Sport - Fußball


11

Umstrittenes Registrierungssystem Keine FAN-ID - kein Zutritt zum Fußballspiel!

Beim Confed Cup in Russland benötigen Zuschauer eine Fan-ID. Dabei handelt es sich um einen Fanausweis, den nur der bekommt, der auch weitreichend Daten über sich preisgibt. ARD-Radio-Recherche Sport hat sich die Fan-ID mal genauer angesehen.

Von: Philipp Büchner, ARD-Radio-Recherche Sport

Stand: 27.06.2017

Fan-ID beim Confed Cup in Russland | Bild: imago/ITAR-TASS

"Komfort und Sicherheit“ verspricht der Herausgeber der Fan-ID. Und tatsächlich ermöglicht sie Besuchern des Confed Cups eine visumfreie Einreise nach Russland, sowie diverse Annnehmlichkeiten, z.B. kostenfreie Zugfahrten zwischen den Spielorten. Dementsprechend wird das Dokument als Erleichterung und Entgegenkommen angepriesen.

Doch im Gegenzug müssen Besucher des Turniers personenbezogene Daten preisgeben, die nicht einmal auf einem deutschen Personal-Ausweis zu finden sind. Neben Angaben zur Person werden auch Mailadresse und Mobilnummer abgefragt. Die Fan-ID ist sogar für russische Staatsbürger vorgeschrieben, genauso wie für Ausländer, die aus Ländern ohne Visumspflicht nach Russland reisen. Auch Kinder benötigen eine eigene Fan-ID. Verknüpft werden die Angaben zusätzlich mit Ticket-Nummern zu den Spielen. Gleichzeitig müssen die Zuschauer des Confederations Cups einem sehr freizügigen Umgang mit ihren Daten zustimmen, darunter auch Speicherung und Weitergabe. Mit diesen Datensätzen können vollständige Bewegungsprofile erstellt werden - solche Datenerhebungen sind besonders für Sponsoren interessant.

In Deutschland herrscht Erforderlichkeitsprinzip

Einen Datensatz dieser Qualität fragen hierzulande nicht einmal Sicherheitsbehörden ab. Denn in Deutschland gilt das Erfoderlichkeitsprinzip: Es dürfen ausschließlich Daten abgefragt werden, die für den jeweiligen Zweck auch nötig sind. Für den Besuch eines Fußballspiels ist z.B. eine Mobilfunknummer nicht notwendig.

"Die Smartphones sind eigentlich das beste Überwachungsgerät überhaupt, weil wir darüber Bewegungsbilder aufzeichnen können. Und das ist im Rahmen eines normalen Visumsantrags so nicht erforderlich."

Dirk Heckmann, Uni Passau

Die FIFA hat mit der Fan-ID offiziell nichts zu tun, sie wird im Auftrag des zuständigen Ministeriums von einem Privatanbieter in Russland herausgegeben. Wer die Spiele besuchen möchte, muss dem Unternehmen umfangreiche Rechte einräumen, darunter auch Speicherung und Weitergabe der Daten. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist bereits die nächste Fan-ID angekündigt. Zutritt zur WM also nur gegen Daten!


11

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

fussballfan, Dienstag, 27.Juni, 14:03 Uhr

9. ich find es gut

Liegt hier ein Regelverstoss vor , oder warum wird nichts veröffentlicht?

Bereits beim buchen des Fluges habe ich deutlich mehr Daten abgegeben.
Stichwort "Passenger Name Record (PNR)" bzw Fluggastdaten.
Eine solche Grossveranstaltung ist meiner Meinung nach ebenfalls ein Sicherheitsbereich.
Warum regt man sich nun darüber auf? Man muss ja nicht hin wenn man nicht will.

Wo liegt der Unterschied?
Der einzige den ich gefunden habe war: Es ist keine US-Privatfirma die diese Daten sammelt sondern eine russische die weniger Daten sammelt...

George Orwell 2017, Dienstag, 27.Juni, 13:22 Uhr

8. Boykott!

Olympia in China, Fußball in Russland und Katar, etc. Das erinnert alles fatal an die olympischen Spiele 1936, die vom NS-Regime zur Selbstdarstellung missbraucht wurden. Und ein paar Jahre später haben die Nazis die Welt in den Krieg gestürzt. Wie oft hat man in Deutschland schon gehört, dass sich das niemals wiederholen darf? Will man hier wieder tatenlos zusehen? Jeder weiß, dass bei der Vergabe dieser Ereignisse heute zudem überall Korruption im Spiel ist. Und jetzt stellt sich auch noch heraus, dass die Fans einer Totalüberwachung unterworfen werden sollen. Die einzige mögliche Konsequenz ist, dass demokratische Staaten diese zweifelhaften Sport-Großereignisse von korrupten Organisationen und totalitären Staaten boykottieren müssen! Das gilt für die Fans genauso wie für die Medien und die Sportlerinnen und Sportler selbst. Und von der Politik erwarte ich eine klare Ansage: So nicht!

Fussballfan, Dienstag, 27.Juni, 13:11 Uhr

7. Ich finds gut

Bereits beim buchen des Fluges habe ich deutlich mehr Daten abgegeben.
Stichwort "Passenger Name Record (PNR)" bzw Fluggastdaten.
Eine solche Grossveranstaltung ist meiner Meinung nach ebenfalls ein Sicherheitsbereich.
Warum regt man sich nun darüber auf? Man muss ja nicht hin wenn man nicht will.

Wo liegt der Unterschied?
Der einzige den ich gefunden habe war: Es ist keine US-Privatfirma die diese Daten sammelt sondern eine russische die weniger Daten sammelt...

Comparator, Dienstag, 27.Juni, 11:47 Uhr

6. Und die USA?

Wollen sogar gleich die zugehörigen Passworte für alle möglichen Accounts haben. In Asien wollte man SIM-Karten nur noch mit Ortungsfunktion an Ausländer abgeben. In Europa wird ab 2018 bei jedem Neuwagen e-Call mit Ortung und Überwachung verkauft.

Die dummen Bürger müssen besser unter Aufsicht gestellt werden. Irgendwoher muss ja Big-Data sein Futter bekommen.

Freak, Dienstag, 27.Juni, 11:36 Uhr

5. Höchste Zeit endlich die UPNRFID einzuführen

Mit der "Universal Personal Numbering Radio Frequency Identification" können eine große Zahl untersvhiedlichster Registrkerjngs- und Zahlungssysteme vereinfacht werden.
Nur in den Bus steigen, abgebucht wird automatisch. Im Supermarkt alles in den Einkaufswagen, bezahlt wird automatisch. Zugangskontrolle und Arbeitszeiterfassung, natürlich automatisch. Nachhausekommen, Alarmanlage deaktiviert sich automatisch, Licht, Kaffee, Bier und der Rest - na klar doch, automatisch.
Polizeikontrolle vollautomatisch.
Zugang zum Internet - deanonymisiert und automatisch. Bedarfsgerechte Werbung, zielgerichtet und perfekt abgestimmt, natürlich automatisch.
Vitalüberwachung und eindeutige Konnenktivität zur Liverescue Surveillance Unit, auch automatisch.

Wenn es dann doch mal, nicht ganz so perfekt funktioniert hat - der Leichenwagen kommt: You've got it - fully automatic :-)

Und das spart so sehr Personal, daß es kaum noch Konsumenten gibt, die sich den Automatismus leisten können :-(