Religion


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Wenn das Licht durchbricht Die Glaskünstlerin Mahbuba Maqsoodi

Auch wenn es noch so dunkel ist, das Licht wird siegen. Diese Hoffnung drückt Mahbuba Maqsoodi in ihrer Kunst aus. In diesem Jahr hat die Glaskünstlerin ihren 60. Geburtstag gefeiert, leider ohne ihren Ehemann und künstlerischen Gefährten Fazl. Er starb vor sieben Jahren an einer schweren Erkrankung. Vieles erinnert bis heute an ihn.

Von: Sabine Barth/Diana Isabel Geier

Stand: 27.10.2017

Foto des Bildes "Und ich?"von Mahbuba Maqsoodi (2013) | Bild: BR/Mahbuba Maqsoodi/Sabine Barth

Mahbuba Maqsoodi lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in München. Nach einem Kunststudium und anschließender Promotion in der damaligen Sowjetunion konnten sie und ihr Mann nicht mehr in ihre Heimat Afghanistan zurückkehren. Fazl, Mahbuba und ihre zwei noch minderjährigen Söhne bekamen politisches Asyl in Deutschland.

Glaskünstlerin Dr. Mahbuba Maqsoodi | Bild: BR/Michael Reithmeier

In der 10. Klasse entdeckt Mahbuba ihre Begeisterung für die Malerei. Es ist ihre ältere Schwester Afifa, die sie bei der Suche nach einem Zeichenlehrer unterstützt, in den sich Mahbuba verliebt. Afifa, später Direktorin einer Mädchenschule, wird eines Tages auf dem Weg zur Schule erschossen. Der Verlust lastet schwer auf der Familie. Fünf Monate später stirbt die Mutter der Mädchen, die Afifas Tod nicht überwinden kann. Fazl ist Mahbubas Stütze in dieser Zeit. Er gibt ihr Kraft, dass sie für die Familie da sein kann – und sie trotzdem Pläne für ihr gemeinsames Leben schmieden können.

Die Glaskünstlerin Dr. Mahbuba Maqsoodi vor einem Porträt, das sie von ihrem Vater angefertigt hat. | Bild: BR/Michael Reithmeier

Mahbuba Maqsoodi vor einem Porträt, das sie von ihrem Vater angefertigt hat.

Dass nach Studium und Promotion keine Möglichkeit mehr sein würde, in Afghanistan zu leben, als Künstler und Künstlerin, mit den Ideen einer gelebten Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, ist damals noch nicht abzusehen. 1994 gelingt der afghanischen Familie in München ein Neuanfang. Sie werden als politische Flüchtlinge akzeptiert. Nach langem Suchen finden Fazl und Mahbuba Arbeit in der Mayerschen Hofkunstanstalt, für die sie viele Jahre tätig sind. Mahbuba entdeckt das Glas als künstlerischen Werkstoff für sich. Die kleine Familie fühlt sich in München mehr und mehr daheim. Musik, Poesie, Kunst, die Liebe zum Leben und zueinander, lassen sie wieder Zuversicht ins  Leben fassen.

Der Abschied

Glaskünstlerin Dr. Mahbuba Maqsoodi | Bild: BR/Michael Reithmeier

Das liebevoll gestaltete Grab von Fazel Maqsoodi

Doch dann erkrankt Fazl Maqsoodi schwer. Mahbuba setzt alle Hoffnung darauf, dass ihr „ungewöhnlicher, afghanischer Mann“ vielleicht auch einen ungewöhnlichen Heilungsweg gehen darf. Es kommt anders. Sie müssen sich mit dem bevorstehenden Tod auseinandersetzen. Sie sprechen darüber, wie der Grabstein aussehen soll – warm und licht - und wer ein paar Worte sagen soll. Keine christliche oder muslimische Beerdigung soll es werden. Fazl möchte, dass der Mensch spricht, der ihn am meisten versteht, Mahbuba. Auch dafür findet sie in ihrer Liebe zu ihm die Kraft, trotz des unermesslichen eigenen Schmerzes.

"Wenn man im Leben bleiben will, muss man sich bewegen."

Mahbuba Maqsoodi

Nach Fazls Tod ist es ihr eigenes Schaffen, das Weitermachen, das ihr Kraft gibt. Zum ersten Mal wagt sie sich an ein Bild, das den Mord an ihrer Schwester thematisiert. Es entstehen eine Vielzahl ausdruckstarker emotionaler Bilder, die sie auf Glas überträgt. Die Lebendigkeit des Lichtes fasziniert sie. Jede Sekunde kann sich durch einfallendes Licht der Eindruck des Bildes verändern. Genau wie im Leben.

Buchtipp: Der Tropfen weiß nichts vom Meer

Mahbuba Maqsoodi/Hanna Diederichs:
Der Tropfen weiß nichts vom Meer: Eine Geschichte von Liebe, Kraft und Freiheit. Mein afghanisches Herz, Heyne Verlag 2017
ISBN: 978-3-453-20156-9






Lesung mit Mahbuba Maqsoodi und Hanna Diederichs:

  • 20.11.2017, 19:30 Uhr in Starnberg: Bartelmann Handels GmbH Bücherjolle, Kirchplatz 3, Anmeldung unter Tel. 08151/12828 und info@buecherjolle.de
  • 24.01.2018 in München: Münchner Stadtbibliothek Moosach, Hanauer Straße 61 a

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