Sport - Fußball

Bayern verliert bei Borissow Ballbesitz allein reicht nicht

Der FC Bayern München hat in der Champions League 1:3 beim vermeintlichen Außenseiter Bate Borissow verloren. Die eigentlich spielbestimmenden Münchner fanden zu selten ein Mittel gegen die Weißrussen, die die Bayern mit starker Defensive und schnellen Kontern düpierten.

Stand: 02.10.2012
Borissow-Bayern | Bild: picture-alliance/dpa

FC Bayern-Coach Jupp Heynckes schraubte vor dem Gastspiel bei BATE Borissow erneut an der Aufstellung. Im Sturm rutschte wieder Mario Mandzukic in die erste Elf, im defensiven Mittelfeld musste Bastian Schweinsteiger für Javier Martínez wechseln, allerdings geplant: Schweinsteiger plagten leichte Knöchelprobleme, Heynckes hatte schon am Vortag entschieden, den Regisseur zu schonen.

Heynckes kontra Sammer - Minidisput vor dem Spiel

Für leichte Irritationen sorgte vor dem Spiel unfreiwillig Sportvorstand Matthias Sammer. Der hatte nach dem Bremen-Spiel die Bayernkicker öffentlich kritisiert, angeblich sei die Kritik mit dem Trainer abgesprochen gewesen. "Mit der Form, Art und Weise war ich nicht einverstanden, das habe ich ihm auch gesagt", erklärte Jupp Heynckes vor dem Spiel: "Es ist wichtig, dass man konstruktiv kritisiert, dass es angemessen ist und dass es nicht überzogen ist. Ich denke, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern."

Der gescholtene Sammer relativierte umgehend seine Aussagen. "Grundsätzlich reden wir ja immer über alles. Wir haben auch nach dem Spiel unmittelbar miteinander geredet. Dann findet man ja mal ein paar Worte, die vielleicht ein bisschen deutlich waren. Aber sie wissen ja, wie das ist, wenn ich erst mal richtig deutlich werde, dafür war das ja noch harmlos", sagte er zu den Heynckes-Worten: "Dass ich sauer war, das war natürlich abgesprochen. Ich habe es nicht zur Mannschaft gesagt. Wenn ich pauschal etwas sage über eine Mannschaft, dann muss man das nicht vorher tun und Einzelne kritisiere ich sowieso nicht in der Öffentlichkeit. Das war in der Wortwahl völlig harmlos."

Erste Chance für Borissow, Kroos trifft den Pfosten

Nur fast ein Tor

Im Mittelpunkt stand dann aber doch das Fußballspiel - und das begann entgegen der Erwartungen vor allem aus Gastgebersicht stürmisch. Der vermeintliche Außenseiter Borissow suchte sein Heil in der Offensive und war fast erfolgreich. Schon nach sechs Minuten überlief Polyakov auf der rechten Seite Badstuber, seine Flanke landete bei Olechnowitsch und der prüfte mit einem verdeckten Schuss Manuel Neuer.

Die Bayern taten sich gegen die auch defensiv solide stehenden Weißrussen zunächst schwer, zunächst mussten Einzelaktionen herhalten. Toni Kroos eroberte sich nach 13 Minuten im Mittelfeld den Ball, stürmte frei aufs Tor, umkurvte Torwart Gorbunow und traf - nur den Pfosten des leeren Tores. Ein Badstuber-Freistoß drei Minuten später landete ungefährlich in den fangbereiten Armen von Gorbunow.

Borissow kontert sich zur Führung

Jubel über das 1:0

Effizienter die Hausherren. Bei einem schnellen Borissow-Konter waren die Außenverteidiger Lahm und Badstuber nicht im Bilde, eine Flanke landete bei Poljakow, der schob unbedrängt weiter zu Wolodko, von dort ging's weiter zu Pawlow - und von dessen rechtem Fuß aus rund zehn Metern ins Tor. Borissow führte, zur Freude der weißrussischen Fans, nicht einmal unverdient.

Die Bayern-Reaktion? Wütende Angriffe. Ribéry bediente in der 25. Minute per Flanke Thomas Müller, des Kopfball parierte Torwart Gorbunow stark. Drei Minuten später scheiterte Mandzukic, ebenfalls per Kopfball, am Bate-Keeper, der von den Bayern nach und nach warmgeschossen wurde. Das Hauptmanko der Bayern in dieser Phase allerdings: Zu oft versuchten es die Münchner mit hohen Bällen, die meist eine sichere Beute von Gorbunow wurden. Spielerisch klappte, trotz drückender Überlegenheit, nicht viel. Auch, weil Borissow phasenweise mit allen elf Spielern verteidigte.

