Sport - Doping und Sportpolitik


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Mission "Saubere Spiele“ Doper sollen vor Olympia aussortiert werden

In gut vier Monaten beginnen in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele. Damit die Spiele nicht durch Dopingschlagzeilen getrüben werden, hat das IOC seinen Anti-Doping-Kampf intensiviert. Ob alle Maßnahmen greifen ist aber fraglich.

Von: Sebastian Krause

Stand: 22.03.2016

Schild Doping Kontrolle | Bild: picture-alliance/dpa

Angesichts der jüngsten Doping-Skandale rund um die russischen Leichtathleten und um das seit neuestem verbotene Herzmittel Meldonium, drohen auch den Olympischen Spielen in Rio Dopingschlagzeile. Verhindern soll das die Mission "Saubere Spiele“. Das IOC hat das Projekt gemeinsam mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ins Leben gerufen und dafür eigens eine Task-Force gegründet. Die Expertengruppe soll alle verdächtigen Sportler genau beobachten, und in den nächsten Wochen und Monaten gezielt testen lassen.

"Wir müssen versuchen, die sauberen Athleten bei den Olympischen Spielen zu schützen. Und der beste Weg dafür ist, die Betrüger zu erwischen, bevor sie in Rio an den Start gehen können."

Richard Budget, Medizinischer Direktor des IOC

Die Task-Force soll zum einen von den jeweiligen Nationalen Anti-Doping-Agenturen Informationen über verdächtige Athleten bekommen, etwa über auffällige Dopingtests und Blutwerte.

Zum anderen sollen die Informationen auch aus strafrechtlichen Ermittlungen kommen. Zuliefern sollen also auch Staatsanwälte, die in einigen Ländern auf Basis von Anti-Doping-Gesetzen inzwischen viel härter gegen Doper und deren  Hintermänner vorgehen können. "Wir versuchen zu koordinieren und dann die notwendigen Tests zu machen“, sagt Michael Ask von der Anti-Doping-Agentur Dänemarks, der Teil der Task-Force ist. Er glaubt, dass mit der Bündelung der Daten und der besseren Koordination ein wesentlicher Fortschritt in der Doping-Bekämpfung gemacht werden kann.

Nicht alle Nationen ziehen mit

Probleme bereiten allerdings Nationen, in denen es keine Anti-Doping-Behörden gibt, die die notwendigen Informationen liefern. Deshalb kommt Kritik von der Chefin der deutschen Anti-Doping-Agentur, Andrea Gotzmann: "Wir haben in Russland die Probleme. Wir haben Kenia. Es sind doch einige Baustellen“.

Dazu greift die IOC-Maßnahme zu spät. Wo nicht ausreichend kontrolliert wird, ist sich Gotzmann sicher, haben die Athleten ihre Doping-Kur bereits intus. Das haben sie bereits im Winter erledigt, um sich auf die Saison vorzubereiten. Sie werden sich jetzt nicht mehr erwischen lassen.

Traurige Gewissheit, gerade für deutsche Athleten, die ständig für Dopingkontrollen parat stehen müssen und seit diesem Jahr bei Doping-Missbrauch mit einem Strafverfahren rechnen müssen. Trotzdem unvermeidbar.

"Ich kann verstehen, dass unsere Athleten schon sauer sind, die da sehr viel von ihrer persönlichen Freiheit aufgeben. Sie stehen jederzeit für Kontrollen zur Verfügung und werden 10, 15, mit den internationalen Tests 30 Mal und mehr kontrolliert."

Andrea Gotzmann, NADA-Chefin

Trotzdem sieht die Gotzmann diesen Weg als einzig sinnvollen: "Wir müssen Druck auf die anderen Nationen ausüben, dass wir die Chancengleichheit hinbekommen.“ für Rio wird es noch nicht so weit sein. Da machen andere Maßnahmen mehr Hoffnung. Möglicherweise werden die aktuell gesperrten russischen Leichtathleten auch von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Eine Entscheidung darüber soll im Mai fallen. Außerdem sollen noch vor Beginn der Spiele die eingefrorenen Dopingproben von Peking 2008 und London 2012 mit verbesserten Nachweismethoden untersucht werden.


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