Religion


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G20-Gipfel in Hamburg Wie bringen sich kirchliche Organisationen ein?

Wenn nächste Woche die G20-Staaten an einem Tisch sitzen, würden viele NGOs und Aktivisten gerne mitdiskutieren. Auch kirchliche Organisationen wollen sich Gehör verschaffen.

Von: Markus Kaiser

Stand: 30.06.2017

If I had a chair - Aktion bei C20 Gipfel | Bild: global.gerecht.gestalten, Kirchliches Bündnis zum G20-Gipfel

Der G20-Gipfel versetzt kirchliche Organisationen in Bewegung. Sie wollen mit ihrer Stimme bis zu den Verhandlungspartnern durchdringen, wenn sie schon keinen eigenen Stuhl am Verhandlungstisch bekommen.

Seit diesem Mai gab es in und um Hamburg rund 50 Veranstaltungen vom kirchlichen Bündnis global.gerecht.gestalten, das sich extra für den G20-Gipfel gegründet hat. Es gab unter anderem Vorträge von Menschen aus hochverschuldeten Ländern, die über ihre Probleme sprechen; Podiumsdiskussionen zu Themen wie Klima und Ernährung, Abendgebete und Ökumenische Gottesdienste.

21 Glockenschläge

 Zum Start des G20-Gipfel ist ein 24-Stunden-Gebet geplant. Kirchengemeinden sind dazu aufgerufen, Friedensandachten zu halten, bei denen die Kirchenglocken 21 Mal schlagen sollen.

"Weil eben nur 20 am Tisch sitzen und wir sagen, es müssen mehr am Tisch sitzen, bring your own chair!"

Mirjam Freytag, Sprecherin des Bündnisses global.gerecht.gestalten

Die Civil-20

Das kirchliche Bündnis in Hamburg will ein gesellschaftliches Klima erzeugen. Dass die Organisation einen Einfluss auf die G20-Verhandlungen hat, glaubt Mirjam Freytag nicht. Den könnte aber das katholische Hilfswerk Misereor haben. Es ist Teil der Civil-20, einem internationalen Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die C-20 dürfen seit 2010 politische Empfehlungen abgeben, die sie in diesem Jahr persönlich mit der Bundeskanzlerin besprochen haben.

"Wir erwarten einen Politikwechsel, der eine Abkehr vom ungebremsten Wirtschaftswachstum bedeuten würde. Dieser Prozess des Wirtschaftswachstums produziert in vielen Ländern des globalen Südens Verlierer."

Klaus Schilder, Politikreferent bei Misereor

Die Arbeit an den Politikempfehlungen der C20 begann bereits im Oktober letzten Jahres. Früh genug, um eine Chance zu bekommen in den Verhandlungen des G20-Gipfels berücksichtigt zu werden, findet Klaus Schilder. Das zivilgesellschaftliche Engagement und die Kritik von Misereor und der C20 seien mehr als ein Feigenblatt mit dem sich der G20-Gipfel schmückt, groß sei der Einfluss dennoch nicht.

“Bring Your Own Chair”

Die Botschaft des Musikvideos „Bring Your Own Chair“ ist einfach: Wenn du nicht zum Verhandlungstisch eingeladen bist, dann bring deinen eigenen Stuhl mit und misch dich ein!

"795 Millionen Menschen hungern. Das Mittelmeer ist mittlerweile zu einem Massengrab geworden und die Folgen des Klimawandels müssen andere ausbaden. Wir wollen dass es dazu Gespräche gibt und Alternativen entwickelt werden."

Mirjam Freytag, Sprecherin des Bündnisses global.gerecht.gestalten

Hinter dem Song stecken engagierte Jugendliche aus dem kirchlichen Bündnis in Hamburg global.gerecht.gestalten, das sich bewusst für den G20-Gipfel gegründet hat. Mit dabei etwa 40 Mitglieder, wie das Erzbistum Hamburg, das Diakonische Werk oder Brot für die Welt.

Rückendeckung von Kardinal Reinhard Marx

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, unterstützt das Engagement, mit dem kirchliche Organisationen Einfluss auf die G20 nehmen wollen. Der Kardinal selbst appelliert an die Staats- und Regierungschefs, „auch über die grundlegenden Fragen ernsthaft nachzudenken“ und ihr Handeln am Gedanken eines „Weltgemeinwohls“ auszurichten.

„Zum Sonntag“, Bayern 2
Samstag 1. Juli, um 17.55 Uhr


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