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Umstrittene Bezahlkarten in Stadien Der Fußball-Fan als Geldesel

Bier und Bratwurst per Plastikkarte statt mit Bargeld zu bezahlen, das ist in vielen Bundesligastadien Alltag – und für Fans nicht selten ein Ärgernis. Kritiker bemängeln die Rückerstattungs-Regeln massiv und fordern mehr Transparenz. Nach einem Undercover-Test der ARD-Radio-Recherche Sport gibt es nun auch erste rechtliche Schritte.

Von: Sebastian Krause (BR), Sarah-Lisa Angress (HR), Mareike Zeck (WDR), Philipp Büchner (RBB)

Stand: 18.11.2016

Montage: Aufgefächerte Bezahlkarten vor Allianz Arena | Bild: dpa-Bildfunk; BR; Montage: BR

Gemeinsam mit Verbraucherschützern wurde in fünf Stadien das bargeldlose System unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse waren teilweise so negativ und fanunfreundlich, dass die Verbraucherzentralen jetzt gegen die Betreiber der Bezahlsysteme in München, Gelsenkirchen und Augsburg mit Abmahnungen vorgehen wollen. Die Verbraucherzentrale in Hessen prüft zudem rechtliche Schritte in Bezug auf das Bundesligastadion in Frankfurt. Kritikpunkte gab es aus Sicht der Verbraucherzentralen auch in Dortmund sowie im Berliner Olympiastadion.

Verbraucherschützerin Halm: "... der Nutzen erschließt sich mir nicht."

"Man muss sich anstellen, um die Karte zu bekommen. Man muss sich anstellen, um dann die Getränke und das Essen zu kaufen. Und schlussendlich muss man sich nochmal anstellen, um die Karte umzutauschen, und sein Geld wieder zurückzubekommen", sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern nach dem Test in München. Zudem kritisiert Halm bei der Kartenrückgabe, dass es "zu wenig geöffnete Schalter und viele Wege" gibt – "da wird nicht ausreichend alles getan." Und das wirft natürlich die Frage auf: "Was passiert mit den Geldern, die nicht zurückabgewickelt werden."

"Von welchen Summen sprechen wir hier und was macht der Verein damit."

Tatjana Halm

Im Jahr 2010 hat der deutsche Fußball-Rekordmeister durch seine dafür zuständige GmbH rund 2,4 Millionen Euro Erträge durch verfallene Bezahlkartenguthaben ausgewiesen. Seitdem macht der Verein keine Angaben mehr dazu. Auch nicht auf Nachfrage. Lediglich die Kritikpunkte am Bezahlsystem werden zurückgewiesen.

Wie viel Geld wandert durch verfallene Guthaben also in die Kassen?

Der FC Bayern müsse entsprechende Erträge auch in seinen Geschäftsberichten nicht mehr angeben, so die Bilanzexpertin Prof. Regine Buchheim von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. "Da hat sich die Transparenz-Vorgabe des Gesetzgebers leider verschlechtert. Das gilt für alle Unternehmen, die nicht Börsen notiert sind. Man kann ab dem Geschäftsjahr 2011/2012 viel weniger von der Rechnungslegung von nicht Börsen notierten Unternehmen, die veröffentlicht wird, herauslesen."  

DFL hält sich bedeckt

Die Lösung wäre allerdings einfach: Entweder die Vereine geben die Erträge freiwillig an, oder die Deutsche Fußball-Liga (DFL) macht entsprechende Vorgaben. Die DFL zeigt uns gegenüber jedoch kein Interesse an dem Thema. Dafür aber die beiden großen Fan-Organisationen "Unsere Kurve“ und "ProFans". Sie fordern endlich Transparenz: Was mit den Bezahlkarten-Guthaben passiert und inwiefern die Vereine davon profitieren. "Das ist ja nichts anderes als ein zinsloses Darlehen, das ich dem Verein gebe. Und da wäre schon mal interessant, wie viel dann letztendlich an Geld den Vereinen zur Verfügung gestellt wird, und womit die dann sofort arbeiten können", sagt Rainer Vollmer von "Unsere Kurve".

Rückerstattung mit Gebühren

Für die Rückerstattung der Bezahlkartenguthaben per Post und Überweisung verlangt die Betreiber-Firma des FC Bayern eine Gebühr und rechtfertigt die mit dem hohen Aufwand. Nicht in Ordnung, findet die Verbraucherzentrale Bayern, die das dem deutschen Rekordmeister jetzt per Abmahnung verbieten will. Das betrifft auch die Arena in Augsburg.

In beiden Fällen wird zudem eine zu kurze Gültigkeit und Rückzahlungsfrist für die Karte beanstandet. Die Betreiber-Firma der Münchner antwortet auf Anfrage, dass selbst nach Ablauf der Frist auf Kulanz Restbeträge ausgezahlt werden. "Jede werthaltige Karte wurde und wird ohne zeitliche Begrenzung rückerstattet." Auch der FC Augsburg gibt an, dass die Rückzahlungen kulant und nicht streng nach AGBs gehandhabt werden.

Wie sieht es in Dortmund, Berlin und Frankfurt aus?

