Träume geplatzt
Für Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ein ganz bitterer Abend: Im Postpalast sollte eine große Sause gefeiert werden, statt dessen gabs nur trübe Diskussionen.
Das Finale von München Drogba entscheidet Elfmeterdrama
Der FC Bayern München hat sein "Finale dahoam" verloren. Nach einem hochdramatischen Spiel mit dem späten Ausgleich für die Gäste fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen. Den entscheidenden Strafstoß verwandelte Didier Drogba für den neuen Cupgewinner FC Chelsea.
Drama dahoam! Eine Hand hatten die Bayern schon am Pott, als Didier Drogba die Münchner aus allen Titelträumen riss. Mit seinem Ausgleich in der 89. Minute und dem entscheidenden Strafstoß im Elfmeterschießen machte der Stürmer von der Elfenbeinküste den ersten Erfolg für den FC Chelsea in der Champions League klar. Zuvor hatten in der Verlängerung Arjen Robben und im Elfmeterschießen Ivica Olic und Bastian Schweinsteiger insgesamt drei Elfer für die Bayern verschossen. Den Münchnern, die über weite Strecken des Spiels die klar bessere Mannschaft waren, bleibt nach der Vizemeisterschaft und dem verlorenen DFB-Pokalfinale erneut nur Silber und der Vizetitel.
Stimmen zum Finale
Chelsea-Trainer Roberto di Matteo
"Die Bayern haben ein sehr gutes Spiel gespielt und mehr Chancen gehabt. Aber wenn es zum Elfmeterschießen kommt, braucht man auch ein bisschen Glück, und das hatten wir heute auf unserer Seite. Wir werden jetzt richtig feiern heute Abend."
Bayern-Trainer Jupp Heynckes
"Wir haben einfach zu viele Chancen liegengelassen. Wir haben es nicht verstanden, unsere Chancen zu nutzen. Normalerweise kriegt man gegen eine Mannschaft wie den FC Chelsea nicht so viele Möglichkeiten. Wenn man in der 83. Minute in Führung geht, muss man das auch nach Hause bringen."
Bayern-Präsident Uli Hoeneß
"Es ist unglaublich. Wenn man in einem Spiel so viele Chancen hat, den Sack zuzumachen, dann muss man das auch tun. Deshalb haben wir dieses Spiel verloren."
Bayern-Torschütze Thomas Müller
"So ist Fußball. Das hat man in der Vergangenheit schon öfters gesehen, dass am Ende nicht immer der verdiente Sieger mit dem Pokal dasteht. Wir hätten das Spiel mehrfach für uns entscheiden können. Und im Elfmeterschießen, im Roulette, haben wir dann verloren. Das ist schwer in Worte zu fassen. Aber Fußball ist auch nicht alles."
Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger
"Es ist wie ein Alptraum. Wenn man sieht, wie wir gespielt haben. Schlimmer kann man sich so einen Verlauf nicht vorstellen. Wenn du so spät in Führung gehst, muss das eigentlich die Entscheidung sein. Das war es nicht. Das ist sehr frustrierend und schwer zu verkraften."
Bayern-Torwart Manuel Neuer
"Wir haben in dieser Saison dreimal Matchball gehabt und keinen genutzt. Die Enttäuschung ist sehr groß. Wenn man das Spiel gesehen hat, konnte man nicht damit rechnen, dass Chelsea als Sieger vom Platz geht."
Franz Beckenbauer
"Chelsea ist ein verdienter Sieger, weil die Bayern es selbst aus der Hand gegeben haben. Sie haben ihre Chancen nicht genutzt, ja auch im Spiel noch einen Elfmeter verschossen. Es sollte nicht sein heute, obwohl sie die bessere Mannschaft waren."
Bundestrainer Joachim Löw
"Ich gratuliere dem FC Bayern trotz der Niederlage zu einer klasse Champions-League-Saison. Die Münchner haben uns tolle Spiele beschert, besonders gegen Madrid. Gegen Chelsea waren sie die bessere Mannschaft in 120 Minuten und hatten die besseren Chancen. Fußball ist manchmal brutal. Natürlich sind wir jetzt alle erstmal enttäuscht und traurig."
