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Die Fan-Thematik vor dem Bundesliga-Start Ultras beruhigt oder neue Proteste?

Vor dem Bundesliga-Start am Wochenende steht die Fan-Thematik wie selten im Fokus. Gerade erst kam es beim DFB-Pokalspiel Rostock gegen Hertha BSC Berlin wieder zu Fan-Krawallen. Zudem begehren die richtig eingefleischten Fans, die sogenannten Ultra-Gruppen, immer mehr auf. Gegen den DFB und die Kommerzialisierung des Fußballs. Wenn die 1. Bundesliga wieder losgeht, könnte es die nächsten Proteste geben.

Von: Sebastian Krause, ARD-Radio-Recherche Sport

Stand: 16.08.2017

DFB-Pokal, Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund, Finale am 27.05.2017 im Olympiastadion, Berlin. Gelber Qualm auf der Fantribüne von Dortmund, davor ein Banner mit der Aufschrift "SCHEISS DFB!" .  | Bild: picture-alliance/dpa

"Scheiß-DFB" - so lauteten die Wechselgesänge beider Fan-Lager, die beim Pokalfinale Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt und auch jetzt bei den ersten Spielen der 2. Liga zu hören waren.

Damit protestierten die Fans gemeinsam gegen DFB und DFL. Und genau das erwartet Jochen Grotepaß von der Fanorganisation "Unsere Kurve“ jetzt auch beim Bundesliga-Start. "Es wird mehr Plakate geben. Ich denke das Thema 'Krieg dem DFB' egal wie auch immer, wird nicht vorbei sein. Es wird Pfeifkonzerte geben. Es wird zu Beginn der zweiten Halbzeit Wechselgesänge geben zwischen den Kurven."

Warum protestieren die Fans?

Doch warum eigentlich der Protest? Gerade die eingefleischten Ultra-Fans fühlen sich von den Verbänden ungerecht behandelt und nicht ernst genommen. Die Ultras stehen für einen traditionellen Fußball und sind gegen Kommerzialisierung und immer mehr Show-Akts wie etwa den Auftritt von Helene Fischer beim Pokalfinale in Berlin. Sie wollen mehr Eigenverantwortung, einen Dialog auf Augenhöhe und keine weichgespülten Hochglanz-Werbe-Fankurven.

Strafen heizen den Konflikt noch an

Die Reaktionen des DFB mit Kollektivstrafen wie Sperren für ganze Fanblocks haben den Konflikt nur noch angeheizt. Für Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke kann es so nicht weitergehen. "Es sieht so aus, als ob sich die Ultra-Gruppierungen bundesweit formieren, und darauf werden wir Antworten finden müssen." Für Schmadtke ist allerdings auch klar, dass dies die Klubs nicht alleine hinbekommen werden. Und warnt, "so wie der DFB aktuell mit Bestrafungen werden wir dieses Rad nicht stoppen, sondern da werden wir das eher noch forcieren."

Schmadtke wünscht sich also mehr Unterstützung. DFB und DFL sollten sich ergebnisoffen an der Diskussion mit den Fans beteiligten. Der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große Lefert, sagt, man sei nicht tatenlos, sondern habe schon einiges erreicht. "Wir haben umfangreiche Dialogangebote, stehen in engem Kontakt sowohl zu den Klubs, wie auch zu vielen Fan-Organisationen. Der Fußball hat gerade im Hinblick auf die Kommunikation mit den Zuschauern gute, fachliche professionelle Strukturen mit Fanbeauftragten entwickelt," so Große Lefert.

DFB reagiert auf die Proteste und zeigt sich Gesprächsbereit

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat im sich zuspitzenden Konflikt mit einigen Ultra-Gruppierungen jetzt Gesprächsbereitschaft signalisiert: In Zukunft will man auf sogenannte Kollektivstrafen für Fans verzichten und damit in dem Streit um die zunehmenden Fan-Ausschreitungen in einigen Stadien auf die Anhänger zugehen. "Bis auf Weiteres" wolle man "keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr", sagte Grindel. Der DFB empfehle dem Kontrollausschuss, "bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist".

Grindel lud Ultra-Vertreter ein, sich mit dem DFB, seiner Arbeitsgruppe Fankulturen sowie anderen Fan-Organisationen an einen Tisch zu setzen. Voraussetzung dafür: "Der Verzicht auf Gewalt. Wir müssen im Dialog Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Linien und Grenzen festlegen."


