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Augsburger Eiskanal Kanusport trotz Denkmalschutz

Der Augsburger Eiskanal ist unter Denkmalschutz gestellt worden. Bei Kanuten gab es große Befürchtungen über die Auswirkungen auf den Sport und das Aus für Weltklasseveranstaltungen. Die Stadt aber bekennt sich zum Spitzen-Kanusport in Augsburg.

Von: Barbara Leinfelder

Stand: 17.05.2017

Kanustrecke, Gebäude, Gasthaus  | Bild: BR/Leinfelder

Der Eiskanal in Augsburg steht seit Kurzem samt den Bootshäusern und Wirtschaftsgebäuden unter Denkmalschutz. Wie Augsburgs Sportreferent Dirk Wurm dem BR mitteilte, soll die sportliche Nutzung für Profis und Amateure aber weiterhin gewährleistet sein. Die Stadt will trotz des Denkmalschutzes weiterhin Wettkämpfe und Großereignisse in Augsburg.

Viele Kanusportler hatten Angst, dass ein Denkmalschutzsiegel das Aus für eine Nutzung, wie man sie bisher kannte, bedeutet hätte. Hinter den Kulissen ist deshalb heftig gerungen worden und die Haltung der Stadt macht den Kanuten Hoffnung.

Kanuten wollen zum olympischen Jubiläum WM nach Augsburg holen

Seit 1972 ist der Kanusport olympisch.

Die idyllisches Anlage im Stadtwald direkt am Lech ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Und die Augsburger Kanusportler wollen hier 2022 eine Weltmeisterschaft ausrichten – zum 50-jährigen Jubiläum der Olympischen Spiele von 1972. Auch für den Kanusport insgesamt ist es ein Jubiläum – seit eben diesen Spielen ist er eine olympische Disziplin.

"Die Anlage ist immer noch attraktiv und die Kanuten sagen mir auch immer, es ist hier wie in Kitzbühl, es ist der Klassiker, und ein Sieg in Augsburg steht bei den Kanuslalomsportlern immer noch ganz oben."

Hans Peter Pleitner, Sprecher der 'Eiskanal Allianz'

Stadt verspricht Sanierung trotz Denkmalschutz

Die Gebäude an der Kanustrecke sind in die Jahre gekommen.

Die Wildwasserstrecke ist allerdings in die Jahre gekommen, der Beton an den künstlichen Felsen bröckelt und muss saniert werden, ebenso die angrenzenden Gebäude. Am Denkmalschutz soll das nach Angaben der Stadt nicht scheitern.

"Der aktuelle Sachstand ist der, dass Denkmalschutz zwar da ist, aber die Stadt mit dem Landesamt (für Denkmalschutz; Anmerkung der Redaktion) so zusammenarbeitet, dass die sportliche Nutzung auch zukünftig voll gewährleistet ist."

Augsburgs Sportreferent Dirk Wurm

Eine Machbarkeitsstudie soll bis zum Herbst klären, was getan werden muss. Die Stadt will dabei eine klare Linie verfolgen, kündigt Sportreferent Wurm an.

"Gehen wir mal vom Worst Case aus: Ein Gebäude ist so marode, dass es nicht erhaltenswert ist, das wäre vollkommen unwirtschaftlich, dann kann auch der Denkmalschutz nicht sagen, ihr müsst es erhalten. Dann reißen wir es ab und bauen es neu."

Augsburgs Sportreferent Dirk Wurm

Kanu-Funktionär Hans Peter Pleitner hofft für die Sanierung auf finanzielle Unterstützung vom Freistaat, denn der bayerische Kanusport drohe ins Hintertreffen zu geraten.

"Wenn es hier in Augsburg bergab geht mit dem Kanusport, dann gibt es eben auch keine Erfolge mehr, insbesondere keine Olympia-Medaillen mehr. Und da wird natürlich ein Sportminister und ein Ministerpräsident hellhörig, und ich hoffe, dass das auch ein Anreiz ist, die Strecke zu sanieren."

Hans Peter Pleitner, Sprecher der 'Eiskanal Allianz'

Auch Augsburgs Olympiakanute Sideris Tasiadis hofft, dass die Sanierung angepackt wird und der Denkmalschutz den Sportlern keinen Strich durch die Rechnung macht.

"Mir als Sportler ist es wichtig, dass die Anlage erst mal renoviert wird, dass wir einfach weiterhin gescheit trainieren können. Und wir haben natürlich perfekte Gegebenheiten hier. Wenn man die Strecke einfach nur saniert ist sie weiter eine Weltklasse-Strecke."

Olympiakanute Sideris Tasiadis

Vorbildcharakter bringt Eiskanal den Denkmalschutz

Eine Tafel erinnert an die Olympischen Spiele 1972.

Die Augsburger Kanustrecke ist die einzige dieser Art in Bayern. Bundesweit gibt es nur in Leipzig ein vergleichbares Kanuzentrum. Auf der mehr als 300 Meter langen Wildwasseranlage am Lech wurden 1972 die Kanuslalom-Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele ausgetragen. Die Olympiastrecke mit Platz für 24.000 Zuschauer ist Vorbild für viele weiteren künstlichen Kanuslalomstrecken und ist schon in aller Welt nachgebaut worden. Eben deshalb wurde sie jetzt unter Denkmalschutz gestellt.


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