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TSV 1860 München Weiter Zoff unterm Löwendach

Noch ist's nur ein weiterer interner Streit. Doch der Zoff in der Geschäftsführung des TSV 1860 München könnte auch bald die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf den Plan rufen. Dabei geht es darum, wer im Klub nun eigentlich das Sagen hat.

Stand: 14.11.2011
Hasan Ismaik und Dieter Schneider | Bild: picture-alliance/dpa

Was hatten sie sich vor einem halben Jahr ins Zeug gelegt: Präsident Dieter Schneider, Manager Robert Schäfer und Investor Hasan Ismaik posierten wie beste Freunde für die Fotografen, dabei war schon damals ordentlich Feuer unterm Dach. Streit um Kompetenzen, um Mitsprache, darum, wer nun eigentlich das Sagen hat beim gerade geretteten Münchner Traditionsverein. Dass der Retter aus Jordanien nicht mal einfach so mehr als 18 Millionen Euro in den Klub stecken würde, war allen Beteiligten vorher klar. Genau deshalb wurde ein Investorenvertrag aufgesetzt, der dem Verein zusichert, weiterhin Chef im eigenen Laden zu sein.

Irritationen und Informationsdefizit

Das war schon deshalb notwenig, weil die DFL dem Vertrag nur unter diesen Voraussetzungen zustimmte. Doch nun sollen Vertreter Ismaiks die Vereinsspitze zum Rücktritt aufgefordert haben, was Präsident Schneider auf der Delegiertenversammlung am Montagabend zum Gegenschlag ausholen ließ: "Wir haben auch heute noch nicht in allen Punkten Übereinstimmung erzielt, wie der geschlossene Vertrag in der Praxis mit Leben zu erfüllen ist", so Schneider. "Der Vertrag war sicher dadurch geprägt, dass beide Seiten nicht ihre Idealvorstellungen durchbringen konnten und Kompromisse machen mussten. Aber wenn ich einmal einen derartigen Vertrag abgeschlossen habe, dann muss ich dazu stehen."

Schneider: "Kein Abnicken"

Zielscheibe der Kritik: Robert Schäfer

Schneider sagte weiter, nach den Vorstellungen Ismaiks "sollen unsere Rechte, die uns per Vertrag und Satzung zustehen, teilweise außer Kraft gesetzt werden". Der Vereinspräsident erklärte, dass die Wünsche Ismaiks - im konkreten Fall geht es offenbar um die Art der Finanzierung möglicher Wintertransfers - aber nicht einfach abnicken werde. Er habe eine "hohe Fürsorgepflicht" und laut Vertrag "Mitsprache- und Kontrollrechte", so Schneider. Mangels Informationen von der Geschäftsleitung habe er diese Kontrollfunktionen aber zuletzt nicht so ausüben können, wie er gewollt hätte. Der Präsident, der gar nicht an Rücktritt denkt, kritisiert damit auch Manager Robert Schäfer.

Die "50+1-Regel"

Die in den DFL-Statuten festgeschriebene 50+1-Regel besagt, dass Kapitalanleger in Vereinen nicht die Stimmenmehrheit erwerben können, sondern dass der Mutterverein die Mehrheit halten muss. Damit soll verhindert werden, dass Investoren oder Kapitalanleger die vollständige Kontrolle über einen Klub übernehmen. Die sportlichen Interessen werden über wirtschaftliche Interessen gestellt.
Zuletzt wurde eine Aufweichung beschlossen: Demnach erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundenen Mäzenen oder Sponsoren nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapital- und Stimmenmehrheit an einer Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

"Bis zum letzten Jota"

1860-Vizepräsident Wolfgang Hauner unterstrich Schneiders Aussagen: "Es gibt die 50+1-Regelung. Wir werden die Interessen des Vereins bis zum letzten Jota verteidigen, das muss auch der Investor verstehen."

Wollen mehr Macht: Investor Hasan Ismaik (r.) und sein Berater Hamada Iraki

Zuvor hatte Schneider auf die Aufforderung von Ismaiks Statthalter Hamada Iraki ebenfalls mit einer Kampfansage reagiert: "Wir lassen nicht zu, dass wir als Verein vom Investor an die Wand geklatscht werden. Wir haben auch eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Verein." Die Forderungen von Ismaik, bestehende Verträge in seinem Sinne zu ändern, bezeichnete der 64-Jährige als Unding: "Wenn ich jetzt nachgebe, würde ich mich wegen Untreue gegenüber des Vereins strafbar machen." Angeblich soll Ismaik nur dann zu weiteren Investitionen bereit sein, wenn Verträge nachverhandelt werden.