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Fürsorge oder Selbstaufgabe? Die Pflege der eigenen Eltern

Über vier Millionen Menschen pflegen in Deutschland einen Familienangehörigen. Irgendwann kommt der Moment, in dem die Kinder gleichsam die Eltern der Eltern werden: Rollentausch im Alter - Wie kann das gehen?

Stand: 08.03.2016

Pflege von Angehörigen (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

"Wenn man sagt, man hat ein Kind bekommen und ist in Elternzeit, dann gibt es da einen Freiraum. Da weiß jeder gleich: sie hat ein kleines Kind zuhause, sie hat nicht viel Zeit. Es gibt aber keinen Begriff im Deutschen der ausdrückt: ich helfe oder betreue meine Eltern."

Elisabeth W. aus Fürstenfeldbruck hat Eltern und Schwiegereltern bis zum Tod begleitet

In den letzten 200 Jahren ist die Lebenserwartung in Mitteleuropa um 40 Jahre gestiegen. Und laut Max-Planck- Institut wird das Leben Jahr für Jahr um etwa drei Monate länger. Trotzdem werden irgendwann auch aus den stärksten Müttern und Vätern alte Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Die Kinder stehen dann vor einer Herausforderung: Wie sollen sie Pflege neben dem Beruf organisieren? Was sollen sie tun, wenn sie nicht im gleichen Ort wie die Eltern leben? Wie lange können sie so eine kräftezehrende Aufgabe alleine leisten?

Neue Gesetze sollen die Situation der Pflegenden erleichtern

Die Entscheidung, wie viel man zu leisten bereit ist, kann einem niemand abnehmen. Doch  zumindest hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit Januar 2015 neue Möglichkeiten einer Familienpflegezeit geschaffen. Damit sollen Pflege, Beruf und Familie besser vereinbart werden, wie das Ministerium sagt. Jetzt ist es zum Beispiel möglich, in einer akuten Pflegesituation bis zu zehn Arbeitstage ohne Ankündigungsfrist der Arbeit fernzubleiben.

Pflege zu Hause

Gesetzliche Ansprüche 1

Übernimmt ein Angehöriger selbst die Pflege, dann besteht Anspruch auf Pflegegeld. Die Höhe bemisst sich nach der Pflegestufe und umfasst monatlich zwischen 244 und 728 Euro.

Gesetzliche Ansprüche 2

Kümmert sich eine Pflegeperson um einen Pflegebedürftigen für mindestens 14 Stunden in der Woche, dann zahlt die Pflegeversicherung unter bestimmten Bedingungen Rentenversicherungsbeiträge.

Gesetzliche Ansprüche 3

Wer ehrenamtlich für einen Angehörigen sorgt, kann an einem Pflegekurs teilnehmen. Dort geben Berater beispielsweise Tipps zur richtigen Ernährung oder zeigen, wie sich gehbehinderte ältere Menschen schonend heben und bewegen lassen. Termine erfragt man bei der Pflegeversicherung. Die Kosten trägt die Kasse.

Gesetzliche Ansprüche 4

Braucht ein Pflegender Urlaub oder muss er aus gesundheitlichen Gründen mit der Pflege aussetzen, dann zahlt die Pflegekasse für bis zu sechs Wochen im Jahr einen Ersatz. Bedingung:  Der Pflegende hat seit mindestens sechs Monaten die Pflege übernommen.

Gesetzliche Ansprüche 5

Unter bestimmten Umständen darf der Pflegende für bis zu sechs Monaten im Jahr Pflegezeit nehmen. In dieser Zeit ist er von der Arbeit freigestellt. Geregelt ist das im Pflegezeitgesetz

Neues Pflegestärkungsgesetz – Was sich für Angehörige ändert

Am 1. Januar 2015 trat bereits das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Damit stiegen u.a. die finanziellen Leistungen für die verschiedenen Pflegestufen. Außerdem gibt es für Angehörige mehr Möglichkeiten, sich durch Kurzzeitpflege und Nachtpflege zu entlasten. Zum 1. Januar 2016 kommt dann das zweite Pflegestärkungsgesetz. Plan ist es, bei der Bewertung der Pflegebedürftigkeit auch die kognitiven Fähigkeiten zu berücksichtigen. Damit hätten Demenzkranke bessere Chancen auf Unterstützung. Die Pflege Demenzkranker stellt Angehörige oft vor besonders hohe Herausforderungen.


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