta, doch auch dieser fruchtbare Landstrich wird immer schmaler.
Die Zeit drängt!
Ackerflächen werden zu Bauland und Ägyptens Wüste weitet sich ständig aus. So gehen pro Jahr rund 12.000 Hektar fruchtbares Land durch Besiedelung verloren. Berge von Müll und Abwasser werden produziert - zu einem großen Teil landen sie im Fluss.
Wälder mitten in der Wüste
Alternative Lösungen sind gefragt und so fiel im Frühjahr 2012 der Startschuss für ein nachhaltiges Forschungsprojekt: Die Wüste soll bewaldet werden. In Kairo wurde die deutsch-ägyptische Forschungskooperation unterzeichnet, an dem bayerische Forstexperten der TU München aus Weihenstephan mitarbeiten und ihre ägypteischen Kollegen beraten.
Testflächen für das Wunder in der Wüste
Wüstengeschichten
120 Kilometer von Kairo entfernt liegen die Testwälder, die künstlich mit gereinigten Abwässern bewässert werden. Ohne künstliche Bewässerung würde in dieser kargen Sandwüste nichts wachsen. Doch Trinkwasser aus dem Nil in die Wüste zu pumpen wäre Verschwendung, zu aufwändig und zu teuer. So nutzt man das Wasser, das man dank 84 Millionen Einwohnern im Überfluss hat: Abwasser.
Dank des ganzjährigen Sonnenscheins wachsen die künstlich bewässerten Bäume sehr schnell: Innerhalb von acht Jahren misst eine Zypresse schon 15 Meter und ist rund 30 Zentimeter dick. Neben Zypressen werden auch Eukalyptus und Mahagoni angepflanzt und getestet. Am Boden der Testwälder gibt es viel organisches Material. Ein Meer von Blättern ist über dem Boden verstreut, kaum zersetzt. Die müssen entfernt, kompostiert und dann dem Boden wieder zugeführt werden.
Ziel: 500.000 Hektar Wald
Bisher gibt es 4.000 Hektar Testflächen - das entspricht dem Zehnfachen der Größe des Englischen Gartens. Doch in wenigen Jahren sollen auf 500.000 Hektar Wälder wachsen. Das entspräche der Waldfläche von ganz Sachsen. Ein ehrgeiziges Ziel, doch die nachhaltige Forstwirtschaft in Ägypten würde sich sicher lohnen, so Professor Reinhard Mosandl von der TU München: Das Klima wird damit geschützt, der Verwüstung wird vorgebaut und man könnte mit Edelhölzern wie Mahagoni auch durchaus Geld verdienen. Der Ägypter Hany El Kateb, der am Münchner Lehrstuhl für Waldbau tätig ist, erhofft sich von dem Projekt auch ein ökologisches Umdenken seiner Landsleute:
"Als ich Kind war, habe ich gelebt in einem Gebiet mit vielen Gärten, ist alles grün. Und jetzt sehen wir das alles überhaupt nicht. Da stehen einfach illegale Häuser. Wir brauchen die grüne Revolution in Ägypten"
. Dr. Hany El Kateb, TU München, Lehrstuhl für Waldbau

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