Sport - Doping und Sportpolitik


4

Dopingkampf in der Leichathletik WADA spricht von "Komplettversagen"

Der Imageschaden für den Leichtathletik-Weltverband IAAF wird immer größer. Die unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wirft der IAAF ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption vor.

Stand: 14.01.2016

Richard Pound | Bild: dpa-Bildfunk

Hauptverantwortlicher für die "Organisation und Ermöglichung der Verschwörung" sei der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack, wie aus dem neuen Bericht der unabhängigen WADA-Kommission hervorgeht.

Die neuen Erkenntnisse hätten den "kompletten Zusammenbruch der Führungsstrukturen und das Fehlen von Verantwortlichkeit innerhalb der IAAF" ergeben. Es habe einen "gravierenden Mangel an politischem Appetit" gegeben, Russland mit "dem vollen Ausmaß seiner bekannten und befürchteten Dopingaktivitäten" zu konfrontieren. Auch auf Korruption habe die Führung des Weltverbandes "unzulänglich" reagiert, wird in dem zweiten Bericht der WADA-Kommission festgestellt.

Korruption auch bei Vergabe der Olympischen Spielen 2020?

Es gebe Gründe zu der Annahme, dass hochrangige IAAF-Offizielle von Entscheidungen profitiert haben, Weltmeisterschaften an bestimmte Städte oder Länder zu vergeben. Die Korruption habe auch Olympische Spiele betroffen: Aus Mitschriften gehe hervor, dass die Türkei die Unterstützung von Lamine Diack im Bewerbungsprozess um die Olympischen Spiele 2020 verloren habe. Die Türkei sei nicht bereit gewesen, einen entsprechenden Sponsorenbetrag "von vier bis fünf Millionen Dollar" für die Diamond League oder die IAAF zu überweisen. Japan habe diese Summe laut Gesprächsprotokoll dann gezahlt - Tokio erhielt den Zuschlag für die Sommerspiele 2020.

"Es kann nicht als Handlung eines merkwürdigen Abtrünnigen, der auf eigene Faust gehandelt habe, ignoriert oder abgetan werden."

Aus dem WADA-Bericht

IAAF weist Vorwürfe zurück

Der Weltverband IAAF war in Misskredit geraten, weil der frühere Präsident Diack von der französischen Justiz wegen der Vertuschung von Doping-Fällen gegen Bezahlung angeklagt wurde. Damit soll ermöglicht worden sein, dass russische Athleten trotz positiver Doping-Tests bei den Olympischen Spielen 2012 in London und bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau an den Start gehen konnten.

Die IAAF wies bereits am Montag in einem Bericht an die WADA die Anschuldigung der Vertuschung von Doping zurück und betonte, dass es kein "System der Korruption" im Weltverband gebe und die Vorwürfe nur "einzelne, früher mit der IAAF assoziierte Personen" betreffe.

IAAF-Chef Coe unter Druck

IAAF-Präsident Sebastian Coe gerät also immer weiter unter Druck. Der Engländer sitzt seit 2003 im IAAF-Council, dem höchsten Gremium des Weltverbandes - von 2007 bis 2015 war Coe Vize-Präsident unter Diack. Coe hatte am Mittwoch erneut jegliche Vertuschungsvorwürfe gegen seinen Verband zurückgewiesen.

"Die Sache ist einfach: Wurden alle Unregelmäßigkeiten verfolgt? Die Antwort lautet: Ja. Wurden Strafen verhängt und publik gemacht? Ja. Wurde etwas vertuscht? Nein"

.Sebastian Coe


4