Beim Check in Dortmund und dem Berliner Olympiastadion gab es zwar Kritikpunkte, die seien aber nicht so schwerwiegend, weil dort auch mit Bargeld bezahlt werden kann. Im Falle von Frankfurt dagegen prüft die Verbraucherzentrale Hessen jetzt rechtliche Schritte. Die Vorwürfe lauten dort: Zu lange Wartezeiten, zu wenig Personal und Rückgabestellen sowie eine Gebühr für die Rücküberweisung der Kartenguthaben. Damit konfrontiert kündigt die Betreiber-Firma an, den aufgeführten Missständen sofort entgegenzuwirken. Außerdem verweist der Betreiber darauf, dass es in Frankfurt bald eine App fürs Handy geben soll, damit das Bezahlen im Stadion schneller geht.

Bei Schalke will die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verbieten lassen, dass bei der Rücküberweisung von Kartenguthaben zum einen Gebühren anfallen und dass es zum anderen bis zu eineinhalb Jahre dauern kann. "Beim Einsenden der Karten entsteht ein hoher Aufwand, welcher mit der Gebühr von drei Euro belegt wird. Die lange Frist besteht aus buchhalterischen Gründen, die Beträge werden schnellstmöglich ausgezahlt", heißt es seitens des FC Schalke 04.

Das sagen Fans zu der Bezahlkarte:

  • Für eine Heim-Mannschaft, wenn man öfter hingeht, ist es total in Ordnung, auch in Ordnung wenn zum Schluss noch Restgeld drauf ist, aber für Gäste ist es immer blöd.
  • Zu kompliziert, bei den ganzen Tausend Menschen, die Karte danach wieder zurückgeben.
  • Ja, ja, bleibt immer ein bisschen was auf der Karte, kann man auch anders machen. Aber dass da ein Geschäftsmodell dahinter steht, das ist ja auch klar.

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Christian, Samstag, 19.November, 16:50 Uhr

29. Bezahlkarte

Guten Tag,

Ich finde die Bezahlkarten eine gute Sache. Die Bezahlung geht so besser als mit Bargeld. Bei uns zu Hause werden mittlerweile bei jeder Veranstaltung solche Karten verwendet. Wer nur einmal im Stadion ist und unbedingt das Geld zurück haben will muss halt eben Zeit und Geduld mitbringen bei der Rückgabe schliesslich ist man nicht alleine im Stadion.Ich habe in der Allianz Arena noch keine Probleme gehabt bei der Rückgabe der Karte.Aber eine kleine Anekdote vom Spiel gegen Hoffenheim:
Da war das System nach dem Spiel im Paulaner Treff abgestürzt und man hatte nichts mehr zum Essen und Trinken bekommen!!!

martini1960, Donnerstag, 17.November, 18:13 Uhr

28. Bezahlkarten

Wieder ein Grund mehr, nicht ins Stadion zu gehen. Auf jeden Fall sollten hier die Verbraucherschützer diese Vereine in die Pflicht nehmen. Freiwillig werden die so schnell sonst nichts verändern. Viel wichtiger finde ich aber, dass die Vereine endlich an den Kosten der Polizeieinsätze beteiligt werden. Denn das sind doch Kosten, die wir als Steuerzahler den Vereinen noch hinterher schießen. Damit bin ich nicht einverstanden. Also nicht nur Bremen sollte eine Rechnung an den DFL senden. Alle anderen Städte bitteschön auch. Und endlich die Karten Personenbezogen verkaufen. Aber da traut sich ja keiner richtig ran.

adagiobarber, Donnerstag, 17.November, 18:05 Uhr

27. Warum Bezahlkarte ?

Na, ranz einfach. Man will die Geldmenge im Stadion kontrollieren. Die Verkaufsstände werden umsatzorientiert Standgeldern belastet. Und da soll eben nix 'hinten rum' in die Taschen fliessen.

Ruhrpottler, Donnerstag, 17.November, 17:54 Uhr

26. Es gibt auch bessere Kartensysteme

Grundsätzlich halte ich Kartensysteme für gut. Es muss nicht mit Bargeld und Wechselgeld hantiert werden und geht an den Ständen schneller. Hygienischer ist das auch, weil das Verkaufspersonal nicht mehr mit Geld und Essen hantieren muss. Ich halte das System, welches ich in Leverkusen kennengelernt habe, für fanfreundlich. Dort kann man mit seiner Geldkarte, die fast jeder von seiner persönlichen Bank besitzt, bezahlen. Vor Ort kann man die Karte aufladen lassen. Und wenn Geld auf der Karte zurückbleibt, kann man es entweder zu Hause mit der Geldkarte ausgeben (z.B. Parkautomaten, Bus und Bahn) ausgeben oder es auf sein Konto zurückbuchen lassen und das dann sogar bei der eigenen Bank. Ist aber vielleicht nicht im Interesse der Vereine, die damit Geld machen wollen.

Morquai, Donnerstag, 17.November, 17:51 Uhr

25. Das ist doch allgemein üblich

Wer auf eine Vereinsveranstaltung geht sollte das kennen. Man muss Wertmarken kaufen um an Speisen und Getränke zu kommen. Als Veranstalter vermeidet man so überall Wechselgeld herausgeben zu müssen oder Bargeldbestände an verschiedenen Plätzen zu lagern.
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Niemand wird gezwungen an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen oder dort Speisen und Getränke zu verzehren. Allerdings ist eine Gebühr für die Rückzahlung, so sie denn tatsächlich erhoben wird, eine Frechheit. Aber wie gesagt: niemand muss dorthin gehen. Fußballspiele sind eben einfach nur Veranstaltungen eines Vereins und damit Privatveranstaltungen. Drei Spieltage ohne Zuschauer und der Spuk ist vorbei. Wenn allerdings die Massen strömen macht der Verein doch alles richtig.