Religion - Stationen


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24 Stunden online Sklaven der Smartphones

E-Mails checken, Facebook posten, WhatsApp schreiben, telefonieren - durchschnittlich alle 18 Minuten lassen sich Menschen heute von ihrem Smartphone stören, zeigt die Studie „Menthal Balance“ der Universität Bonn. Eine Gefahr für die Gesundheit!

Von: Friederike Kühn

Stand: 12.05.2017

Viele Menschen sind der Meinung, sie könnten mit ihrem Smartphone mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Doch das ist ein Trugschluss. Der Molekularpsychologe Prof. Christian Montag von der Universität Ulm konnte nachweisen, dass das Gehirn von Menschen, die exzessiv viel Zeit auf Facebook verbringen, die gleichen Beeinträchtigungen aufweist wie bei Alkohol- oder Drogensüchtigen. Aber auch normale Nutzer leiden unter den Folgen.

"Wir sind nicht gut im Multitasken, auch wenn das oftmals so dargestellt wird. Das heißt, wir können immer nur eine Sache gut, und die müssen wir auch zu Ende führen. Dann erst können wir die nächste Aufgabe erledigen. Wir nennen das serielle Verarbeitung statt parallele Verarbeitung."

Prof. Christian Montag, Molekulare Psychologie, Universität Ulm

Weniger Konzentration, dafür mehr Stress

Um in den berühmten „Flow“ zu kommen, jenen Zustand tiefer Konzentration, dauert es ungefähr 15 Minuten. Wer also alle 18 Minuten zum Smartphone greift, wie die Studie „Menthal Balance“ der Universität Bonn basierend auf den Daten von mehr als 50.000 Smartphone-Nutzern herausfand, kann effektiv nur drei Minuten nutzen, in denen er wirklich produktiv ist. Die nächste tiefe Konzentrationsphase lässt dann wieder 15 Minuten auf sich warten. Viele Smartphone-Nutzer verlernen außerdem, Pausen zu machen. Selbst kurze Wartezeiten an der Bushaltestelle oder in der Warteschlange am Supermarkt überbrücken sie am Smartphone. Doch die Kreativitätsforschung ist sich sicher: Gerade in den Momenten, in denen an nichts Konkretes gedacht wird, entwickeln Menschen die besten Ideen. Wenn das Gehirn außerdem nie abschalten kann, fehlen zudem Phasen der Regeneration. Darunter leiden die Konzentrations- und die Merkfähigkeit.

Digitale Freizonen schaffen

Die massive Smartphone-Nutzung ist ein Killer für die Produktivität und eine Gefahr für die Gesundheit. Denn die ständige Erreichbarkeit führt dazu, dass auch nach Dienstschluss, am Wochenende oder sogar im Urlaub geschäftliche E-Mails gelesen und häufig gleich beantwortet werden. Das macht ein Abschalten unmöglich und erhöht den Stress. Christian Montag rät, sich selbst zu disziplinieren.

"Wenn wir eine Armbanduhr tragen, lesen wir nur die Uhrzeit. Am Smartphone checken wir nicht nur die Uhrzeit, sondern überlicherweise auch Nachrichten von irgendeinem sozialen Netzwerk oder wir machen etwas, was wir eigentlich gar nicht machen wollten. Eine Armbanduhr verhindert das. Ähnlich verhält es sich mit dem Wecker im Schlafzimmer: so kann man gar nicht mehr in die Versuchung kommen, nur den Wecker stellen zu wollen und dann doch wieder am Smartphone hängen zu bleiben. Das heißt, es ist wichtig, digitale Freizonen einzurichten."

Prof. Christian Montag, Molekulare Psychologie, Universität Ulm

Buchtipp:

Alexander Markowetz: Digitaler Burnout. Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist, Droemer Knaur, München 2015.


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