Religion


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Feminismus und Kirche Zu Gast in Europas erster Frauenmoschee

Mitten in Kopenhagen ertönt ein weiblicher Muezzinruf, denn hier steht Europas erste Frauenmoschee. Die jungen Frauen wollen der Welt zeigen, dass auch weibliche Imame im Islam möglich sind. Das stößt nicht nur auf Zuspruch.

Von: Ulrike Hummel

Stand: 18.05.2017

Imamin Sherin Khankan | Bild: picture-alliance/dpa

Freitagmittag in einer Einkaufsstraße mitten in Kopenhagen: Eine junge Frau erhebt die Stimme zum Muezzinruf – es ist der Auftakt zum Freitagsgebet in der ersten Frauenmoschee Europas. Im Gebetsraum warten rund dreißig Frauen auf die Imamin. Außerhalb Chinas gibt es nur eine Handvoll frauengeführter Moscheen – doch es herrscht Aufbruchsstimmung unter den muslimischen Frauen, sagt Sherin Khankan. Die 42-jährige Imamin war maßgeblich am Gründungsprozess beteiligt:

"Wir wollen patriarchale Strukturen innerhalb religiöser Institutionen aufbrechen und der Welt zeigen, dass auch weibliche Imame im Islam möglich sind. Schon zu Lebzeiten des Propheten Mohammeds gab es weibliche Imame in der Hausmoschee in Medina. Aisha und Umm Salama haben die Gebete für die Frauen geleitet."

Sherin Khankan, Mitbegründerin von Europas erster Frauenmoschee

Dem negativen Islambild entgegenwirken

Die zunehmende Islamfeindlichkeit in Europa war mit einer der Gründe, eine Frauenmoschee zu eröffnen. Damit könne man dem negativen Islambild ein Stück entgegenwirken. Eröffnet wurde die „Mariam Mosque“ im Frühjahr 2016. Die Freitagsgebete finden seit August immer einmal im Monat statt. Seit der Eröffnung haben die Imaminnen von Kopenhagen schon zahlreiche Aktivitäten ins Leben gerufen. Sherin Khankan:

"Wir bieten islamische Sufi-Meditationen an und wir sind in der islamischen Seelsorge sehr aktiv. Wir werden eine islamische Akademie eröffnen, wo wir Studien zur islamischen Philosophie, Arabischkurse oder die Einweisung zur Leitung der Freitagsgebete anbieten wollen."

Sherin Khankan, Mitbegründerin von Europas erster Frauenmoschee

Kritik aus der konservativen Ecke

Innerhalb der muslimischen Community scheiden sich die Geister darüber, ob es überhaupt Imaminnen geben dürfe. In konservativen Kreisen wirft man den Frauen vor, dass ihnen schlicht die theologische Grundlage fehle. So hat Sherin Khankan zwar einen Master in Religionssoziologie und Philosophie, ist aber keine islamische Theologin. In nicht islamisch geprägten Ländern gibt es jedoch keine Instanz, die darüber wacht, wer das Amt eines Imams oder einer Imamin ausüben darf – theoretisch kann das jeder Muslim oder jede Muslimin. Bis jetzt habe noch kein dänischer Imam die Frauenmoschee in Kopenhagen besucht, berichtet Sherin Khankan.

Haydar Mahdi, 29 Jahre alt, betreibt einen orientalischen Imbiss in Kopenhagen. Er hat Bedenken, ob eine Imamin mit dem Islam überhaupt vereinbar sei: „Ich denke, Frauen können keine Imame sein, weil sie ihre Menstruation haben. Währenddessen dürfen sie beispielsweise im Ramadan nicht fasten und in dieser Zeit dürfen sie natürlich auch keine Moschee betreten. Das heißt, sie können dann auch keine Freitagspredigt halten. Wie sollten Frauen dann das Amt eines Imams ausfüllen können?“

Zuspruch von Frauen und jungen Muslimen

Zuspruch erhalten die Predigerinnen vor allem von Frauen und jungen Muslimen, wie von dem aus Pakistan stammenden Studenten Najeeb Ullah: „Das ist ein gutes Zeichen für alle Nicht-Muslime und zeigt: im Islam sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Frauen sollten die gleichen Rechte haben wie Männer auch.“

Musliminnen können sich nun auch islamisch scheiden lassen

Musliminnen profitieren noch in anderer Hinsicht von der neuen Moschee: Denn bei Gewalt gegen Frauen in der Ehe und einem daraus resultierenden Scheidungswunsch seitens der Frauen etwa, finde sich in ganz Dänemark kein Imam, der eine islamische Scheidung durchführe. Diese Möglichkeit sei nun gegeben, erklärt Sherin Khankan.

In Kürze wird die islamische Akademie eröffnet. "Wir werden die Akademie dazu nutzen, weibliche Imame für Dänemark auszubilden", so Khankan. Die Frauenmoschee in Kopenhagen ist auf einem guten Weg: Zum Gründungszeitpunkt gab es in der "Mariam Mosque" zwei Imaminnen. Inzwischen sind schon sieben Predigerinnen aktiv.


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