Sport - Fußball

Trauer um Ex-Nationalspieler Helmut Haller ist gestorben

Der deutsche Fußball trauert um Helmut Haller. Der Vizeweltmeister von 1966 starb am 11. Oktober im Alter von 73 Jahren in Augsburg. In den 60er- und 70er-Jahren wurde er zu einem Aushängeschild des deutschen Fußballs.

Stand: 12.10.2012
Helmut Haller | Bild: picture-alliance/dpa

Der 1939 in Augsburg geborene, offensive Mittelfeldspieler war 1957 in die erste Mannschaft des BC Augsburg gekommen. Von 1957 bis 1959 und in der Saison 1961/1962 spielt er in der Oberliga Süd. Für ein Handgeld von 300.000 D-Mark wechselt der Augsburger 1962 als erster deutscher Fußballer überhaupt nach Italien zum FC Bologna.

1964 wurde er als erster Ausländer zum Fußballer des Jahres in Italien gekürt. Haller war Protagonist im denkwürdigen Finale der Weltmeisterschaft 1966. Dabei erzielte er auf dem Rasen von Wembley das 1:0 bei der Niederlage gegen England. Fiat-Boss und Vereinspräsident Giovanni Agnelli fädelten 1968 den Wechsel des Deutschen zu Juventus Turin ein. 1972 und 1973 zahlte sich das mit dem Gewinn der italienischen Meisterschaft für Juventus Turin aus. Etwas später kehrte Haller wieder nach Deutschland zurück und rundete seine Karriere beim FC Augsburg ab.

"Er war in letzter Zeit sehr krank. Aber dass das so plötzlich kommt, ist ein Schock. Das ist ein Riesenverlust."

Uwe Seeler, Ex-Nationalspieler vom Hamburger SV

Beckenbauer: "Einer der besten Mitspieler"

Für Uwe Seeler war der Augsburger nicht nur ein "unheimlich talentierter Fußballer", sondern auch ein Spaßvogel und eine Frohnatur. Franz Beckenbauer adelte seinen ehemaligen Mitspieler und Teamkollegen im legendären WM-Finale von Wembley. "Die Nachricht vom Tod von Helmut Haller stimmt mich sehr traurig! Er war definitiv einer der besten Mitspieler, die ich je hatte!", so der "Kaiser".

Auch die italienischen Medien erinnerten an den früheren deutschen Nationalspieler, der wegen seiner blonden Haare "Il Biondo" gerufen wurde. "Addio Haller. Grande Helmut ist gestorben. 'Der Neapolitaner', der Bologna und Juve eroberte", schrieb die "Gazzetta dello Sport". Der "Corriere dello Sport" erklärte Haller zum "Helden von Bologna und Juventus".

Reaktionen auf Hallers Tod

Oliver Bierhoff (Manager der Nationalmannschaft)

"Aus meiner eigenen Zeit in Italien weiß ich, dass Helmut Haller auch dort verehrt wurde. Er hat international viel für das Ansehen Deutschlands und der Nationalmannschaft getan, für die er von 1958 bis 1970 gespielt hat. Wir werden ihn nicht vergessen."

Jürgen Grabowski (ehemaliger Nationalspieler)

"Ein besonderer Spieler und ein wunderbarer Mensch, immer hilfsbereit. Als ich 1966 als junger Spieler mit zur WM durfte, war Helmut Haller einer der Matadoren. Ich muss sagen, ich habe das Glück gehabt, einige Jahre mit ihm verbringen zu dürfen."

Franz Beckenbauer (DFB-Ehrenspielführer)

"Die Nachricht vom Tod von Helmut Haller stimmt mich sehr traurig! Er war definitiv einer der besten Mitspieler, die ich je hatte!"

Uwe Seeler (DFB-Ehrenspielführer)

"Ich wusste, dass es ihm in letzter Zeit nicht mehr ganz so gut ging, insofern war ich vielleicht doch ein bisschen vorbereitet. Er war ein Spaßvogel, eine Frohnatur und unheimlich talentierter Fußballer."

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident)

"Helmut Haller gehörte zu den überragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Unvergessen sind seine großartigen Leistungen - speziell bei der Weltmeisterschaft 1966. Über seine Arbeit für die Sepp-Herberger-Stiftung standen wir bis zuletzt mit ihm in Kontakt. Sein Tod macht uns sehr traurig."

