Religion


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Down-Syndrom Bluttest Selektion oder Segen?

Hat mein Baby einen Gendefekt? Diese Frage könnte künftig ein von den Krankenkassen bezahlter Bluttest beantworten. Kirchen und Ethikexperten üben Kritik.

Stand: 24.08.2016

Ein sogenannter "Praena-Test" liegt am Montag (20.08.2012) in Konstanz auf einem Tisch. Die Firma LifeCodexx vertreibt die Tests, die über eine vorgeburtliche Blutentnahme Aufschluss über eine mögliche Erkrankung des Kindes an Trisomie 21 geben sollen. | Bild: picture-alliance/dpa

Bezahlen Krankenkassen künftig den umstrittenen Test zur vorgeburtlichen Diagnose des Down-Syndroms? Mitte August hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) ein entsprechendes Prüfverfahren eingeleitet. Der Bluttest auf Trisomie 21, 13 und 18 könnte schon ab der 9. Schwangerschaftswoche Klarheit für werdende Eltern bringen und die risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung ersetzen, bei der es zu Infektionen und Fehlgeburten kommen kann. Bislang kosten die Tests, die vor allem unter dem Handelsnamen "Praena" vertrieben werden, bis zu 1.000 Euro.

Kritik von Kirchen

Kritik kommt von den Kirchen, aber auch aus der Ärzteschaft. Unabhängig vom derzeit diskutierten Bluttest zur Trisomie sei damit zu rechnen, dass schon in absehbarer Zeit weitere molekulargenetische Testverfahren zur Verfügung stünden, die "fundamentale ethische Grundfragen unserer Werteordnung berühren", heißt es in einem Schreiben des Bundesausschusses. Bereits im Januar hatte der für bioethische Fragen zuständige Bischof Gebhard Fürst aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in einem Brief an den G-BA vor den Tests gewarnt.

Alle empirischen Forschungen zeigten, dass der Test "als reines Selektionsinstrument wirkt, das einen Abtreibungsautomatismus in Gang setzt." Ähnlich äußert sich auch der Augsburger Weihbischof Anton Losinger. Durch solche Diagnosemöglichkeiten steige der Rechtfertigungsdruck, so das ehemalige Ethikratsmitglied im Bayerischen Rundfunk. Trisomie 21 sei inzwischen "so gut wie ausgerottet".

"Man sieht es bereits in profanen Begegnungen auf der Straße, wenn Mütter mit Kindern mit Behinderung berichten, dass Menschen fragen: War das nötig? Man hat doch heute die entsprechenden Verfahren, das zu verhindern?"

Weihbischof Anton Losinger

Weiter sprach Losinger von einem "eklatanten Widerspruch", einerseits Inklusion für Menschen mit Behinderung zu fordern und andererseits Embryos mit einem Gendefekt abzutreiben.

Zahlen rund um Abtreibung

  • In Deutschland haben sich im vergangenen Jahr 634 Frauen dazu entschlossen, ihr Kind nach der 22. Woche abtreiben zu lassen. Medizinisch spricht man dann vom  Spätabbruch, weil ein Kind ab diesem Zeitpunkt lebensfähig wäre.
  • Die Tendenz zu späten Abbrüchen steigt – das belegen die Zahlen. Im Jahr 2010 waren es noch 462 Frauen, die einen solchen Schritt gingen.
  • Zwischen der 13 und der 21. Woche wurden im letzten Jahr gut 2000 Kinder abgetrieben. Das gilt medizinisch zwar noch nicht als Spätabbruch, wird aber juristisch und medizinisch genauso behandelt.
  • In Deutschland leben etwa 50.000 Menschen mit einem Down-Syndrom. Statistiken zufolge lassen inzwischen neun von zehn Frauen abtreiben, wenn sie von der Behinderung während der Schwangerschaft erfahren.

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