Religion


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Kardinal Meisner in Bad Füssing gestorben Kompromisslos für den Glauben

Am Mittwochmorgen ist der frühere katholische Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, in Bad Füssing gestorben. Er scheute keine Konflikte, wenn es um den Glauben ging. Das bekam selbst Papst Franziskus zu spüren.

Stand: 05.07.2017

Kardinal Joachim Meisner gestorben | Bild: picture-alliance/dpa

Meisner war einer der profiliertesten Köpfe des Katholizismus in Deutschland. Wenn er die Glaubenslehre oder die gesellschaftliche Moral bedroht sah, so pflegte der Kardinal eine kritische und auch provokante Sprache. Für Empörung sorgte er zum Beispiel, als er 2005 Abtreibungen mit dem Holocaust verglich. Zweifel am Zölibat oder Forderungen nach dem Frauenpriestertum forderten den Widerspruch Meisners heraus.

Gegen die Ehe-Lehre des Papstes

Kardinal Meisner bei Johannes Paul II. 1984

Selbst Papst Franziskus bekam seinen Unmut zu spüren, für dessen Ehe-Lehre er wenig übrig hatte. Franziskus hatte in seinem Schreiben "Amoris laetitia" darauf gedrängt, dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden. Dies ging dem emeritierten Erzbischof aus Köln zu weit: Gemeinsam mit drei anderen Kardinälen forderte er im November 2016 den Papst in einem öffentlich gewordenen Brief zur Klärung mehrerer "Zweifel" auf.

Mit Johannes Paul II. und Benedikt XVI., den beiden Vorgängern von Papst Franziskus, verstand sich Joachim Meisner deutlich besser. Auf seine Initiative hin verfügte Papst Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der katholischen Kirche in Deutschland aus dem staatlichen System der Schwangerenberatung - ein Schritt, den eine beträchtliche Anzahl von Bischöfen nur ungern vollzog.

Für den Lebensschutz - von Anfang an bis zum Ende

Kardinal Meisner bei seinem Abschied aus Berlin.

Gegenwind aushalten - diese Haltung hat der 1933 im schlesischen Breslau geborene Geistliche besonders in der DDR entwickelt. Mit der Familie flüchtete er 1945 nach Thüringen, wo er nach einer Banklehre Priester und dann Weihbischof in Erfurt wurde. 1980 kam er als Bischof in die geteilte Stadt Berlin und legte sich mit Honecker und Genossen an. Johannes Paul II. setzte Meisner 1989 als Erzbischof von Köln ein - gegen den Widerstand des dortigen Domkapitels, das bei der Ernennung übergangen worden war.

In Köln, seiner vierten "Heimat", kämpfte er seitdem nicht mehr gegen staatlich verordneten Atheismus, sondern gegen die Gottvergessenheit in einer konsumorientierten Welt. Die besondere Aufmerksamkeit Meisners galt dem Lebensschutz. Scharf wandte er sich gegen Versuche, aktive Sterbehilfe zu erlauben: "Der Mensch soll an der Hand des Menschen sterben, nicht aber durch seine Hand." Nicht minder energisch prangerte er Abtreibungen und Forschungen an Embryonen an, um "alt und krank gewordenes Leben sanieren zu können". Meisner wollte den Glauben an den Mann oder die Frau bringen, ohne diesen "zu verbilligen".

Kompromisslos den Glauben bewahren

Kardinal Joachim Meisner winkt 2014 in Köln nach seinem Abschiedsfest vor dem Dom.

Erschüttert reagierte der Kardinal 2013 auf den Rücktritt von Papst Benedikt XVI., mit dem er ebenfalls freundschaftlich verbunden war. "Bis zum Tod - das habe ich nicht nur in Bezug auf Ehen so gesehen, sondern auch auf das Papstamt", beschrieb er seine erste Reaktion. Später seien seine Vorbehalte aber "weggeschmolzen", bekundete der Kardinal Verständnis für die körperliche Schwäche Benedikts. Zwischen Franziskus und Meisner bestand ein eher distanziertes Verhältnis, wenngleich der Kardinal keinen Zweifel daran ließ, dass der Lateinamerikaner legitimer "Nachfolger Petri" ist.

Meisner sei während eines Urlaubs in Bad Füssing "friedlich eingeschlafen", teilte das Erzbistum Köln und die Deutsche Bischofskonferenz mit. Er wurde 83 Jahre alt. Seine kompromisslose Haltung hat ihm das Etikett "konservativ" eingebracht. Er sah das positiv. Denn konservativ meine doch nur, "den Glauben zu bewahren".

Trauer und Betroffenheit

Papst Franziskus

Papst Franziskus hat den "treuen und unerschrockenen Einsatz" des verstorbenen Kardinals für das "Wohl der Menschen in Ost und West" gewürdigt. "Aus einem tiefen Glauben und einer aufrichtigen Liebe zur Kircher heraus" sei Meisner für die christliche Botschaft eingetreten, schreibt das Kirchenoberhaupt am Mittwoch in einem Kondolenztelegramm an dessen Nachfolger Kardinal Rainer Woelki. Er habe die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod des Kardinals mit innerer Anteilnahme angenommen, betont der Papst in seinem Schreiben. Er verbinde sich mit dem ganzen Erzbistum Köln im Gebet für den Verstorbenen.

Kardinal Reinhard Marx

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, reagierte mit Trauer und Betroffenheit auf den Tod von Joachim Meisner. Die Kirche in Deutschland verliere einen gläubigen Katholiken, "der bis zuletzt Position bezogen hat zu seinen Überzeugungen und der sein Wissen und seine Kompetenzen viele Jahre in die katholische Kirche einbrachte", erklärte Marx. Er würdigte den ehemaligen Kölner Erzbischof als mutigen Kämpfer, dessen Frömmigkeit und theologische Argumentation ihn immer beeindruckt hätten.

"Er war bereit, öffentlich anzuecken und hielt mit seiner Meinung nicht zurück."

Kardinal Reinhard Marx

Bischof Friedhelm Hofmann

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann würdigte den Verstorbenen als "spannungsreiche Persönlichkeit". Wer ihm persönlich begegnet sei, habe sich "über seine offene, unkomplizierte Art, seinen schlesischen Humor und seine zupackende Menschlichkeit" gefreut, so Hofmann. Aus dem unerschütterlichen Glauben an Gottes Gegenwart unter den Menschen habe er "kompromisslos für klare Grundhaltungen des Glaubens" gekämpft.

"Für Osteuropa, für die Aussöhnung mit den Polen, für Kirche im Untergrund steht er als eine Persönlichkeit, an der man im 20. Jahrhundert nicht vorbei kommt."

Bischof Friedhelm Hofmann

Bischof Stefan Oster

Der Passauer Bischof Stefan Oster erklärte, dass die katholische Kirche mit dem Tod Meisners "eine der profiliertesten Stimmen" verloren habe. Meisner habe sich nie gescheut, klar für seine Überzeugungen Position zu beziehen. Er sei ein Mann tiefen Glaubens gewesen und werde fehlen.

"Froh bin ich, dass er offenbar friedlich eingeschlafen ist - zumal in seiner Urlaubszeit in einer ihm sehr vertrauten Umgebung in unserem Bistum."

Bischof Stefan Oster


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