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Hans-Joachim Stuck zum 65. Der Neujahrs-"Strietzel"

Hans-Joachim Stuck verkörpert den bayerischen Motorsport wie kein Zweiter. Mit den Genen des Vaters ausgestattet, erfährt er sich eine Karriere mit Triumphen und Niederlagen. An Neujahr wurde der Garmisch-Partenkirchener 65 Jahre.

Stand: 01.01.2016

Rennfahrer Hans-Joachim Stuck posiert am Samstag (08.09.2012) bei den Schloss Bensberg Classics 2012 in Bergisch Gladbach in einem Porsche 356 B Hardtop-Coupe von 1961. | Bild: picture-alliance/dpa

Seinen Spitznamen "Strietzel" erhält Hans-Joachim Stuck bereits bei der Taufe. Taufpatin Tante Emmi findet die Ähnlichkeit des Jungen mit eben diesem Hefegebäck verblüffend. Stuck selbst nimmt's heute mit Humor: "Ich sah halt schon früh ziemlich komisch aus". Dem fahrerischen Talent soll die frühkindliche Optik offenbar keinen Abbruch tun.

Dem Vater nacheifernd

Hans Stuck alias der "Bergkönig"

Vater Hans verschafft seinem Sohn früh eine eigene Rennstrecke auf einem Holzlagerplatz in der Nähe des Elternhauses in Garmisch-Partenkirchen. Dort dreht Hans-Joachim schon als Neunjähriger in einem BMW-600 ohne Karosserie seine ersten Runden und lässt erkennen: Das Talent bekam er vom Vater in die Wiege gelegt, der in den 1930er Jahren das Steuer der Auto-Union-Silberpfeile hütete. Hans Stuck erfährt sich mit zahlreichen Erfolgen auf hügeligen Schotterpisten den Titel des "Bergkönigs" - und trägt den Nachnamen in die Welt hinaus.

Vater und Sohn verbindet - nicht nur optisch und physiogonomisch - früh eine enge Beziehung, steht doch der Rennsport immer an erster Stelle. Beide stehen später für einen wilden Fahrstil, der das Publikum stets in seinen Bann zu ziehen weiß.

Karriere mit Höhen und Tiefen

Mit 19 Jahren gewinnt Hans-Joachim 1970 das erstmals stattfindende 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Ein Jahr darauf wird Stuck Werksfahrer für BMW bei der Tourenwagen-Europameisterschaft. Auch auf das Eis der Formel 2 wagt er sich, wo der Helm mit den weißen Sternen um das Visier zu seinem Markenzeichen gerät. Trotz des steilen Aufstiegs: Die Karriere des Hans-Joachim Stuck ist kein reines Glanz-und-Gloria-Märchen, den Triumphen stehen auch zahlreiche Tiefpunkte gegenüber.

Formel 1 mit einschneidendem Erlebnis

Stucks Karriere: wandelnd zwischen Genie und Wahnsinn

Zwischen 1974 bis 1979 rast Stuck in der Motor-Elite Formel 1 lediglich zweimal auf das Podest. Was in der Zeit überwiegt, sind: Unfälle, Pech und Pannen. Und dennoch: Stuck dankt noch heute Himmel und Schutzengel dafür, im Hier und Jetzt weilen zu dürfen, fuhr doch der Tod bei den damaligen Sicherheitsstandards immer mit. Ihm ein besonders einschneidendes Erlebnis bleibt der Horror-Unfalls Niki Laudas 1976 auf der Nordschleife. Lauda überlebt, wenngleich gezeichnet von schweren Brandwunden. Als einer der ersten an der Unglücksstelle koordiniert Stuck die Rettungsaktion des Österreichers mit.

Ein Lebenskünstler mit Hang zur Lässigkeit

Hans-Joachim Stuck weiß die schönen Seiten des Lebens zu schätzen

Der Ernst des Rennsports ist Stuck also sehr wohl bewusst, nichts desto trotz ist er als "Hallodri" bekannt. Ehrgeiz, Akribie und Perfektionismus sind nicht unbedingt seine Stärken. Viele behaupten, es sind diese Eigenschaften, die dem Lebenskünstler zur Vollendung seiner Karriere fehlen. Fressen die Kollegen Trainingskilometer im Auto, schmeißt sich Stuck schon einmal in den Ski-Anzug, um seinem Hobby zu frönen. Dem eigenen Ruhm schadet der in ihm verankerte Hang zur Lässigkeit aber nicht. Sein Abschied auf dem Nürburgring im Jahr 2011 gleicht einer Art von Heldenverehrung. Ein Rummel, der Stuck persönlich nicht ganz geheuer erscheint: "Ich hätte nie gedacht, dass ich so eine Fangemeinde habe. So wertvoll bin ich eigentlich gar nicht".

Familienerbe in guten Händen

Hans-Joachim Stuck mit Söhnen Johannes (2. v.l.) und Ferdinand (3. v.l.)

41 Jahre nach seinem ersten Sieg umkreist Stuck mit seinen Söhnen Ferdinand und Johannes im Team Stuck³ ein letztes Mal den Nürburgring - der "Strietzel" geht von Bord. Aber die Stucks wären nicht die Stucks, würde nicht auch deren nächste Generation den Weg in den Motorsport finden. "Mehr als zufrieden und stolz" zeigt sich der Vater über die Entwicklung seiner Sprösslinge, die selbst keinen Druck angesichts der Werdegänge von Papa und Opa empfinden: "Ich bin froh, dass ich das ein bisschen fortführen darf - hoffentlich erfolgreich" sagt Johannes. Der Vater hätte sicherlich nichts dagegen einzuwenden.


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