Religion


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Tod von Trutz Rendtorff Theologe und Sozialethiker

Der international bekannte evangelische Theologieprofessor Trutz Rendtorff ist tot. Er starb im Alter von 85 Jahren an Heiligabend nach längerer schwerer Krankheit in München. Von 1968 bis 1999 lehrte er in München an der LMU Systematische Theologie.

Von: Alexia Späth

Stand: 27.12.2016

Als jüngster Sohn des damaligen Landesbischofs von Mecklenburg am 24. Januar 1931 in Schwerin geboren, litt er früh unter dem Zwiespalt zwischen der fröhlichen, von viel Musik geprägten Frömmigkeit des Elternhauses und den politischen Zwängen in der nationalsozialistischen Diktatur. Nach Vertreibung und Flucht erlebte er den Neuanfang in Kiel. Der Tradition der Familie gemäss entschied sich Rendtorff 1951 für das Studium der evangelischen Theologie.

Systematische Theologie

In seiner 1966 publizierten Habilitationsschrift "Kirche und Theologie - Die systematische Funktion des Kirchenbegriffs in der neueren Theologie" zeigte er am Beispiel des prominenten Aufklärungstheologen Johann Salomo Semler, wie neben einer öffentlichen Theologie eine "Privattheologie" entstand, in der jeder und jede fromme Einzelne eine individuelle Sicht aufs Christentum ausbildetet. Ein "Christentum ausserhalb der Kirche" sei theologisch ebenso legitim wie ein "unfanatischer Denkglaube", der es dem Individuum erlaube, sich um seiner Freiheit willen vom Ganzen der Gesellschaft zu unterscheiden. 

Forschungsinstitut Technik-Theologie-Naturwissenschaften

In München lehrte Rendtorff über dreißig Jahre als Professor für Systematische Theologie. Dabei setzte er sich vor allem für den Dialog zwischen Ethik und Naturwissenschaften ein, insbesondere bei so brisanten Themen wie Atomenergie,  Stammzellforschung oder  Gentechnik. Zu diesem Zweck gründete Rendtorff 1992 zusammen mit Wissenschaftlern das Forschungsinstitut Technik, Theologie, Naturwissenschaften, das bis heute als unabhängiges Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München besteht.

Engagement für ein offenes Christentum

In der EKD-Synode und der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) setzte sich der liberale Theologe für ein offenes Christentum und einen Protestantismus als "Institution der Freiheit" ein. Die Theologie war für ihn ein "geistvoller Umgang mit dem Leben - theoretisch geschärft".  


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