Religion


0

Religion und Glaube in Bayern Engelwerk

Engel liegen im Trend. Viele Menschen glauben an die himmlischen Helfer oder sammeln Engel-Figuren. So niedlich wie in mancher Puttensammlung ging es zumindest in der Vergangenheit beim äußerst umstrittenen "Engelwerk" nicht zu.

Von: Friederike Weede

Stand: 12.07.2016

Religion und Glaube in Bayern - Engel | Bild: colourbox.com

1984 fährt ein Mädchen aus München mit einer Gruppe aus der katholischen Nachbargemeinde zu Exerzitientagen nach Altötting. Die Tochter von Marianne P. war damals 18 Jahre alt. Der Pfarrer hatte das Mädchen eingeladen. Drei Tage später, zurück vom Exerzitienwochenende, war die Tochter wie ausgewechselt, erinnert sich Marianne P.

"Sie sprach nur noch vom Teufel, von Strafe Gottes und von ewiger Verdammnis. Sie hatte Angst. Sie hat sich nur noch in ihrem Zimmer eingesperrt und gebetet und meditiert. Sie war für uns fast nicht mehr zu sprechen. Sie hat sich abgekapselt und sie hat uns nur noch als vom Teufel Besessene bezeichnet, weil wir da nicht mitmachen wollten."

Marianne P.

Engelwerk: Klagen über Psychotricks

Anderen Familien ging es ähnlich. Sie klagten über Psychotricks, Angstmache und die Engel- und Dämonenlehre des Engelwerks. 1988 verbot der damalige Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter alle Aktivitäten der Gruppierung, andere Bischöfe folgten. Die Glaubenskongregation in Rom untersuchte den Fall, damals unter Leitung von Joseph Kardinal Ratzinger.

Das Kloster auf der Burg St. Petersberg in Tirol: Das Engelwerk ist dem Kreuzorden angegliedert

Ihre Engel- und Dämonentheologie begründeten die Engelwerksmitglieder mit angeblichen Privatoffenbarungen ihrer Gründerin, der Österreicherin Gabriele Bitterlich, die behauptete, Visionen zu haben. Bitterlichs Eingebungen prägen auch das Handbuch des Engelwerks aus dem Jahr 1961, in dem es beispielsweise heißt, graue und schwarze Katzen sowie schwarze Hühner seien besonders empfänglich für "dämonische Strahlung". Außerdem warnt das Handbuch vor bestimmten Menschen, die unter dämonischem Einfluss stehen.

Die Glaubenskongregation in Rom entschied schließlich, die Engellehre des Werks und daraus abgeleitete Praktiken seien nicht mit Kirche und Bibel vereinbar - das Engelwerk eine christliche Sekte.

Seit 2008 gehört das Engelwerk wieder zur katholischen Kirche

Von einer Sekte spricht der Weltanschauungsbeauftragte der Erzdiözese München und Freising Axel Seegers heute lieber nicht. Denn 2008 wurde die umstrittene Vereinigung wieder ganz offiziell in die katholische Kirche aufgenommen - still und leise, unter dem Papst, der als Leiter der Glaubenskongregation das Engelwerk einst ausgeschlossen hatte. Bekannt wurde die Wiederanerkennung des Engelwerks erst viel später auf Umwegen, unter anderem aus einem internen Mitgliederschreiben des Engelwerks. Viele geschädigte Familien sind empört über diese Informationspolitik.

Sitz des Kreuzordens, dem das Engelwerk angegliedert ist, ist das Kloster St. Petersberg in Silz in Tirol. Und auch in Bayern hat die Organisation eine „Niederlassung“: das Kloster vom Heiligen Kreuz in Schondorf am Ammersee.

Zusammengefasst:

Das Engelwerk ist eine umstrittene Gruppierung innerhalb der katholischen Kirche, die wegen ihrer fragwürdigen Riten und ihrer Engel-Theologie von 1992 bis 2008 von Rom getrennt war.

Zahlen und Fakten
Das Engelwerk besteht aus verschiedenen Untergruppen, zum Beispiel der Schutzengelbruderschaft, dem Helferwerk oder der Kreuzbruderschaft. Genaue Anhängerzahlen sind nicht bekannt. Seit 2008 gehört das Engelwerk als öffentlicher Verein wieder offiziell zur katholischen Kirche und ist dem Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz angeschlossen. In Bayern hat die Organisation eine "Niederlassung" im Kloster vom Heiligen Kreuz in Schondorf am Ammersee. In Altötting, Plankstetten oder Schondorf veranstaltet das Engelwerk heute wieder ganz offiziell Exerzitientage, Jugendfreizeiten und Kinderzeltlager.

Glaube und Ziele
Im Zentrum steht die "Verehrung der heiligen Engel" und die sogenannte Weihe der heiligen Engel, bei der sich die Mitglieder des Werks den himmlischen Wesen anvertrauen.

(Die Positionen, Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauungs-gemeinschaft, der im Artikel genannten Personen, beziehen sich auf das Jahr 2012 und können sich mittlerweile geändert haben.)


0