Religion


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Architektur der Synagoge Tempel und Zelt

Das neue Zentrum ist in drei frei stehende, von Bäumen gesäumte Gebäude aus Naturstein aufgeteilt. Blickfang ist die Synagoge. Der Sockel steht für einen Tempel. Darüber thront ein kubusförmiges Oberlicht, Symbol für ein Zelt.

Stand: 09.11.2011 | Archiv

München: neue Hauptsynagoge Ohel Jakob | Bild: BR / Ernst Eisenbichler

Das neue Zentrum beherbergt zahlreiche Einzel-Institutionen, die bisher in der Stadt verstreut waren und insgesamt viele Räume benötigen. Man verzichtete bewusst darauf, alle in einen einzigen massigen Gebäudekörper zu verfrachten. Stattdessen teilte man das Zentrum in drei frei stehende Gebäude aus Naturstein auf.

Architekturpreise

Infografik: Synagogen in München | Bild: BR/Henrik Ullmann zum Artikel Infografik - einst und jetzt Synagogen in München

Seit dem Mittelalter gab es mehrere Synagogen in München. Klicken Sie auf die Karte für eine Kurzinfo. Detaillierte Informationen finden Sie im Klicktool darunter. [mehr]

Die Konstellation der Häuser untereinander ist so gewählt, dass sich Sichtachsen ergeben, die völlig verschiedene Perspektiven freigeben. In die Freiflächen zwischen den Gebäuden wurden Bäume gepflanzt und ein Brunnen installiert. Des gesamte Ensemble erhielt den "Deutschen Städtebaupreis 2008". Eine internationale Jury der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung wählte die Kooperationsarbeit eines Saarbrücker und eines Berliner Architektenbüros unter 49 eingereichten Arbeiten aus. Im Oktober 2011 erhielt das Jüdische Zentrum den Deutschen Architekturpreis.

Klar, licht und luftig

Innenraum der Synagoge

Blickfang des Zentrums ist die Synagoge. Der mit Travertin-Platten bekleidete Sockel des 28 Meter hohen Gebäudes symbolisiert einen Tempel; Tempel waren die ersten Gotteshäuser der Juden. Laut Architekten steht der Sockel für das Stabile, "das Bleiben".

Darüber thront ein kubusförmiges Oberlicht als Sinnbild für das Stiftszelt der Juden während der Wüstenwanderung. Es steht für das Fragile, die Diaspora. Die zwölf Meter hohe Glaskonstruktion besteht aus vielen Dreiecken, die auch als Davidsterne gelesen werden können, und ist mit einem kupferfarbenen Metallnetz verhängt. Symbolhaft lässt das Oberlicht tagsüber Licht ein und verwandelt sich nachts in eine weithin sichtbare Lichtkrone. In der Geschichte des Synagogenbaus waren deutlich sichtbare Davidsterne Hinweis darauf, dass sich Juden selbstbewusst im Stadtbild präsentierten.

Zerrissen in Berlin

Für das Münchner Zentrum bevorzugte man insgesamt eine positiv wirkende Architektur. Insofern griff man auf ein einladendes Konzept zurück - im Gegensatz etwa zum Berliner Jüdischen Museum von Daniel Libeskind.

Dessen zerrissener, dekonstruktivistischer Stil soll die Brüchigkeit jüdischer Geschichte widerspiegeln, Verzweiflung und Entsetzen ausdrücken. Ursprünglich war für die Münchner Synagoge eine Dachkuppel im Gespräch, wie sie für jüdische Gotteshäuser im 19. Jahrhundert typisch war - ein historisierender Ansatz also. Dieser Entwurf setzte sich allerdings nicht durch. Gemäß orthodoxer Tradition sind im Innenraum die Sitzreihen für Männer und Frauen getrennt.

Preisgekrönte Architekten

Neue Synagoge Dresden: vom selben Architekten-Team, das auch München konzipierte

Für den Neubau waren 269 Entwürfe eingereicht worden. Eine Jury wählte daraus das Projekt des Saarbrücker Architektur-Teams Wandel-Hoefer-Lorch und Hirsch. Das junge Büro hatte durch Verwaltungsgebäude in Saarbrücken und den Neubau des Besucherzentrums an der Gedenkstätte des KZ Hinzert/Trier auf sich aufmerksam gemacht.

Als ihr bislang bedeutendster Bau galt die neue, am 9. November 2001 eingeweihte Synagoge Dresden. Sie wurde mit dem Architekturpreis des Verbandes der Deutschen Kritiker e. V. ausgezeichnet.


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