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach
"Fußball ist einfach nicht gerecht. Unfassbar, was passiert ist. Da kriegt Chelsea in der 88. Minute die erste Ecke, und dann fällt das Tor. So ein Spiel wie heute - da fehlen mir die Worte. Unfassbar. Es wäre so schön für den deutschen Fußball gewesen."
Oliver Bierhoff
"Das war eine bittere Niederlage für die Bayern. Vom Spielverlauf her hätten sie klar gewinnen müssen. Beim Elfmeterschießen kann immer alles passieren. Wir werden die Jungs wieder aufbauen. Mit uns können sie noch einen Titel gewinnen."
DFB-Sportdirektor Matthias Sammer
"Die Art und Weise, dass das einen Titel bringt, ist ungerecht."
Stefan Effenberg (Kapitän beim letzten CL-Triumph 2001)
"Das ist eine ganz, ganz bittere Niederlage, die richtig weh tut. Aber sie haben es sich auch selbst ein bisschen zuzuschreiben. Sie haben in den 90 Minuten viel zu viel liegen lassen."
Ministerpräsident Horst Seehofer
"Ich bin fix und foxi. Fußball ist grausam."
Bundeskanzlerin Angela Merkel
"Bayern hat über weite Strecken ein tolles Spiel geliefert. Wie viele andere war ich wirklich traurig, dass es am Ende so knapp nicht gereicht hat."
The Sun, englisches Boulevardblatt
"Didi did it! Endlich hat ein englisches Team ein deutsches im Elfmeterschießen besiegt"
Bayern legen los wie die Feuerwehr
Wacher, präsenter, motivierter gingen in den ersten Minuten die Bayern zu Werke, bei denen wie erwartet Thomas Müller, Anatolij Timoschtschuk und Diego Contento anstelle der gesperrten drei Stammspieler in die Startelf rutschten. Leider agierten sie auch ein bisschen übermotiviert: Bastian Schweinsteigers absichtliches Handspiel in der zweiten Minute brachte ihm gleich mal die Gelbe Karte ein. Dafür peilten Toni Kroos mit einem Schuss aus 17 Metern (5.) und Mario Gomez mit einem Kopfball (13.) schon mal das Tor von Chelsea-Keeper Petr Cech an - wenn auch noch ohne Erfolg.
Cech rettet Chelsea das 0:0 - erstmal
Die "Blues", für die mit Ryan Bertrand sogar ein Champions-League-Neuling auf der Linksaußenposition auflief, spielten zwar nicht ganz so zurückgezogen wie im Halbfinale gegen den FC Barcelona, standen aber dennoch sehr tief und warteten erstmal ab. Die Bayern nutzten die sich bietenden Räume. Die Roten hatten nicht nur deutlich mehr Ballbesitz, sondern schon in der Anfangsphase mehr Ecken und in der Folge auch die besseren Torszenen. In der 19. Minute unterlief José Bosingwa beinahe ein Eigentor, drei Minuten später ließ Franck Ribéry für Arjen Robben durch, dessen Flachschuss aus zehn Metern Chelsea-Torwart Cech gerade noch so ans Lattenkreuz lenken konnte.
Bayern nutzen ihre Chancen nicht
Die Münchner machten weiter Druck - häufig über den gut aufgelegten Toni Kroos. Und Chelsea? Die gaben ihren ersten Schuss aufs Tor von Manuel Neuer erst in der 34. Minute ab - ein Freistoß von Juan Mata. Ihre erste richtig gute Chance hatten die Engländer drei Minuten später, als Neuer einen Schuss von Salomon Kalou parieren musste. Auf der anderen Seite setzte Contento zum Flankenlauf an. Seine Hereingabe nahm Müller mutig direkt - zielte aber knapp daneben. Und noch immer war nicht Halbzeit, eine Chance hatten die Bayern noch: Mario Gomez drehte sich im Strafraum, drosch den Ball aber übers Tor (42.)