"Ich wusste vor dem Spiel schon, dass wir gegen einen sehr guten Gegner antreten würden. In solchen Spielen musst du 1:0 in Führung gehen ... Wir haben permanent Druck gemacht, aber wir müssen den Sieg des Gegners anerkennen."

Bayern-Coach Jupp Heynckes nach dem Spiel

Borissow erneut gefährlich

Schweinsteiger, Shaqiri & Co. liefen sich schon zur Halbzeit warm, die zweite Hälfte begannen die Bayern dennoch erst einmal in unveränderter Formation. Es blieb ein zähes Spiel, den besseren Start erwischte erneut Borissow. Wieder war's ein schneller Konter, der die Bayernabwehr zerpflückte, am Ende kam wieder Olechnowitsch an den Ball, der Neuer nach 55 Minuten mit einem Schuss aus halbrechter Position zu einer Flugeinlage zwang.

Heynckes schickte mit Shaqiri (58. Minute) für Martínez eine zusätzliche offensive Kreativkraft aufs Feld - was allerdings die Bayern-Defensive nicht sicherer werden ließ. Pawlow hatte nach 65. Minuten - freistehend vor Neuer - das 2:0 auf dem Fuß, schoss aber klar übers Tor. Die Münchner Abwehrspieler wirkten bei den schnellen Bate-Vorstößen wie Statisten.

Bayern riskiert, Borissow trifft

74 Minuten waren gespielt, da hatte Müller, der einen Ball aus spitzem Winkel über das Tor setzte, die erste Bayern-Chance im zweiten Durchgang. Heynckes wechselte weiter: Mandzukic ging, Pizarro kam, Schweinsteiger folgte zwei Minuten später für Verteidiger Badstuber. Doch Heynckes' erhoffte Schlussoffensive scheiterte grandios schon zwei Minuten später.

Die Situation in der Gruppe F

Im zweiten Spiel der Gruppe gewann der FC Valencia 2:0 gegen den OSC Lille. Bate Borissow ist mit zwei Siegen Tabellenführer, Valencia und München stehen mit je einem Sieg auf den Plätzen zwei und drei. Siegloses Schlusslicht ist der OSC Lille, nächster Gegner der Bayern. Die Münchner müssen auswärts antreten.

Wieder konterte Borissow schnell, mit einem simplen Doppelpass hebelten die Weißrussen die Bayernabwehr aus. Rodionow bekam den Ball frei am Fünfmetereck und setzte ihn mit einem trockenen Schuss, unahltbar für Neuer, in den Torwinkel zum 2:0. Mit dem Mut der Verzweiflung rannten die Münchner nach vorne. Ribéry scheiterte erst an Godunow (82.), dann am Aluminium (83.) - und traf in der Nachspielzeit (91.) noch zum 1:2. Zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr. Im Gegenteil. Einen weiteren Konter vollendeten die Gastgeber durch den eingewechselten Bressan in der 94. Minute zum 3:1-Endstand.

Bate Borissow - Bayern München 3:1 (1:0)

Bate Borissow: Gorbunow - Poljakow, Filipenko, Simic, Bordatschew - Olechnowitsch, Lichtarowitsch (66. Siwakow), Wolodko - Pawlow (84. Bressan), Hleb - Rodionow (87. Mosolewski)

Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber (77. Schweinsteiger) - Javi Martínez (58. Shaqiri), Luiz Gustavo - Müller, Kroos, Ribéry - Mandzukic (75. Pizarro)

Schiedsrichter: Stavrev (Mazedonien)
Zuschauer: 24.636
Tore: 1:0 Pawlow (23.), 2:0 Rodionow (78.), 2:1 Ribéry (90.+1), 3:1 Bressan (90.+4)
Gelbe Karten: Bordatschew, Gorbunow, Pawlow / Badstuber, Dante, Luiz Gustavo, Pizarro
Beste Spieler: Pawlow, Rodionow, Gorbunow / Neuer, Lahm


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David Crawford, Mittwoch, 03.Oktober, 18:50 Uhr

1. Bayern

Anscheinend kochen die Bayern auch nur mit Wasser.Gott sei Dank!!