Felix Magath (Trainer VfL Wolfsburg)

"Die WM-Finalisten von 1966 haben - zumindest bei uns Älteren - in Deutschland einen Stellenwert, wie nur noch die Weltmeister von Bern... Helmut Haller war Teil einer großartigen Mannschaft und Legende schon zu Lebzeiten. Er hat sich um den Deutschen Fußball mit Können und Herz, als Spieler wie als Mensch, verdient gemacht."

Helmut Sandrock (DFB-Generalsekretär)

"Helmut Haller hat mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz viel bewegt. Bis zu seiner Erkrankung war er als Botschafter für die Sepp-Herberger-Stiftung sozial und gesellschaftlich engagiert. Er war ein Vorbild, dem der DFB ein ehrendes Andenken bewahren wird."

Willi Schulz (ehemaliger Nationalspieler)

"Wir haben ja drei Weltmeisterschaften zusammen bestritten. Ich muss sagen, Helmut Haller war ein begnadeter Fußballer, ein großartiger Techniker. Das zeigt auch die Tatsache, dass er einer der ganz wenigen ausländischen Fußballer war, die in Italien verehrt wurden. Außerdem war er auch im privaten Leben ein guter Kamerad und ein hochanständiger Mensch."

Peter Bircks (Aufsichtsratsvorsitzender des FC Augsburg)

"Wir haben heute vom Tod von Helmut Haller erfahren und sind in Gedanken bei seiner Familie. Helmut Haller war einer der größten Fußballhelden der Nachkriegsgeschichte und hat den Augsburger Fußball und Generationen von Fußballern geprägt."

Ezio Pascutti (ehemaliger Teamkollege in Bologna)

"Wir haben ihn immer den Neapolitaner genannt. Er war der größte Schelm."

Franco Causio (ehemaliger Teamkollege bei Juventus Turin)

"Er war ein echter Lehrer für mich, ein Vorbild. Er hat mir das Dribbling beigebracht. In der Serie A hat es wenige ausländische Spieler wie ihn gegeben."

Christian Hochstätter (ehemaliger Profi und Neffe von Helmut Haller)

"Er hat mir in meiner Karriere immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, er hat immer ein offenes Ohr gehabt. Er war ein lustiger und humorvoller Mensch, aber auch ein sozial engagierter Mensch. Die Leute werden ihn in positiver Erinnerung behalten. Er hat mich maßgeblich beeindruckt mit der Art und Weise, wie er gespielt hat."

Andreas Rettig (ehemaliger Manager FC Augsburg)

"Augsburg verliert seinen besten Fußballer aller Zeiten. Höchsten Respekt, wie sich seine Tochter Karin und sein Freund Sepp Fuchs um ihn gekümmert haben."

Kurt Gribl (Oberbürgermeister Augsburg)

"Auf keinen Fußballer unserer Stadt waren und sind die Augsburger so stolz wie auf Helmut Haller. Für uns Augsburger war und ist Helmut Haller ein Riesenidol. Er war ein Sympathieträger und eine herausragende Persönlichkeit, die für unsere Stadt und ihren Fußball steht."

Aushängeschild des deutschen Fußballs

Helmut Haller im Nationalmannschaftstrikot

Die Heimkehr aus Italien des damaligen Aushängeschilds des deutschen Fußballs löste in der ganzen Region eine wahre Fußballbegeisterung aus. Die Heimspiele waren so gut besucht wie noch nie. Und selbst in München strömten die Leute ins Stadion, um Haller spielen zu sehen: 90.000 waren es beim Spiel des TSV 1860 gegen den FC Augsburg im Olympiastadion - Rekord!

"Ich bin schockiert und total überrascht. Er war ein besonderer Spieler und ein wunderbarer Mensch, immer hilfsbereit. Ich muss sagen, ich habe das Glück gehabt, einige Jahre mit ihm verbringen zu dürfen."

Jürgen Grabowski, Ex-Nationalspieler von Eintracht Frankfurt

Haller absolvierte 33 Länderspiele, erzielte dabei 13 Tore und nahm an drei Weltmeisterschaften teil. Nach der Vizeweltmeisterschaft 1966 in England kam er bei der WM 1970 mit der DFB-Auswahl auf den dritten Platz. Am 2. Weihnachtstag 2006 hatte er einen Herzinfarkt. Zuletzt litt er an Demenz und Parkinson.

Bilder aus dem Leben eines Fußballverrückten


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