Ribéry im Abseits - Chelsea weiter hinten drin
Unverändertes Bild auch nach der Halbzeit: Chelsea weiter abwartend, die Bayern dagegen im Vorwärtsgang. In der 54. Minute dann fast der Lohn: Nach einem Robben-Schuss kam der Ball zu Ribéry, der nur noch einschieben musste. Doch der Franzose stand im Abseits - also weiterhin 0:0.
Wie dominant die Bayern hier wirklich spielten, zeigt diese Statistik: Nach Ecken stand es in der 68. Minute 14:0 für die Münchner. Aber sie schafften es nicht, diese Überlegenheit einfach in Tore umzumünzen. Immer wieder rannten sie an. Wirklich Zwingendes sprang aber nicht heraus. Entweder liefen sich die Roten in der vielbeinigen Abwehr der Londoner fest oder Cech war auf dem Posten.
Müller trifft - Drogba antwortet
Dass so was auch schiefgehen kann, wenn man seine Chancen nicht nutzt, zeigten die Gäste in der 72. und 74. Minute, als Neuer zweimal eingreifen musste. Aber dann die 83. Minute: Nach Robbens Flanke zog Gomez im Sechzehner zwei Verteidiger auf sich, und Müller konnte völlig freistehend und unhaltbar für Cech einköpfen. 1:0 - die Erlösung?
Nein! Denn fünf Minuten später machten die "Blues" ihrem Ruf als eiskalte Mannschaft alle Ehre. Nach einer Ecke - ihrer ersten und einzigen im gesamten Spiel - stand Drogba richtig und wuchtete den Ball per Kopf zum 1:1 ins Netz. Der Bayern-Traum vom Sieg dahoam war erstmal ausgeträumt, es hieß Verlängerung!
Robben scheitert vom Punkt
Und das Drama nahm seinen Lauf: Nach einem Foul von Drogba an Ribéry, der sich bei der Aktion verletzte und ausgewechselt werden musste, zeigte Schiedsrichter Pedro Proenca auf den Elfmeterpunkt. Ausgerechnet Robben lief an und schoss - genau wie vor wenigen Wochen in der Bundesliga bei Borussia Dortmund gegen Roman Weidenfeller - unplatziert in die Arme von Cech. Was für ein Drama!
Keine Entscheidung nach 120 Minuten
Auch der eingewechselte Ivica Olic hatte noch die Chance, das Spiel vor dem Elfmeterschießen zu entscheiden. Doch statt nach einer präzisen Flanke direkt zu schießen, legte er nochmal auf Daniel van Buyten ab. Doch der ist kein Stürmer und war nicht durchgelaufen.
Dann das Elfmeterschießen, in dem Neuer als Strafstoßtöter (gegen Mata) und Torschütze zunächst wie der Held aussah. Schließlich hatten aber Cech und Drogba etwas gegen die Münchner Jubelfeier.
FC Bayern München - FC Chelsea 3:4 i.E. (1:1, 0:0)
FC Bayern: Neuer - Lahm, Timoschtschuk, Boateng, Contento - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller (87. van Buyten), Ribéry (96. Olic) - Gomez
FC Chelsea: Cech - Bosingwa, Cahill, David Luiz, Cole - Mikel, Lampard - Kalou (84. Torres), Mata, Bertrand (73. Malouda) - Drogba
Tore: 1:0 Müller (83.), 1:1 Drogba (88.)
Elfmeterschießen: 1:0 Lahm, Mata gehalten, 2:0 Gomez, 2:1 David Luiz, 3:1 Neuer, 3:2 Lampard, Olic gehalten, 3:3 Cole, Schweinsteiger verschossen, 3:4 Drogba
Besonderes Vorkommnis: Robben (Bayern München) scheitert mit Foulelfmeter an Cech (95.)
Zuschauer: 62 500 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Proença (Portugal)

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