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Francesco, Donnerstag, 17.August, 10:33 Uhr

6. Falscher Weg......

Grundsätzlich bin ich immer für Gespräche, aber sie sollten wenigstens Aussicht auf Erfolg haben. Man soll ja nie, nie sagen, aber ich habe größte Zweifel, ob mit den sog. ULTRAS überhaupt konstruktive Gespräche möglich sind. Aus meiner Sicht zeigen sie ja gerade mit ihren Prolo-Aktionen, dass sie sich lieber gegen die "normale Gesellschaft" stellen, ansonsten hätten sie ja längst das Gespräch gesucht. Wenn der DFB nun endlich mal aufwacht, hoffe ich, dass es ihm gelingt, diese Radau-Brüder - wie auch immer - zur Einsicht zu bewegen. Sollte dies nicht gelingen, ist die Stadt bzw. Politik gefordert. Es kann nämlich nicht sein, dass Randgruppen der Gesellschaft sich mit stark steigender Tendenz und zu Lasten der Gesellschaft (Steuergelder !!) "abreagieren" und dadurch 1000de von Polizisten beschäftigen / angreifen / beleidigen. Der DFB muss verpflichtet werden (z.B. Finanzierung durch anteilige Ablösesummen) sein Problem zu lösen. Diese wenigen Typen gehören ganz einfach weggesperrt.....

R.B., Donnerstag, 17.August, 09:35 Uhr

5. Ultras, Hooligans, etc. im Stadion

Wenn Hr. Grindel keine besseren Alternativen einfallen, als "NUR" das Gespräch zu suchen, sollte er bitteschön sofort zurücktreten. Es braucht auch keine sog. Kollektivstrafen. Es reicht wenn, wie schon kommentiert, das Spiel mit Punktverlust abgebrochen wird. Es reicht, wenn die Vereine für die Polizei endlich bezahlen müssten. Komischerweise halten sich die zuständigen Stellen mit den Forderungen, wie man z.B. gegen den Schwarzen Block, Links- und Rechtsradikalen, etc. vorgehen sollte, schon arg zurück. Straftäter sind und bleiben Straftäter.

Franz, Donnerstag, 17.August, 08:45 Uhr

4. Ultras beruhigt oder neue Proteste?

Seit nun Jahrzehnten gibt es Randale von Fußballfans in Stadien oder Städten, die durchaus Chaospotential von den G-20-Protesten in Hamburg haben. Lasst die Vereine für die Polizeieinsätze jedes Wochenende zahlen, des Weiteren Fußballspiele mit Öffentlichkeitsausschluss für ein Jahr. Die Fan-Vorsitzenden verfassungsrechtlich überprüfen lassen und bei Bedarf in Schutzhaft nehmen, wegen Vorbereitung einer Gewalttat/Straftat - in Bayern geht das - potentielle Gefährder!
Potentielle Gefährder gibt es nicht nur unter ISLAMISTEN sondern auch unter kriminelle/radikale Fans! Aber statt gehandelt wird diskutiert, denn beim Fußball rollt der Mammon, gemäß dem Motto: "Gibt dem Volk Brot und Spiele!", dass haben auch die verantwortlichen Politiker gecheckt! Eigentlich nennt man sowas "Rechtsbeugung!"

waldler, Donnerstag, 17.August, 07:35 Uhr

3. Bengalos?

Was hat denn das Abbrennen von Bengalos oder Zünden von Böller (Bombenäquivalent) mit berechtigten Protesten gegen den DFB zu tun?
Gar nichts!
Wer Feuerwerkskörper ins Stadion zu bringen versucht, bzw. diese dort anzündet gehört ins Gefängnis und nicht ins Stadion.

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Schmidt, Donnerstag, 17.August, 06:15 Uhr

2. gewaltbereite Ultras

Ein Witz ist das, nur kann ich nicht lachen. In Deutschland kann also jeder Straftaten begehen und bekommt einen Klaps auf die Hand. Nur wenn es um das liebe Geld geht sind die Strafbehörden bereit das Höchstmaß an Strafe auszusprechen, aber nur wenn es den kleinen Mann trifft. Die Polizei hat gegen Straftäter nichts unternommen die versucht haben das Stadion zu verwüsten. Alle die bei so einer Randale mitmachen sollten sich schämen. Das hat mit Fußball nichts zu tun und in Stadien oder auf der Strasse nichts verloren. Wegen mir schlagt euch gegenseitig auf freiem Feld die Köpfe ein.