Religion


12

1.700 Jahre Sankt Martin Teilen auf dem Martin-Pilgerweg durch Bayern

Auf den Spuren des heiligen Martin wandeln - das können Pilger auf dem neuen Martinsweg in Bayern. Es ist aber kein gewöhnlicher Pilgerweg: Überall am Wegesrand kann man "Orte des Teilens" besuchen und selbst teilen wie St. Martin.

Von: Barbara Weiß

Stand: 04.11.2016

Sankt Martin | Bild: picture-alliance/dpa/Felix Kästle

Einmal quer durch Europa - von Ost nach West - führt der neue Martinsweg. Von der Geburtsstadt des Heiligen in Ungarn bis zur Martinsbasilika nach Tours in Frankreich, wo das Grab des berühmten Mantelteilers verehrt wird. Innerhalb Bayerns verläuft die Route von Passau über Landshut, Dachau, Augsburg, Kaufbeuren weiter nach Memmingen.

Weg soll Menschen verbinden

Die neue Via Sancti Martini: gelbes Kreuz auf bordeauxfarbenem Hintergrund

Der neue Martinsweg verbindet nicht wie die traditionelle "Via Sancti Martini" (von Ungarn über Slowenien, Norditalien bis nach Tours) die Orte miteinander, an denen Martin gelebt und gewirkt hat. Die neue europäische Mittelroute verbindet dagegen Martinskirchen und caritative Einrichtungen - und der Weg will Menschen verbinden.

Rainer Roth aus dem Bistum Passau gehört zu den Initiatoren des bayerischen Martinswegs. Zuerst einmal hat der pensionierte Professor recherchiert, wo es in Bayern überall Martinskirchen gibt. Dann ist er losgefahren und hat fotografiert, hat mit Bürgermeistern, Landräten und Gemeindemitgliedern vor Ort überlegt, wie der Weg am besten verlaufen könnte. Schließlich hat er den Weg eigenhändig markiert.

Geholfen haben ihm dabei beispielsweise die Frauen vom Landshuter Wallfahrtsfrauenverein. Die Wegmarkierung der neuen Via Sancti Martini ist ein gelbes Kreuz auf bordeauxfarbenem Hintergrund, daneben das Signet des Europarats.

Orte des Teilens

An den "Orten des Teilens" haben Rainer Roth und seine Mitstreiter Schilder mit Bibelzitaten befestigt. Am Kindergarten in Passau beispielsweise liest man: "Wer eines meiner Kinder aufnimmt, nimmt mich auf!" Ein anderer Ort des Teilens, die Wärmestube für Bedürftige in Augsburg, steht unter dem biblischen Motto:

"Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Wärmestube für Bedürftige in Augsburg

In der Augsburger Einrichtung sind die Martinus-Pilger eingeladen mitzuessen und ihre Zeit und ihre Erlebnisse mit den Bedürftigen zu teilen. Auch in der Küche oder in der Kleiderkammer können die mithelfen, die auf den Spuren des heiligen Martin unterwegs sind.

Martinszentrum Kaufbeuren im Allgäu

Die sieben "leiblichen Werke der Barmherzigkeit":

  • die Hungrigen speisen
  • den Dürstenden zu trinken geben
  • die Nackten bekleiden
  • die Fremden aufnehmen
  • die Kranken besuchen
  • die Gefangenen besuchen
  • die Toten begraben

Kaufbeuren ist ein regelrechtes Martinszentrum: Gleich mehrere Orte des Teilens, zwei Pilgerherbergen, ausgeschilderte Wege und eine große Martinskirche mit einer Jahreskrippe, die die Lebensstationen des Heiligen zeigt, kann man dort besuchen. Das ist kein Zufall, denn Kaufbeuren ist seit 1992 die Partnerstadt von Martins Geburtsstadt Szombathely in Ungarn.

Zum 1.700sten Geburtstag des Heiligen Martin hat Bernhard Waltner, Stadtpfarrer von St. Martin in Kaufbeuren, schon das ganze Jahr über ein vielfältiges Martinsprogramm gestaltet. Pfarrer Waltner findet, dass das Thema sehr gut in das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit passt.


12