Sport - Bergsport

Mit Frühbeis zu Berge Gipfelsturm am Mount Everest

Es könnte wieder mal eng werden, an Pfingsten. Weniger in der Kirche als auf dem Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. Da ist nämlich gerade Hochsaison, und das Tourismus-Ministerium rechnet mit 200 Bergsteigern, die an diesem Wochenende, heut und morgen also, am höchsten Punkt der Erde stehen wollen.

Stand: 25.05.2012
Bergsteiger am Mount Everest | Bild: picture-alliance/dpa

Am 23. Mai vor zwei Jahren standen 160 Menschen auf dem Everest-Gipfel. 160 Menschen an einem Tag. Und der Gipfel ist nicht groß, es gibt dort keinen Kiosk, keinen Liegestuhlverleih und keine idealen Möglichkeiten für eine ausgedehnte Brotzeit.

Everest lockt zur Rekordjagd

Ich finde, wenn man den höchsten Berg der Welt besteigen will, dann sollte man in der Höchstform seines Lebens sein. Super gut trainiert, perfekt akklimatisiert und enorm leidensfähig. Am vergangenen Wochenende aber hat eine 16-jährige Nepalesin den Berg bestiegen und der Welt anschließend mitgeteilt, sie sei nun die bisher jüngste weibliche Everest-Bezwingerin. Exakt zur selben Zeit starben fünf Kletterer beim Abstieg vom Berg der Berge, darunter ein deutscher Arzt im Alter von 61 Jahren.

61 – das ist das Alter, mit dem man in einem Betrieb normalerweise ausgesondert wird. Es gibt hunderte wunderschöner Gipfel, die man mit 61 noch mit Genuss besteigen kann. Der Everest gehört definitiv nicht dazu. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten. Den Toten selber nur bedingt.

Die Spielregeln sind bekannt

Jedes Jahr im Mai brauchen Bergsteiger zu lang, um zum Gipfel zu gelangen, haben zu wenig Kraft für Auf- und Abstieg und geraten dann noch in schlechtes Wetter. Jedes Jahr. Heuer liegt relativ viel Schnee am Berg, und die Stürme seien besonders heftig, sagt Nepals Regierung, die die Besteigungs-Genehmigungen erteilt. 10.000 US-Dollar kostet eine. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern dieser Erde. Und darum dürfen so viele Bergsteiger ihr Glück versuchen. Im Sinn des Wortes. Wie viele zurückkehren, ist Nebensache. Bezahlt wird im Voraus. Wie viele Menschen an diesem Wochenende sterben werden, am Everest, das werden wir übermorgen in den Nachrichten hören. Ich hoffe, dass es wenige sind, und dass ich niemanden kenne. Und, bitte, keine Kinder und keine alten Leute. Es ist so sinnlos.

Am Everest stirbt jeder allein

Die Berge im Wallis sind nur halb so hoch, aber genauso schön. Für die Besteigung der Dufourspitze braucht man kein Sauerstoffgerät, aber mehr alpinen Verstand als für den Everest. Und wer einfach nur vor sich hin trotten will, steige zwei Mal auf den Dom.  4.545 Meter ist der erhabene Eisbuckel hoch - mal zwei ist mehr, als der Everest bietet. Und wenn die Pumpe zickt, weil man eigentlich schon im Pensionsalter ist, dann greift man zum Händy, wählt die 1414, und in fünf Minuten kommt der Heli aus Zermatt. Feine Sache, wenn man Bergsteigen und leben will. Am Everest kommt kein Heli. Am Everest kommt niemand. Am Everest stirbt jeder allein.


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