Religion


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Marienkult in Bayern 100 Jahre Patrona Bavariae

Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Marienjahr: Denn heuer wird gefeiert, dass die Muttergottes seit hundert Jahren ganz offiziell die spezielle Schutzfrau Bayerns ist, die Patrona Bavariae. Diese Vorstellung reicht weit in die Vergangenheit zurück.

Von: Andreas Estner und Matthias Morgenroth

Stand: 05.05.2017

Christliche Marienfiguren an einer Hauswand  | Bild: picture-alliance/dpa/Johanna Hoelzl

In Altötting ruhen die Herzen der Wittelsbacher, denen es zu verdanken ist, dass die Marienverehrung als Staatskult den Bayern verordnet wurde, damals zur Zeit des 30jährigen Kriegs.

Kurfürst Maximilian der Erste machte Anfang des 17. Jahrhunderts den bayerischen Staat zu einem Land der Maria.

"Er legt wichtige politische Handlungen auf Marienfesttage, er fördert Marienfeste, es war eine zutiefst marianisch geprägte Frömmigkeit."

Christof Paulus, Historiker

Männlicher Zweitname

Aus dieser Zeit kommt der Brauch, auch männlichen Kindern den Namen Maria zu geben – zumindest als Zweitnamen. Kurfürst Maximilian machte es vor und nannte seinen Sohn Ferdinand Maria.

Aus dieser Zeit kommt die Sitte, jede Hausfront mit einer Madonna zu schmücken. An der Residenz in München steht das Vorbild: die Marienstatue mit Kind, Unterschrift Patrona Boiariae, Schutzfrau Bayerns. Sie datiert auf das Jahr 1616 und ist der älteste Beleg für den Gedanken.

Rosenkranzbeten war kriegentscheidend

Die Patrona Bavariae galt auch als Schutzfrau der wahren Christenheit – im Krieg. Rosenkranzbeten wurde als kriegsentscheidend eingeschätzt. Im 30-jährigen Krieg, dem großen Konfessionskrieg sowieso, später dann im Kampf gegen die Türken. Trotzdem, sagt Christof Paulus, sie ist nicht nur eine Heerführerin geworden.

"Im 17./18. Jahrhundert haben sich über 50 marianische Bruderschaften, Fraternitäten, gläubige Männer wie Frauen zusammengeschlossen, um für ein gutes Leben, ein gutes Sterben zur Gottesmutter zu beten. Denen kann man keine kriegerischen Absichten unterstellen."

Christof Paulus

Notsituation 1917

König Ludwig III. von Bayern (l.) bei der Vereidigung von Truppen im 1. Weltkrieg

Vor hundert Jahren war es ebenfalls eine Notsituation, die den bayerischen König Ludwig den Dritten dazu brachte, Papst Benedikt den XV. zu bitten, Maria hochoffiziell zur Schutzfrau des Bayernlands zu erklären.

Der Papst stimmte zu, stiftete dazu Marienfeste und attestierte Bayern, ein Land voller Marienverehrung und Marienorten zu sein. Die Protestanten und auch die Demokraten waren nicht begeistert, der Staat sollte doch eigentlich religionsneutral auftreten.

Doch die Frömmigkeit und die Feierlaune der Bayern haben sich durchgesetzt. Und bis heute pflegt die CSU, die seit Jahrzehnten die Regierung stellt, ein besonderes Verhältnis zur Maria.

Nicht nur die CSU feiert

100 Jahre Patrona Bavariae wird dieses Jahr allerdings vor allem außerhalb der CSU gefeiert.

In München findet am Samstag eine große Sternwallfahrt statt – zum Marienplatz, in deren Mitte die Mariensäule steht, aufgestellt 1637 zum Dank dafür, dass die protestantischen Schweden die Hauptstadt der katholischen Liga, ein Zusammenschluss katholischer Reichsstände vor dem Dreißigjährigen Krieg, nicht geschleift haben.


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