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Bayern-Power für Olympia Eishockey-Profi Timo Pielmeier

Lässig, aber auch extrem ehrgeizig - so beschreiben seine Teamkollegen Eishockey-Keeper Timo Pielmeier. Der 28-jährige Niederbayer, der für den ERC Ingolstadt spielt, will auch in Pyeongchang das Bestmögliche erreichen.

Stand: 14.02.2018

Timo Pielmeier, Eishockey-Nationaltorwart, Deggendorf | Bild: picture-alliance/dpa

Timo Pielmeier ist in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Erscheinung im deutschen Eishockey. Schon rein optisch. Surfertyp, lange braune Mähne, Rauschebart. Und, so sagt sein Nationalmannschaftskollege Patrick Hager: "So lässig wie er nach außen wirkt, so ist er auch in der Mannschaft. Immer für einen Spaß zu haben. Aber wenn es dann Richtung Spiel geht entwickelt er einen unheimlichen Ehrgeiz."

"Eishockey-Gen" vom Vater geerbt

Das stimmt im Prinzip, lacht Pielmeier, der als Bub in Deggendorf auch mal Fußball ausprobierte: "Aber das hatte nichts mit Fußball zu tun, was ich da gemacht hab auf dem Feld", sagt er. "Ich wusste nicht mal was ein Sechzehner ist." Vom Eishockey hatte er dagegen schon jede Menge Ahnung, denn zum einen ist Deggendorf eine Eishockeystadt. Zum anderen hat Pielmeiers Vater früher selbst gespielt - für Straubing, Regensburg und Deggendorf. "Dann hat mein Bruder angefangen. Ich musste dann ins Tor, denn er hat einen zum Draufschießen gebraucht", erinnert sich der Goalie.

Bruder Thomas schaffte es später in die DEL, der Kleine im Tor noch weiter. Mit 14 verließ Timo Deggendorf erst Richtung Mannheim und Köln, später Richtung Nordamerika. Sogar ein Spiel in der NHL, der besten Liga der Welt, steht für ihn zu Buche. Dumm nur: von zwölf Schüssen auf sein Tor waren fünf drin. Die Karriere bei Anaheim war früher zu Ende als erhofft.

Über Anaheim und Landshut nach Ingolstadt

Timo Pielmeier im Trikot des ERC Ingolstadt

Aber: Heute top, morgen Flop. Das macht einen nur stärker. Über den Umweg Landshut ging's dann nach Ingolstadt. Und dort wurde Pielmeier, den alle nur "Pille" rufen, nicht nur zum Meistertorwart, sondern zu einem der Besten europaweit. Mannschaftskollege Laurin Braun findet: "Seine größte Stärke ist, dass er enorm ruhig ist. Er wartet wirklich ewig, bis er runtergeht, wenn der Stürmer da ist. Und dann hat er ihn auch meistens."

Der absolute Wille ist es, der Pielmeier auszeichnet. Geprägt hat ihn da sein Vater. "Mein Vater hat immer gesagt: Du darfst ein Ei kassieren. Aber dann musst Du weiterspielen. Das unterscheidet einen guten von einem durchschnittlichen Goalie." Und auch das Benehmen auf und neben dem Eis war Papa Pielmeier sehr wichtig. Ausflippen gibt’s nicht! "Als junger Nachwuchstorwart schaut man schon mal den Großen zu. Da hab ich einmal gesehen, dass da einer seinen Schläger zusammengehauen hat. Das hab ich dann auch gemacht. Dann musste ich mir wochenlang anhören, wie teuer so ein Schläger ist."

Besondere Kennzeichen: Ehrgeiz und Heimatliebe

Ein Erlebnis, das den Hobbysurfer geerdet hat. Ein netter Typ, zielstrebig, fokussiert. Und vor allem verliebt in seine Heimat: "Ich könnte mir nie vorstellen, von Deggendorf wegzugehen. Ich mach' das jetzt beruflich, aber ich habe schon vor, hier nach der Karriere mein Leben aufzubauen."

Daheim findet er die Ruhe die er braucht. Zum Beispiel beim Jonglieren. Das hilft ihm, an der Konzentration im Kasten zu feilen. Extra für Olympia hat er sogar etwas in seinem Leben verändert. "Ich verzichte jetzt seit einigen Wochen komplett auf tierische Produkte wie Milch und Fleisch. Ich fühl mich besser seitdem." Und fit vor Olympia. Der Traum: Eine Medaille. Und auch die wäre fürs deutsche Team eine außergewöhnliche Erscheinung.


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