Religion


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Christen und die AfD Zwischen Feindschaft und Freundschaft

AfD und Kirche - das geht etwa so gut zusammen wie Teufel und Weihwasser, könnte man meinen. Denn einige Bischöfe distanzieren sich klar vom Rechtspopulismus. Aber etwa 20 Prozent der Basis sympathisieren mit der Partei.

Von: Antje Dechert

Stand: 11.05.2017

AfD-Wahlplakat vor Freiburger Münster im Jahr 2013 | Bild: picture-alliance/dpa

Das Christentum verpflichte zur Nächstenliebe und deshalb müsse Deutschland Flüchtlinge aufnehmen. Das haben Spitzenvertreter beider großen Kirchen in Deutschland immer wieder betont.

Keine Dombeleuchtung für die AfD

Und immer wieder haben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx oder der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strom damit auch Stellung bezogen gegen Rechtspopulismus und die Politik der AfD. So knipste der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr 2016 die Dombeleuchtung aus, als die AfD vor Ort demonstrierte. Der Kölner Kardinal Woelki und katholische Jugend-Verbände erklären öffentlich, die AfD sei für Christen nicht wählbar und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erteilte offiziellen Gesprächen mit der AfD Anfang des Jahres eine Absage.

Bei den Oberen sind die Fronten klar

Nicht minder angriffslustig ist die AfD, wenn es um die Kirchen geht. Da gehört das Schimpfen auf die "Pfaffen" und ihre vermeintlich "verlogene" Flüchtlingspolitik inzwischen zum  rhetorischen Standard-Repertoire. Dann vor wenigen Wochen auf dem AfD-Parteitag in Köln: Der niedersächsische AfD-Chef Armin-Paul Hampel rief seine Parteifreunde unter lautem Beifall zum Kirchenaustritt auf:

"Wer die große Errungenschaft des christlichen Glaubens, nämlich die Botschaft der Liebe und die Botschaft des Vergebens, so umkehrt (wie das gerade Herr Schmidt formuliert hat), in den Agitationen der beiden Kirchen gegen die Alternative für Deutschland, liebe Freunde, in dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein, sondern das sollten wir durch unseren Austritt dokumentieren."

Armin-Paul Hampel, niedersächsischer AfD-Chef

Droht das Kentern nach rechts?

So klar die Frontstellung auf Seiten der Spitzenvertreter – so diffus die Verflechtungen an der Basis, warnt der katholische Politikwissenschaftler Andreas Püttmann in seinem gerade erschienenen Buch "Wie katholisch ist Deutschland?". Er sieht ein drohendes Kentern nach rechts. Nicht bei den Bischöfen, sondern bei ihren Schäfchen. In beiden Kirchen, vor allem aber bei Mitgliedern der evangelikalen Freikirchen und seitens erzkonservativer Katholiken gebe es Unterstützung für die AfD.

"Man ist ja der Meinung, dass eine Zerstörung der Familie stattfinde, insbesondere durch eine internationale Verschwörung der Homo-Lobby. Es ist also durchaus etwas verschwörungstheoretisch dieser Ansatz. Und dann ist man in der Religionspolitik der Meinung , dass das Christentum natürlich eindeutig bevorzugt werden müsse."

Andreas Püttmann, Publizist

Christliche Islamkritiker, Lebensschützer, Abtreibungsgegner schreiben etwa als Autoren für die rechtskatholischen Plattform kath.net genauso wie für die rechte Zeitung Junge Freiheit. Das christliche Forum "Charismatismus.wordpress.com" zeigt sich demonstrativ AfD-nah. Und seit 2014 gibt es die parteiinterne Gruppe "Christen in der AfD". Wer die Homepage der Gruppierung liest, dem wird klar. Hier sammeln sich Katholiken, Protestanten und Freikirchler, die sich weder von ihrer Kirchenleitung noch von einer Partei vertreten fühlen. Ihr Trost, heißt es da, sei die AfD:

"Hier, in der AfD, sehen wir die Möglichkeit, für unser Vaterland politisch zu wirken. Möge seine Eminenz, Herr Kardinal Marx, den Platz am Tisch der Mächtigen bevorzugen, die alles tun, um das Christentum in Deutschland zum Erlöschen zu bringen. Doch immer mehr entwickelt sich die AfD zum Sammelbecken der konservativen Christen in Deutschland. Und das ist auch gut so."

Christen in der AfD

Bischöfe beobachten diese Kluft zu Teilen ihres Kirchenvolks mit Sorge. Wie umgehen mit dem Rechtspopulismus? Brücken bauen oder Abstand halten, um sich vor bedrohlichen Einflüssen zu schützen?

"Die AfD wünscht sich, man könnte polemisch sagen, eine deutsche Kirche und eine deutsche Kirche und deutsche Christen das hatten wir ja bekanntlich schonmal"

, Volker Resing

Ausladung beim Katholikentag, Einladung beim Kirchentag

Auch er hat gerade ein Buch geschrieben über die AfD und deren Hassliebe zur Religion. Die Partei, sagt Resing, verbinde klar rechte Thesen mit christlichen Ideen. Da gelte es auf Distanz zu gehen. Andererseits sei es falsch, Christen in der AfD pauschal als Neonazis abzustempeln. Die AfD sei eben eine  Meisterin des Diffusen, die rechtspopulistische mit traditionell konservativen Haltungen mische.

"Auf der einen Seite klar zu sagen, die Christen wenden sich im Kern immer den Schwachen zu. Auf der anderen Seite ist es natürlich gefährlich, da in eine Dialogverweigerung einzutreten. Wir dürfen hier auch nicht Märtyrer schaffen, indem wir Leute verunglimpfen, die wir ungerechterweise in eine rechte oder rechtspopulistische Ecke stellen."

Volker Resing, Publizist

Das würde die rechten Kräfte nur verstärken. Die Kirchen scheinen das erkannt zu haben. Auf dem evangelischen Kirchentag Ende Mai in Berlin ist die Vorsitzende der "Christen in der AfD", Annette Schultner, zur Diskussion geladen.


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Joachim Datko, Freitag, 12.Mai, 07:13 Uhr

1. Die AfD ist OK! Die christlichen Kirchen sind übel!

Vorab: Es gibt keinen Gott, es gibt keine Götter!

Die AfD sollte sich den christlichen Kirchen nicht anbiedern. Die beiden großen Kirchensteuerkirchen beuten die Bevölkerung aus.

Es ist gut, dass die AfD den Islam kritisiert. Religionen versuchen den Menschen das Selbstbestimmungsrecht zu stehlen.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph

  • Antwort von Truderinger, Freitag, 12.Mai, 14:04 Uhr

    Wenn Sie Philosoph sind, dann bin ich Reichskanzler. Behalten Sie Ihr atheistisches Weltbild für Sich und hören Sie auf von Ausbeutung zu schwafeln.