Religion


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Holocaust-Gedenktag Leben nach dem Überleben

Am 27. Januar wird der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Seit über zwanzig Jahren gibt es diesen Gedenktag, der vom kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt wurde. An zahlreichen Orten in Deutschland wird an die Opfer der NS-Verbrechen erinnert, so wie in einer Ausstellung von Schülern des Gymnasiums Markt Indersdorf in Oberbayern.

Von: Barbara Schneider

Stand: 27.01.2017

Schülerin des Gymnasiums Markt Indersdorf in der Ausstellung im Augustiner Chorherren Museum in Markt Indersdorf.  | Bild: BR/ Barbara Schneider

Es ist ein Kapitel der Geschichte, das weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Überlebende jüdische Kinder haben in Markt Indersdorf nach der NS-Zeit eine erste neue Heimat gefunden. Das ansässige Kloster diente unmittelbar nach dem Krieg als Heim für jüdische Waisenkinder, deren Familien verschollen waren oder die Schoah nicht überlebt hatten.

Kloster Markt Indersdorf

Die Oberstufenschüler des Gymnasiums Markt Indersdorf in Oberbayern erinnern anlässlich des 27. Januar an diese jüdischen Kinder im Rahmen einer Ausstellung. Sie haben sich ein Jahr lang mit der Geschichte des jüdischen Kinderzentrums in ihrem Heimatort auseinandergesetzt. Das oberbayerische Dorf war nach dem Ende der NS-Diktatur für verwaiste jüdische Kinder ein Ort zum Aufatmen.

"Ich glaube, sie haben versucht diese Traumata dadurch zu überwinden, dass sie nach vorne geblickt haben; indem sie versucht haben, Abstand zu gewinnen und neu anzufangen."

Taisha, Schülerin des Gymnasiums Markt Indersdorf

Eva Haller, Präsidentin des Janusz-Korczak-Hauses in München, besichtigt die Ausstellung der Schüler

Für das Projekt haben die Schüler ehemalige Bewohner des Indersdorfer Kinderheims getroffen und porträtiert. Aus Bildern und Gesprächen ist eine Ausstellung entstanden, die bis März im Janusz-Korczak-Haus in München zu sehen ist.

"Wir leben in einer Zeit, in der es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird. Und es ist uns ungemein wichtig, dass die Erinnerung weitergegeben wird."

Eva Haller, Präsidentin des Janusz-Korczak-Hauses in München

Jüdische Jugendliche tanzen im Klosterhof vom Kloster Markt Indersdorf | Bild: Ghetto Fighters' House

Jüdische Jugendliche tanzen im Klosterhof vom Kloster Markt Indersdorf

Die Schüler erinnern daran, wie das Leben der jüdischen Kinder in Markt Indersdorf aussah, wie sie erste Schritte in die Normalität gingen und ihre Jugend nachholten. Dazu gehörten Besuche beim Friseur oder Fotografen ebenso wie das Schlittenfahren im Winter.

Aber nicht nur das: In Markt Indersdorf wurden die jüdischen Kinder auch auf die Zukunft vorbereitet.

"Das Ziel war ja, dass sie nach Israel auswandern sollten. Da haben sie unter anderem gelernt, sich selbst zu verteidigen und Landwirtschaft zu betreiben."

Daniela, Schülerin des Gymnasiums Markt Indersdorf

Das Schicksal der überlebenden Kinder bewegt die Schüler aus Markt Indersdorf. Es ist ihnen wichtig, die Geschichte weiter zu erzählen. Auch weil man viel von den jüdischen Waisenkindern lernen kann.

"Ich habe eine Zeitzeugin gefragt, was sie jungen Deutschen heute raten würde. Da hat sie gesagt, dass man einfach nur menschlich sein soll, auch wenn man mit anderen Leuten umgeht, denn man weiß nie, was sie erlebt haben."

Lisa, Schülerin des Gymnasiums Markt Indersdorf


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